Für Musiker_innen, Musik- und Intrumentalpädagog_innen, Sänger_innen & Hobbymusiker_innen

Was ist meine Arbeit wert?

Leisten Musiker und Musiklehrer eine wertvolle Arbeit, die auch entsprechend entlohnt werden sollte?

Stell dir vor, eine gute Fee käme in dein Zimmer und würde zu dir sagen: „Hallo, du fleißiger Musiker. Du erfüllst diese Welt mit lieblichen Tönen, dafür möchte ich dir danken. Denk darüber nach, was deine musikalische Arbeit wert ist, denk genau nach und wenn du zu einem Ergebnis gekommen bist, lass es mich wissen und du sollst den entsprechenden Lohn erhalten.“

Was würdest du antworten?

Natürlich möchten wir alle genügend Geld zur Verfügung haben, aber wieviel Geld wäre das? Es gibt Menschen, die spontan eine riesige Summe nennen würden. Mit welchem Recht verdient ein Fußballspieler Millionen, von Managern und Hollywood-Schauspielern ganz zu schweigen? Auch in unserer Branche werden Traumgagen bezahlt, aber leider nur einer kleinen Gruppe von Musikern. Und nicht immer sind die mit den größten Einkünften auch die Besten.

Der Wert einer Arbeit

Kann man den Wert einer Arbeit überhaupt bemessen? Gibt es wichtige und unwichtige Tätigkeiten? Jeder, der schon einmal ins Krankenhaus musste, wird mir zustimmen, dass die Ärzte dort eine wertvolle Arbeit leisten. Die meisten Ärzte werden dafür auch gut entlohnt. Wir sind uns wahrscheinlich auch einig, dass die Pflegekräfte wertvolle Arbeit leisten, allerdings verdienen diese schlecht.

Begründet werden die höheren Gehälter der Ärzte mit der Länge der Ausbildung und dem Maß an Verantwortung, die sie tragen. Argumente, die man nicht einfach von der Hand weisen kann. Natürlich wünsche ich mir als Patientin, dass der Arzt mir meinen entzündeten Blinddarm im Notfall fachmännisch entfernt und ich so überlebe. Was aber würde passieren, wenn mich anschließend niemand weiter betreut?

Der Wert der Arbeit eines Musikers oder Musiklehrenden

Nun sind wir, du lieber Leser und ich, keine Ärzte. Wir sind MusikerInnen oder MusiklehrerInnen. Leisten wir eine wertvolle Arbeit? Einige Außenstehende würden sicher antworten: Nein – man kann auch ohne Musik und Musikunterricht überleben. Das ist richtig. Zum bloßen Überleben benötigt ein Mensch nur wenige Dinge, nämlich Luft, Wasser, Nahrung und eine Behausung, die ihn vor dem Erfrieren und anderen Feinden schützt.

Ich dagegen behaupte jedoch, dass wir eine wertvolle Arbeit leisten. Musik ist ein wichtiger Teil im Leben fast aller Menschen auf dieser Welt. Bevor es die Möglichkeit gab, Musik zu konservieren, mussten die Menschen ihre Musik selber machen oder sich jemanden holen, der die Musik machte. Und natürlich benötigte man auch Personen, die anderen zeigten, wie man musiziert und Fachleute, die Musikstücke komponierten. Daran hat sich im Grunde nichts geändert.

Eine umfangreiche Ausbildung

Wir Musiker haben eine der langwierigsten Ausbildungen überhaupt genossen. Ein großer Teil wurde von unseren Eltern privat finanziert.

Vergleichen wir einen Medizinstudenten und einen Musikstudenten. Von einem Medizinstudenten wird erwartet, dass er ein überdurchschnittlich gutes Abitur hat. Wenn du dein Abitur mit 1,0 bestanden hast, wird dich jede Hochschule zum Medizinstudium zulassen. Hast du den Durchschnitt nicht erreicht, musst du warten und/oder einen Eignungstest machen. Auch ein FSJ oder der Wehrdienst sind hilfreich.

Betrachten wir nun den Musikstudenten. Wenn er an einer Universität studieren möchte, benötigt er in der Regel auch das Abitur. Das ist aber noch nicht alles. Niemand kann Musik studieren, weil er ein 1,0er Abitur hat. Auch FSJ und Militärdienst werden nicht helfen. Jeder, der Musik studieren möchte, muss neben dem Abitur eine Aufnahmeprüfung bestehen. Und bei der Aufnahmeprüfung geht es nicht darum zu zeigen, dass man weiß, wie man eine Geige hält nein man muss sie schon ziemlich perfekt beherrschen. Auch die Theorieprüfung bedarf einer guten Vorbereitung. Das bedeutet, dass ein Musikstudent schon viele Jahre vor seinem Studium Unterricht nehmen und viele Stunden üben musste, um mit dem Studium beginnen zu können.

Würde man nur die Dauer und Schwere der Ausbildung für die Bemessung des Wertes unserer Tätigkeit heranziehen, müssten wir alle Hochverdiener sein.

