Geld verdienen als Musiker

Die 10 wichtigsten Business-Tipps für Musiker

Vielen von uns Musikern bereiten Begriffe wie Steuerklärung, Gewinnmaximierung und Businessplan Unbehagen. Warum ist das so? Weil wir uns lieber mit anderen Dingen beschäftigen. Wir machen lieber Musik. Wir schlafen gerne länger. Wir engagieren uns für unsere Schüler, unsere Familie, Flüchtlinge, Tier und die Umwelt. Und vor allem wollen wir frei und unabhängig sein! Denken wir an Geld, sehen wir versklavte, korrupte Banker mit Krawatte und Aktenkoffer vor uns. So wollen wir nicht sein!

Und doch müssen auch wir für unseren Lebensunterhalt sorgen. Deshalb ist es sinnvoll, sich von Zeit zu Zeit mit dem Thema „Geld verdienen“ auseinander zu setzen.

Hier nun die 10 wichtigsten Business-Tipps für Musiker:

(1) Reich werden

Sprechen wir es hier einmal ganz offen aus: Wenn du reich werden möchtest, studiere Zahnmedizin oder lass dich bei einem börsennotierten Großunternehmen anstellen und fang an, die Karriereleiter zu erklimmen. Natürlich gibt es auch Musiker, die es geschafft haben, berühmt und reich zu werden und zu bleiben, aber das sind wenige. Wenn du deine Freiheit bewahren möchtest, musst du in der Regel auf Reichtum verzichten. Alles hat seinen Preis.

(2) Liebe, was du tust

Wenn du dich aber entschlossen hast, trotz der Warnung aus Punkt 1, das Leben eines freien Musikers zu führen, dann kann ich dich nur beglückwünschen. Du hast so die Möglichkeit, etwas zu tun, was dir Freude bereitet. Ist es nicht wunderbar, seine Leidenschaft zu seinem Beruf zu machen? Warum haben wir all die Strapazen einer musikalischen Ausbildung auf uns genommen? Weil wir die Musik lieben! Viele Menschen in anderen Berufen leben für ihre 30 bezahlten Urlaubstage. Wir lieben auch unsere Urlaubstage, aber wir leben für die Zeit zwischen diesen. Denk daran, wann immer du nach Gigs suchst, um deinen Dispo-Kredit auszugleichen oder die Kündigungen deiner Schüler bearbeitest.

(3) Freiheit

Die meisten Künstler sind freiheitsliebende Menschen. Das größte Maß an Freiheit hast du als EinzelunternehmerIn. Wenn du nicht mehr nur freier Musiker bist, sondern eine Band gründest, wenn du nicht mehr nur allein unterrichtest, sondern Lehrer für dich arbeiten lässt und auch, wenn du als Musiker sehr erfolgreich wirst, übernimmst du Verantwortung für andere Menschen und deine persönliche Freiheit schrumpft. Das solltest du vorher wissen. Eine Musikschule, in der jeder Lehrer machen kann, was er will, ist nicht besonders demokratisch, sondern schlecht geführt. Menschen, die nicht den Weg des Unternehmers wählen, tun das, weil sie nicht ausschließlich eigenverantwortlich arbeiten möchten. Also verlang das nicht von ihnen.

(4) Finanzielle Sicherheit

Auch dieses Thema müssen wir ganz ehrlich behandeln: Wenn du finanziell abgesichert sein möchtest, ohne wohlhabende Eltern zu haben, musst du als Musiker in einer Festanstellung arbeiten. Du kannst Schulmusiker werden, dich in einem Staatstheater anstellen lassen oder versuchen, eine der wenigen festen Stellen an einer staatlichen oder kommunalen Musikschule zu ergattern. Hier gelten für dich dann die gleichen Regeln der „Unfreiheit“, wie für alle anderen Angestellten, dafür hast du ein weitgehend gesichertes Einkommen und einen Rentenanspruch. Auch brauchst du den nächsten Punkt nicht beachten.

(5) Kümmere dich um deine Buchhaltung

Hast du dich nun aber entschieden, den Weg eines freien Musikers (Einzel- oder Kleinunternehmer) oder eines Musik-Unternehmers zu gehen, kümmere dich um deine Finanzen. Mach einen Buchhaltungskurs oder besorge dir entsprechende Literatur. Jeder Unternehmer sollte sich mit den Grundlagen der Buchführung auskennen, auch wenn er die Angelegenheit an ein Steuerbüro delegiert. Es sind schon etliche Unternehmen von ihren Buchhaltern in den Ruin getrieben worden. Als Unternehmer musst du deine Finanzen überwachen. Nimm dir regelmäßig Zeit für deine Buchhaltung und bleib dran.

(6) Lerne von anderen

Beobachte deine Freunde und Bekannte, die gute Geschäftsleute sind und frag sie um Rat. Du musst nicht zum Banker mutieren, aber lerne von denen, die in geschäftlichen Dingen talentierter sind als du. Ich habe eine Freundin, sie ist keine Künstlerin, aber selbstständig, die in finanziellen Dingen viel geschickter ist als ich. Nie würde sie dem Finanzamt auch nur einen Cent schenken. Wenn wir beide im Restaurant oder Café sind, fragt sie ganz automatisch beim Bezahlen nach einem Bewirtungsbeleg und lässt sich auch nicht mit Ausreden („Die Kasse ist gerade kaputt.“ „Es ist momentan so viel zu tun.“) abwimmeln. Ich dagegen vergesse zwischen neuen Schuhen, Liebesdingen und geschäftlichen Gesprächen regelmäßig den Bewirtungsbeleg. Im Gegenteil: Nichts scheint bei einem Treffen mit meiner Freundin so weit weg zu sein, wie meine eigene Steuererklärung, selbst wenn wir den ganzen Abend über unsere Freuden und Sorgen als Unternehmerinnen sprechen.

