Wer singt, lebt gesünder

7 Gründe, warum Sänger gesünder leben?

7 Gründe, warum Sänger gesünder leben?

Fährt ein Tourist mit dem Auto durch Deutschland, erkennt dieser sofort: Hier ist er im Land des Fußballs. Jede Stadt hat ein Fußballstadion, jede kleinere Stadt und sogar jedes Dorf einen Fußballplatz. Fußball vereint die Menschen und Sport – so auch der Fußball – ist gesund.

 

Was dem Touristen nicht sofort ins Auge fällt: Deutschland ist auch das Land der SängerInnen und Chöre. 3,2 Millionen Menschen singen hierzulande in einem Chor. Auch das Singen vereint die Menschen und… singen ist gesund! Nur fallen einem die vielen Chöre und ihre Wirkungsstätten nicht sofort ins Auge. Auch viele Deutsche wissen sicher nicht, wie groß die Zahl der Laiensänger in unserem Land ist.

 

Warum aber verlassen so viele Menschen in Deutschland Woche für Woche ihr gemütliches Zuhause, um sich in den Hinterzimmern von Gaststätten, sozialen Einrichtungen und Gemeindehäusern auf harte Stühle zu setzen und zu singen?

Weil singen in einer Gemeinschaft süchtig macht. Anders kann man es nicht erklären. Für diese Menschen gehört die Chorstunde zum Leben und das ist auch gut so, denn…

 

Singen stärkt das Abwehrsystem

Professor Hans Günther Bastian, Wissenschaftler des Instituts für Musikpädagogik an der Universität Frankfurt, untersuchte in einer vergleichenden Studie zwei Personengruppen. Die eine Gruppe hörte Mozarts Requiem, die andere Gruppe sang Mozarts Requiem. Direkt nach dem Hören bzw. der Chorprobe untersuchten der Wissenschaftler und seine Mitarbeiter die Probanden. Das Ergebnis: Obwohl bei beiden Gruppen ein Abfall des Stresshormons Cortisol nachgewiesen werden konnte, ließ sich nur bei der singenden Gruppe eine deutlich positive Veränderung der Immunleistung nachweisen. Das bloße Hören von Musik ließ das Immunsystem kalt.

 

Wer singt, tut aktiv etwas für seine Gesundheit

„Wer singt, lebt gesünder“, davon ist Professor Wolfram Seidner von der Klinik für Phoniatrie und Audiologie der Charité Berlin überzeugt. Viele Jahre hat sich der ausgebildete Sänger um die „großen Stimmen“ der Berliner Gesangs-Szene gekümmert. Seidner erklärt, dass Profi- und Laiensänger auf die Signale ihres Körpers hören müssen. Dass zu viel Alkohol, fettes Essen und zu wenig Schlaf der Stimme schadet, hat jeder Sänger schon am eigenen Leib erfahren müssen. Wer aber auf seinen Körper achtet und viel singt, tut aktiv etwas für seine Gesundheit.

 

Das Wunder der richtigen Atemtechnik

Viele unserer Organe sind beim Singen in Aktion: die Lunge, der Kehlkopf, die Stimmlippen und etliche Resonanzräume. Praktizieren die meisten Menschen im Alltag eine Brustatmung, bei der sich der Brustkorb aufbläht und der untere Teil der Lungen eingeschnürt wird, bemühen sich die meisten Sänger um eine tiefe Bauchatmung. Hierbei atmet der Sänger in den Bauch hinein, dessen Muskulatur das Zwerchfell nach unten zieht. Das Zwerchfell wiederum drückt die Lungenflügel nach unten, so dass viel Raum für die Luft in den Lungen geschaffen wird. So entspannen Sänger ihren Brustkorb und stärken die Rückenmuskulatur. Der gesamte Körper wird zu einem Klangraum.