Musiker und Geld

Es scheint, dass viele Musiker ein spezielles Verhältnis zum Geld haben. Liest man die Biographien bekannter Musikerpersönlichkeiten der letzten Jahrhunderte, haben sich nur wenige durch geschäftliches Geschick ausgezeichnet. Viele waren arm, konnten nur schlecht mit Geld umgehen oder haben sich von den Zuwendungen reicher Personen abhängig gemacht. Nach Applaus und Ruhm verzehrten sich viele Musiker, aber um ihre Finanzen haben sie sich nur unzulänglich oder gar nicht gekümmert.

Das Musikerleben heute

Fast alle Musiker lieben ihre Tätigkeit und so sind sie in Gefahr, den Wert ihrer Arbeit falsch einzuschätzen. Nehmen wir als Beispiel die engagierte Jugendchorleiterin Gerlinde. Gerlinde ist bei einer Sängergemeinschaft beschäftigt. Sie verdient weniger als ihr Kollege, der den Erwachsenenchor leitet. Das ist Gerlinde egal. Sie liebt ihre Arbeit mit den Jugendlichen. Bezahlt wird sie für die wöchentliche Probe von 1 1/2 Stunden außerhalb der Schulferien und das traditionelle Jahres-Jugendkonzert. Zur Vorbereitung auf dieses Konzert reist Gerlinde jedes Jahr für drei intensive Probentage mit ihren Chormitgliedern in eine Jugendherberge. Wer schon einmal mit einer Jugendgruppe verreist ist, weiß, das sind 3 x 24 Stunden Arbeit. Zusätzlich bezahlt wird sie dafür nicht.

Oder schauen wir auf Tom. Tom ist ein junger Gitarrist in einem kleinen Ort. Er gibt Privatunterricht und spielt in einer Band. Unterrichtsverträge hat Tom noch nicht eingeführt. Seine Schüler kommen und gehen sein Einkommen ist mal gut, mal gerade so ausreichend und manchmal beängstigend gering. Auch seine Band existiert noch nicht lange. Manchmal frisst die Fahrt zum nächsten Gig und der Preis für die Unterkunft mehr als die Hälfte seiner Gage. Zum Glück wohnt Tom noch bei seinen Eltern.

Sind Gerlinde und Tom die Ausnahme? Nein, ganz sicher nicht. Vielen Musikerkollegen geht es ähnlich. Selbst Honorarkräfte an kommunalen oder städtischen Musikschulen sind oft „Geringverdiener“.

Was können wir tun?

Zunächst ist es wichtig, dass wir unsere Arbeit selbst wertschätzen. Der größte Unterschied zwischen einem Arzt oder einem Handwerker und den meisten Musikern ist, dass diese sich jede Minute ihrer Tätigkeit bezahlen lassen.

  • Denk darüber nach und scheue dich als Freiberufler (Honorarkraft oder freier Musiker) nicht, nach einer Entlohnung zu fragen, wenn du gebeten wirst, zusätzliche Tätigkeiten zu übernehmen.
  • Selbst wenn du als Musiker Berufsanfänger bist, hast du in der Regel eine lange Ausbildung mit einer Umfangreichen Konzerttätigkeit hinter dir. Schätze deinen Wert und den Wert deiner Gage deshalb nicht zu niedrig ein.
  • Wenn du InstrumentallehrerIn, ChorleiterIn oder DirigentIn bist, scheue dich nicht, deine Unterrichtsstunden oder Proben pünktlich zu beenden. Sind zusätzliche Proben oder Stunden erforderlich, z.B. zur Konzertvorbereitung, sollten diese, wenn vertraglich nicht etwas anderes vereinbart ist, auch bezahlt werden.
  • Bist du in der Frühförderung tätig, erkläre den Eltern deiner Schüler, welche Leistungen in deiner Kursgebühr enthalten sind. Hier ein Beispiel: Die Jahresgebühr beträgt 360 Euro. Darin sind enthalten: 36 Unterrichtsstunden, 2 Elternabende, 2 Eltern-mit-mach-Stunden und ein Abschlusskonzert. Viele LehrerInnen der Frühförderung sind sehr aktiv. Sie veranstalten Elternabende und Instrumentenbastelstunden, sie beraten Familien und leisten mit den Schülern Beiträge bei Kindergottesdiensten und Altennachmittagen. All das ist Teil ihrer Tätigkeit und ihre Kunden (die Eltern) sollten das wissen.

Stell dir vor, du beauftragst einen Maler, deine Küche zu renovieren. Glaubst du, er renoviert dir dann auch einfach so und unentgeltlich zusätzlich den Flur? Ganz sicher nicht. Und wenn er dir zur Kundenpflege zusätzlich mit der weißen Farbe über die Stelle im Flur streicht, an der dein Hund gekratzt hat, wird er dir das sagen. Und du wirst dich freuen darüber. Also, warum gibst du den Eltern deiner Schüler nicht die Möglichkeit, dich über deine Zusatzleistungen zu freuen?

Fazit

Sollte die gute Fee in den nächsten Tagen bei dir erscheinen, dann erzähle ihr, was du alles machst und wie wertvoll deine Arbeit ist. Welche Summe du dann nennst, bleibt dein Geheimnis, aber sicher wirst du davon gut leben können.

Kommentare sind geschlossen, aber strackbacks und Pingbacks sind offen.

Send this to a friend