Kennst du ihre Namen?

Warum es wichtig ist, die Namen seiner Schüler und Chormitglieder zu kennen.

Viele Aspekte zeichnen einen guten oder schlechten Lehrer aus. Über einige haben ich hier bei  Musikdidaktik.net schon geschrieben. Heute geht es um einen der wichtigsten, nämlich um den Respekt vor unseren Schülern.

 

Als Kind haben mich LehrerInnen, die nach mehreren Monaten die Namen von uns Schülern noch immer nicht kannten, sehr verunsichert. Als ich älter wurde, rangierten diese LehrerInnen in der Beliebtheitsskala meiner Klassenkameraden und mir ganz unten, obwohl einige sich sehr modern und offen gaben. Sprachen wir sie auf diese Sache an, kam von allen die gleiche Begründung: „Ach, ich habe so ein schlechtes Namensgedächtnis.“

 

Wie sieht es bei dir und deinen Schülern oder Chormitgliedern aus? Kennst du ihre Namen?

Zunächst stellt sich die Frage: Ist das eigentlich wichtig? Ja, es ist wichtig!

 

Der Name eines Menschen

Der eigene Name ist von Geburt an das wichtigste Wort in unserem Leben. Nicht umsonst wählen Eltern die Namen ihrer Kinder sorgfältig aus.

 

Stell dir vor, ein Freund hat dich zu einer Party eingeladen. Du bist der Einladung gefolgt und stehst nun mit einem Glas in der Hand in einem kleinen Grüppchen und unterhältst dich über die vergangenen Ferien. Plötzlich hörst du aus den Tiefen des Raumes deinen Namen. Sofort schwenkt deine Aufmerksamkeit weg von dem Ferien-Gespräch, hin zu dem Gespräch, in dem dein Name genannt wurde. Unwillkürlich versuchst du mehr zu erfahren: Sprechen sie wirklich über mich? Sprechen sie gut oder schlecht von mir?

 

Der eigene Name hat für alle Menschen, egal ob Kleinkind oder Erwachsener eine besondere Bedeutung. Wir verbinden damit unser inneres Selbst. Wenn wir irgendwo unseren Namen hören, werden wir sofort aufmerksam. Das geschieht ganz automatisch.

 

Die Namen anderer

Aus dieser Erkenntnis resultiert direkt: Eine Person mit Namen ansprechen zu können, zeugt von Achtung und Wertschätzung. Und wir LehrerInnen und ChorleiterInnen sollten die Namen unserer Schüler und Chormitglieder nicht nur kennen, sondern diese auch verwenden. Ein schlichtes „Hallo“ bei einer Begrüßung hat eine andere Wirkung, wie ein Handschlag mit den Worten: „Guten Abend Frau Günther, wie schön, dass Sie da sind.“

In einer Zeit, die durch Eile und Unverbindlichkeit geprägt ist, sollten wir uns in unserem Beruf besonders viel Zeit für eine warme verbindliche Begrüßung nehmen.

 

„Ich kann mir keine Namen merken“

Was ist aber mit dem oben angeführten Argument der Vergesslichkeit? Zugegeben, es gibt Menschen, die sich schnell Namen merken können und solche, denen es schwerer fällt. Und es gibt auch LehrerInnen, die nur wenige Schüler unterrichten (z.B. InstrumentallehrerInnen, die ausschließlich Einzelunterricht geben) und KollegInnen, die wöchentlich viele Kinder und Erwachsene betreuen (z.B. Lehrpersonen der musikalischen Frühförderung und ChorleiterInnen). Und doch sollte es jedem Musiklehrenden -der nicht unter einer spezifischen Krankheit leidet- möglich sein, innerhalb eines angemessenen Zeitrahmens die Namen aller seiner Schüler oder Chormitglieder zu lernen.

Wichtigste Voraussetzung sind hierbei das aufrichtige Interesse an den einzelnen Personen und der Wille, die Namen zu kennen.

Deshalb:

  • Nimm dir vor, die Namen aller deiner Schüler oder Chormitglieder zu kennen.
  • Schreib dir die Namen zunächst auf.
  • Versuche, die Gesichter mit den Namen zu verbinden.
  • Wenn dir das schwerfällt, mach ein Foto von deinem Chor oder deiner Musikgruppe und notiere die Namen direkt auf diesem.
  • Setz dir ein Ziel. (In drei Monaten möchte ich die Namen aller Mitglieder meines neuen Chores kennen.)
  • Setz dich zu Hause hin und lerne die Namen auswendig.
  • Verwende Memory-Techniken, die du kennst und für dich als wirkungsvoll befunden hast.