 

Singe bringt das Herz-Kreislaufsystem auf Trab

Das Singen, verbunden mit der richtigen Atemtechnik, fordert den ganzen Körper. Schon 10 bis 15 Minuten singen bringen das Herz-Kreislauf-System auf Trab. Da sich die Atmung intensiviert, wird der Körper besser mit Sauerstoff versorgt.

 

Den Atemrhythmus verändern

Im Alltag haben die meisten Menschen einen konstanten Atemrhythmus. Das hindert uns daran, Stress wirkungsvoll abzubauen. Sport, Meditation und auch das Singen verändern unseren Atemrhythmus und helfen so dem Körper, mit den täglichen Belastungen besser zurecht zu kommen. Die meisten Raucher greifen in Stresssituationen zur Zigarette. Wissenschaftler fanden heraus, dass nicht nur das Nikotin diesen Personen hilft. Dadurch, dass der Raucher durch das Rauchen (besonders die ersten tiefen Atemzüge) seinen Atemrhythmus verändert, beruhigt er seinen Organismus. Die gesündere Alternative wäre demnach, in stressigen Situationen einfach mal ein kleines Lied anzustimmen und bewusst auf die -in der Chorprobe erlernte- Bauchatmung umzustellen.

 

Singen – ein Anti-Depressivum

Mehrere Studien haben nachgewiesen, dass Singen eine gemütsaufhellende Wirkung hat. Schon nach 30 Minuten des Singens produziert das Gehirn erhöhte Anteile von Beta-Endorphinen, Serotonin und Noradrenalin.

Der Musikpsychologe Karl Adamek fand heraus, dass Menschen, die gemeinschaftlich singen, in der Regel lebenszufriedener und ausgeglichener sind und außerdem über ein höheres Selbstbewusstsein verfügen, als Nicht-SängerInnen.

Darüber hinaus verbinden sich beim Singen Synapsen in den Gehirnhälften neu und machen den/die SängerIn damit klüger.

 

ChorsängerInnen leben Länger

Schwedische Wissenschaftler haben in den neunziger Jahren 12 000 Menschen unterschiedlichen Alters untersucht und herausgefunden, dass ChorsängerInnen eine signifikant höhere Lebenserwartung haben, als Menschen, die nicht singen.

 

Es gibt trotzdem viel zu tun

Trotz all dieser positiven Auswirkungen des Singens gibt es immer mehr Menschen, die Musik nur noch konsumieren. Hier sind Bemühungen von verschiedenen Seiten notwendig, um diesen Trend aufzuhalten. Personen, die in ihrem Leben wenig gesungen haben, sind dem Leistungsdenken vieler Chöre nicht gewachsen. Sie brauchen Gemeinschaften, in denen sie behutsam in das Singe eingeführt werden.

Wichtig ist auch ein Umdenken in Schulen und Kindergärten. Leider schießen -nach meiner Meinung- gerade im Bereich der Kindergärten viele Institutionen, die sich für das Singen in diesen Einrichtungen engagieren, über das Ziel hinaus. Sie bieten Seminare an, die mit der Praxis nichts zu tun haben und die „Gesangsneulinge“ verschrecken. Statt aus dem Singen eine komplizierte Sache zu machen, sollten ErzieherInnen einfach ermuntert werden, mit den Kindern regelmäßig und kindgerecht zu singen. Singen ist die natürlichste Sache der Welt und sollte auch so vermittelt werden.

 

Singen in der Schule

Der oben vorgestellte Wissenschaftler Professor Hans Günther Bastian fordert schon seit Langem, die Musik in der Schule wieder in den Mittelpunkt zu rücken. Er sagt: „Die Schule braucht die Sinnlichkeit und den Sinn der Musik. Eine kognitive Überfrachtung widerspricht den Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen, denen gerade Musik die Sprache der Gefühle ist.“

Bastian führt weiter aus: „Kinder müssten dringend in Sekundärtugenden gefördert werden: Ausdauer, Lust an Leistung, Kreativität und Konzentrationsfähigkeit. Und vor allem ist das Singen ein archaisches und elementares Ausdrucksbedürfnis“.

