Ein Klang erwacht

Interview mit der Liedermacherin, Sängerin, Autorin und Musikpädagogin Béatrice Gründler.

Ich möchte euch heute eine Kollegin vorstellen, die bei ihrer Arbeit ähnliche Ziele verfolgt und ähnliche Leidenschaften entwickelt hat wie ich. Musik und Kinder stehen auch bei ihr im Vordergrund und doch sind ihre Wege ganz andere als meine.

Die Schweizerin Béatrice Gründler ist Liedermacherin, Sängerin, Autorin und Musikpädagogin. Und wer sie etwas näher kennenlernt und ihre Publikationen und Internetauftritte auf sich wirken lässt, erkennt sofort: Sie ist eine tolle Frau.

So lade ich euch heute zu einem Spaziergang mit Béatrice Gründler und mir ein. Unser Weg führt uns durch die wunderbare historische Innenstadt von Stein am Rhein in der Schweiz.

Gabriele: Liebe Béatrice, bitte erzähle uns etwas über dich.

Béatrice: Tja, wo soll ich anfangen?

Gabriele: Beginnen wir mit deinen beruflichen Tätigkeiten.

Béatrice: Am liebsten schreibe ich Kinderlieder und Geschichten. Viele davon habe ich auch schon veröffentlicht. Ich unterrichte in der Weiterbildung von Musik-/Lehrpersonen im In- und Ausland sowie an der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen Musikdidaktik und Gesang. Außerdem begleite ich Menschen als Focusing Trainerin in ihren kreativen Prozessen oder auf ihrem Weg zu sich selbst. Alles, was ich tue, macht mir große Freude und inspiriert mich.

Gabriele: Und die „private“ Béatrice, was mag sie?

Béatrice: Mein Garten und der Rhein, an dem ich wohne, bedeuten mir viel. Immer wieder zieht es mich aber auch zum Wandern in die Berge. Ich gestalte gerne mit Pinsel, Stift und Ton und mag besonders chinesischen weißen Tee, indische Currys und A Capella aus aller Welt.

Gabriele: Einigen meiner LeserInnen bist du bestimmt in erster Linie als Liedermacherin von Kinderliedern bekannt. Deine Hefte mit dem für Deutsche wie mich  ungewöhnlichen Titel „Chinderlieder“ waren mir schon vor einigen Jahren auf der Musikmesse aufgefallen. Wie kamst du dazu, Kinderlieder zu schreiben?

Béatrice: Wie jedes Kind habe ich, als ich etwa zwei Jahre alt war, begonnen Lieder nachzusingen, habe sie abgeändert und improvisiert. Meine Puppe und ein Bakelit-Spieltelefon hörten sich stundenlang meine Lieder, Verse und Geschichten an.

Gabriele: Naja, heute machen das die Kinder leider zu wenig. Wenn du damals die Lieder schon abgeändert und improvisiert hast, sind wir deiner Begabung damit schon auf der Spur. Aber erzähle bitte weiter.

Béatrice: Meine lebenslustige, gesellige Großmutter hatte oft „die Bude voll“ Leute, denen sie auch ihre Gedichte zum Besten gab. Etwas älter verkleideten wir zahlreichen Enkel uns jeweils bei ihr auf der Winde mit Theater-Klamotten, welche unsere Fantasie nur so beflügelten. Es war normal, dass wir da auch mehrstimmig sangen und ich hörte und sang mit der Zeit automatisch die zweite oder dritte Stimme. Das Singen und die heiteren Stunden in jener gemütlichen Stube haben mich geprägt und auch emotional getragen.

Gabriele: Wow, das ist toll. Wie alt warst du, als du dein erstes eigenes Lied geschrieben hast?

Béatrice: Mein erstes Lied schrieb ich für eine Kindergruppe mit 15 Jahren und weil dies gut ankam, habe ich halt weitergemacht und es hört irgendwie nicht mehr auf.

Gabriele: Was inspiriert oder treibt dich an, neue Kinderlieder zu schreiben?

Béatrice: Wortspielereien, Reime, Melodien und Ideenskizzen schwirren oft lange in meinem Kopf herum. Ich kann mich manchmal kaum dagegen wehren. Sie laufen mir nach. Irgendwann schreibe ich sie auf, basta. Besonders, wenn ich in der Natur bin, am Wandern oder beim Kajakfahren «überfallen» sie mich. Ich schreibe die Lieder wohl an mein eigenes inneres Kind, möchte ihm heitere Geschichten erzählen und ihm Mut machen.

Gabriele: Ich schreibe manchmal Kinderlieder, weil ich sie für meinen Unterricht benötige. Geht es dir auch so?

Béatrice: Oh, ja. Ich suchte häufig für den Unterricht nach einem geeigneten Lied, das meinen Vorstellungen und dem Unterrichtsthema entsprach. Das ließ sich aber nicht immer finden. So habe ich oft kurzerhand ein eigenes Lied geschrieben. Kinder inspirierten mich am meisten und es entstanden auch Lieder mit ihnen zusammen, damals bei meiner Arbeit im Kindergarten, dann im Musikunterricht. Immer wieder werde ich auch angefragt, zu einem Thema ein Lied zu schreiben.

Gabriele: Du hast auch Kinderbücher geschrieben. Was ist das Besondere an deinen Geschichten?