(7) Lass dich angemessen bezahlen

Lass dich für deine Dienstleistungen und Waren anständig bezahlen. Was heißt nun aber anständig? Ein guter Weg ist immer der „gehobene“ Mittelweg. Wenn Gitarrenunterricht in deiner Region zwischen 40 und 70 Euro pro 60 Minuten-Einheit kostet, setze deinen Preis auf 50 bis 70 Euro fest. Wenn du davon überzeugt bist, dass du besser bist, als deine Konkurrenz, dann nimm 75 Euro. Im Dienstleistungsbereich solltest du nicht versuchen der „Aldi“ unter den Anbietern zu sein. Viele Menschen verbinden gerade bei Dienstleistungen die Qualität mit dem Preis. Außerdem hat auch dein Tag nur 24 Stunden und die Zahl der möglichen Schüler in deiner Region ist begrenzt. Wenn du also nur 10 Euro pro Unterrichtseinheit nimmst, musst du 7 Schüler unterrichten, um die gleiche Summe einzunehmen wie dein Kollege, der 70 Euro verlangt. Und bitte woher willst du die 7 Schüler nehmen und wann willst du sie alle unterrichten?

(8) Befolge die grundlegenden Regeln

Befolge die grundlegenden Regeln eines ethisch agierenden Unternehmers:

  • Sei ehrlich.
  • Sei pünktlich.
  • Sei freundlich.
  • Liebe, was du tust.

(9) Sei offen für Veränderungen

Wenn du als Musiker dauerhaft deinen Lebensunterhalt bestreiten möchtest, musst du offen für Neues sein. Beobachte den Musikmarkt. Auch hier gibt es Trends und Veränderungen. Mein Mann hat vor 35 Jahren unsere Musikschule als Orgelschule gegründet. Zunächst hatten wir fast ausschließlich Orgelschüler, kaum jemand wollte zu dieser Zeit Klavier spielen. Allmählich eroberten die Keyboards den Markt und anschließend erlebte das Klavier eine Renaissance. Hätten wir an der Idee der Orgelschule festgehalten, wären wir schon vor 20 Jahren in Konkurs gegangen. Und das ist nur ein Aspekt in der Geschichte unseres kleinen „Unternehmens“. Je vielseitiger du als Musiker bist, desto besser. Aber tu nur das, was du wirklich möchtest. Wenn Unterrichten für dich ein Horror ist, dann lass es und suche dir einen anderen Bereich in der Musik, in der du Geld verdienen kannst. Vielleicht hast du auch Lust, zusätzlich als Heilpraktiker oder Hundetrainer tätig zu sein. Dann mach das!

(10) Achte auf dich

Gerade Selbstständige und Menschen, die mit Freude arbeiten, neigen dazu, zu viel zu arbeiten. Deshalb achte auf dich und deine Gesundheit. Als Einzelunternehmer bist du Bürokraft, Putzfrau, Buchhalter und Flötenlehrer in einem. Teile dir deshalb deine Zeit sorgfältig ein und achte auf Freiräume. Jeder Kreative benötigt Zeit, seine Gedanken zu ordnen und sich inspirieren zu lassen. Deshalb geh spazieren, meditiere, beobachte und lies. Genieße es, wenn du in deinem Beruf bis 10 Uhr schlafen kannst und lass dir nicht einreden, dass fleißige Menschen früh auf den Beinen sein müssen. Das ist Unsinn. Du musst die negativen Seiten deiner Tätigkeit meistern, also freu dich an den positiven.

 

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Kommentare

  1. B. sagt

    Vielen Dank für diese klaren deutlichen Worte. Sie sprechen mir aus der Seele!

  2. Agnes Hofmann sagt

    Ich will auf den Reichtum verzichten 😀
    Vielen Dank für den Artikel!

    Liebe Grüße
    Agnes

    1. Gabriele Zimmermann sagt

      Hallo Agnes,
      so denke ich auch. Hauptsache man liebt, was man tut.
      Herzliche Grüße
      Gabriele Zimmermann

  3. Gunter sagt

    Danke für die offenen Worte. Es ist zwar richtig dass man (auch und gerade als Musiker) das lieben soll was man tut. Auch sind die aufgeführten 10 Punkte durchaus richtig … aber eigentlich irgendwo ein paar „Allgemeinplätze“ – der Titel darüber hinaus jedoch suggeriert eigentlich was anderes …. denn TIPPS wie man als Musiker Geld verdienen kann sind das ja nun wirklich nicht. Jedenfalls keine konkreten.
    Es ist richtig dass man als Musiker auch geschäftstüchtig denken muss, seine Buchführung macht und/oder pünktlich, freundlich und zuverlässig sein sollte. Das gilt aber für viele andere Berufe auch. Einen Tipp wie ich als Musiker konkret Geld verdienen kann habe ich in dem Artikel allerdings nicht finden können. Dennoch: viel wahre Worte.

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