 

Fazit

Singen hat viele positive Auswirkungen auf uns Singende. Es fördert unsere Gesundheit, verbessert unsere Stimmung, steigert die Immunabwehr und verlängert vielleicht sogar unser Leben. Grund genug, immer ein fröhliches Lied auf den Lippen zu haben und die nächste Chorprobe nicht zu versäumen.

 

 

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Kommentare

  1. Schneider-Funk, Angelika sagt

    Hallo Gabriele,

    auch ich habe mich mit dem Thema „Warum wir singen sollten“, vor einigen Monaten auseinandergesetzt.
    Ich arbeite im Bereich der Elementaren Musikerziehung und der Seniorenpädagogik. Hier spielt das Singen eine sehr große Rolle.

    Unsere Stimme ist die feinmotorischste Kapazität unseres Körpers.

    Singen fördert unsere Selbstwirksamkeit. d.h. durch das Singen können wir unsere eigenen Fähigkeiten, Kompetenzen und unser Selbstbewusstsein stärken und fördern.

    Beim gemeinsamen Singen werden genauso viele Endorphine ausgeschüttet, wie beim verliebt sein. Wir fühlen uns dadurch einfach positiv wohl, empfinden Glück, unsere Energie steigt.

    Singen nimmt uns die Angst. Der Mandelkern( Amygdala) wird beim singen deaktiviert und das dort entstehende Cordisol (Hormon zur Stress und Angstbewältigung) wird vermehrt ausgeschüttet. Je mehr Cordisol ausgeschüttet wird, desto weniger Angst haben wir.

    Auf den oberen Atemwegen wird das Hormon „Globolin“ ausgeschüttet, welches Viren und Bakterien, die auf diesem Wege in unseren Körper eintreten könnten, abwehrt. Wenn wir singen, wird die Globolin-Ausschüttung um 100% erhöht.

    Das bedeutet auch, wenn wir wieder mehr mit unseren Kindern ab dem Kleinstkindalter singen würden, könnte dies bedeuten, dass sie seltener krank wären.

    Die Ausschüttung von Melatonin (ein Hormon das den Tag – Nacht Rhythmus unseres Körpers steuert) wird beim Singen erhöht. Gerade im fortgeschrittenen Alter produziert der Körper weniger davon. Deswegen haben gerade ältere Menschen Schlafstörungen. Für Senioren würde ein abendlicher Singkreis viel für die
    Melatonin – Ausschüttung bewirken. Dadurch könnten Sie besser schlafen.

    Mit dem Singen verarbeiten wir Emotionen und Gedanken.

    Es hat noch nie eine Kultur gegeben, bei der die Musik keine Rolle gespielt hat.

    Wenn wir jetzt noch Singen und Rhythmische Übungen, wie z.B. Bodypercussion vereinen, dann bringen wir nicht nur unser Herz-Kreislauf-System in Schwung, sondern steigern alles was mit Energie, Kreativität, gute Laune und guten Ideen zusammenhängt. Zu dem fördern wir parallel unser Rhythmusgefühl was für das Singen sehr wichtig ist.

    Ein weiterer Aspekt für werdende Mütter. Im sechsten Schwangerschaftsmonat entwickelt das Baby sein Gehör. Gerade ab jetzt sollten werdende Mamas ihren Babys Musik vorspielen. Etwas Vorsicht mit der Lautstärke. Das Baby wird zwar durch das Fruchtwasser weitestgehend geschützt, trotzdem nicht all zu laut.
    Töne die ein Baby jetzt schon regelmäßig erfährt, erkennt es wieder, wenn es auf der Welt ist.
    Weiter sollten Mamas jetzt schon sich für ein bis zwei Schlaflieder entscheiden und die jedem Abend ihrem Ungeborenen vorspielen. Diese Babys werden durch das wiedererkennen der schon bekannten Melodien, Abends beim vorsingen viel einfacher in den Schlaf kommen als andere.
    Rituale sind auch hier sehr wichtig.

    Liebe Grüße Angelika

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