Béatrice: Viele meiner Geschichten sind musikalisch angehaucht und vertiefen Aspekte aus der Welt der Klänge und Töne.

Gabriele: Eines deiner Bücher „Der Traum von Fidelio Vogelsang“ habe ich mir unter diesem Aspekt genauer angeschaut. Eine Rezension dazu findet ihr „hier“. Es hat mir übrigens sehr gut gefallen.

Zurück zu deinen Liedern. Für welche Zielgruppe schreibst du sie?

Béatrice: Meine Lieder richten sich an Kinder von 4-10 Jahren. Die Sammlung «Singe spiele tanze klinge» hat den Schwerpunkt Alltag in Kindergarten / Unterstufe. Damit werden Rituale, Übergänge, Kreisspiele und alltägliche Situationen und Ereignisse singend begleitet und gestaltet.

Gabriele: Gibt es auch Liederhefte für das Musizieren zu Hause von dir?

Béatrice: Ja. Das Liederheft «Ohreschmaus und Zungebrächer» ist für den Kinderalltag zu Hause entstanden, konkret für meinen Sohn, damit er sich damals die Wochentage, Jahreszeiten und das Tischen etc. merken konnte oder das Zähneputzen, Händewaschen und Schlafengehen beschwingt von statten ging. Das Heft «Ping Pong» enthält vor allem Lieder zu Tieren, Jahreszeiten und Geschichten.

Gabriele: Du hast schon erzählt, dass du auch Auftragstitel schreibst. Was für Lieder sind das?

Béatrice: Das sind zum Beispiel Lieder für Lehrmittel, für Schulaufführungen, eine Fernsehsendung, das große Kinderfest in St Gallen oder eine Singstafette an einem 175- jährigen Jubiläum der Schulen im Kanton Zürich oder auch mal eine Stadthymne. Die methodischen Ideen zu den Liedern und Bilderbüchern sind ebenfalls notiert. Ich schreibe diese auch für Beiträge in den beiden musikpädagogischen Zeitschriften Musik mit K (CH) und Pamina (D, A).

Gabriele: Ganz unter uns: Schreibst du auch manchmal Lieder für dich?

Béatrice: Das mache ich auch, aber ich behalte sie nicht für mich allein, sondern gebe sie dann an Festen, Vernissagen und ähnlichen Veranstaltungen zum Besten.

Gabriele: Was möchtest du mit deinen Liedern bewirken?

Béatrice: Ein großes Anliegen ist mir, dass Bewegung und Schwung die Schulzimmer belebt, weshalb ich viele Bewegungslieder geschrieben habe. Singen ist bei jüngeren Kindern und bei nativen Völkern selbstverständlich mit Bewegung verbunden.

Gabriele: Manche deiner Lieder entsprechen in Bezug auf den Aufbau und die Taktarten nicht der gängigen Machart von Kinderliedern. Warum schreibst du solche Lieder?

Béatrice: Ich möchte den Kindern musikalisches Futter geben, weshalb ich bewusst immer wieder mal was zum «Kauen» einbaue: ein Lied im 5/8-Takt, eines mit mehreren Teilen oder eine Katzenkoloratur zum Beispiel. Viele meiner Lieder sind auch in ungeraden Taktarten geschrieben, da dies körperlich guttut und m. E. zu selten erfahren wird. Der ¾-Takt «schraubt uns hoch», der 4/4 erdet, beides ist wichtig und wertvoll.

Gabriele: Alle deine Geschichten haben auch eine oder mehrere Botschaften. Bitte erzähl uns etwas darüber.

Béatrice: Gerne. Manche Geschichten und Lieder kommen lustig-leicht daher, verbergen aber auch Wahrheiten und Ermutigungen, welche die Kinder intuitiv verstehen. Zum Beispiel im Lied «Fröschetanz» setzt sich der «komische» Tanzfrosch schlussendlich mit seiner Idee durch, seine strammen Schenkel nicht nur zum Fliegenfangen zu benützen, wo ihn doch anfangs alle belächelt haben. Das Froschtanzfest war sein Sieg über den anfänglichen Spott.

Gabriele: Was ist deine Botschaft oder dein Ansinnen, das du mit deiner Arbeit vermitteln möchtest?

Béatrice:  Ich möchte gerne Freude, Sinnlichkeit, Humor und Mut vermitteln und auch, dass jedes Kind seine besonderen Seiten leben darf und die Vielseitigkeit ihren Raum haben kann. Das Träumen und Staunen über die Natur und alltägliche Kleinigkeiten sind ein wesentlicher Hintergrund aller meiner bisher rund 200 veröffentlichten Lieder.

Gabriele: Liebe Béatrice, ich danke dir für dieses Gespräch und hoffe, dass du mit deinen Liedern weiterhin viele, viele Kinder ermutigen und begeistern kannst.

 

Kontakt:

www.ein-klang.com
beatrice.gruendler@ein-klang.com

Die Liedermacherin, Sängerin, Autorin und Musikpädagogin unterrichtet an der Pädagogischen Hochschule Schaffhausen und gibt Weiterbildungskurse für Musik-/Lehrpersonen in der ganzen Schweiz und im angrenzenden Ausland und begleitet ihre Musicalprojekte an Schulen.

1 Kommentar
  1. Béatrice sagt

    Vielen Dank für das Interview, es war mir eine Freude, liebe Gabriele!

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