 

Die Namen der Eltern

Wenn du mit Kindern arbeitest, solltest du nicht nur die Vornamen der Schüler kennen, sondern auch die Familiennamen der Eltern. Das ist heute eine anspruchsvolle Aufgabe, da viele Familien mehr als einen Familiennamen haben. Am wichtigsten ist der Name des Erwachsenen, der die Kinder regelmäßig bringt und abholt. Das ist häufig die Mutter.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Mitglieder von Familien mit zwei oder drei Nachnamen es gewohnt sind, mit dem falschen Namen angesprochen zu werden und das nicht übelnehmen. Allerdings fällt es diesen auch sehr positiv auf, wenn man sich bemüht, jedes Familienmitglied mit dem korrekten Namen anzusprechen.

Wenn dir beim nächsten Elternabend also auffallen sollte, dass du die Besucher nur mit Frau „Fabian“ und Herr „Larissa“ ansprechen kannst, wird es Zeit, für eine Nachnamen-lern-Nachtschicht.

 

Den Namen respektieren

Wie wichtig der Name ist, erkennt man auch daran, dass er dazu benutzt wird, Menschen zu verletzen oder abzuwerten. Wir sollten uns deshalb davor hüten, die Namen unserer Schüler bewusst zu verstümmeln oder falsch auszusprechen. Wenn sich Kinder innerhalb einer meiner Unterrichtsgruppen über den Namen eines anderen Kindes lustig machen, unterbinde ich das sofort. Schon die Kleinsten verstehen meinen Einwand. In keiner Gruppe musste ich dieses Thema ein zweites Mal ansprechen.

 

Respekt vor der Person

Die Grundlage unseres heutigen Themas ist der aufrichtige Respekt eines Lehrers vor der Person des Schülers. Dabei ist es egal, welches Alter der Schüler hat. Wenn mir Eltern ihr Kind anvertrauen und ich nicht die Zeit und Mühe aufbringen möchte, den Namen des Kindes zu lernen, habe ich den falschen Beruf. Wenn ich als Chorleitender von einer Singgemeinschaft mit der Aufgabe betraut werde, die musikalische Leitung zu übernehmen und für Freude und Qualität beim Singen zu sorgen, bin ich auch verpflichtet, die einzelnen Sänger zu kennen. Denn der Chor besteht aus Einzelpersonen und nicht aus einer anonymen Masse.

 

Fazit

Die Namen unserer Schüler oder Chormitglieder zu kennen, gehört zu den Grundlagen unseres Berufes. Wem es schwer fällt, sich Namen zu merken, sollte daran gezielt arbeiten. Übung macht auch hier den Meister. Der Beweggrund für unser Bemühen ist nicht der äußere Schein, sondern das aufrichtige Interesse an der einzelnen Person.

 

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Kommentare

  1. Schneider-Funk, Angelika sagt

    Hallo Gabriele,
    Ohja, es sogar sehr wichtig, dass man die Namen seiner Schüler kennt. Gerade in Kursen in der Früherziehung ist das sehr wichtig. Ein Kind, dass man nicht mit Namen anspricht, weil man ihn noch nicht weiß oder merken kann, fühlt sich schnell demotiviert und in der Gruppe zurückgestellt. Deshalb sollte man das auf alle Fälle vermeiden.
    Ich habe vor einiger Zeit ein tolles Webinar zum Thema Gedächtnistraining mitgemacht.
    Eine der Techniken sprach genau dein Thema an. Wie merke ich mir am schnellsten eine Menge neuer Namen.
    Wenn ein neuer Schüler auf dich zukommt, noch bevor er dir seinen Namen sagt, musst du irgendetwas was dir an ihm speziell auffällt, für dich als Merkmal ausgesucht haben. Dass kann eine Brille, die schiefe Nase, der Haarschnitt/Farbe, ein Muttermal, oder sonstiges, sein. Irgendetwas, dass nur zu diesem Schüler gehört. Dann lässt du dir deinen Namen sagen. Seinen Namen wie auch das Merkmal verknüpft man jetzt zu einem außergewöhnlichem Bild, Geschichte. Irgendetwas absurdes. Denn nur was völlig absurdes und verrücktes, merkt sich unser Gehirn direkt. Das ganze wiederholt man einige Male.
    Du wirst den Name nie wieder vergessen.
    Es gibt dazu auch tolle Bücher oder Viedeos. Markus Hoffman ist einer der größten Gedächtnistrainer hier in Deutschland.

    Liebe Grüße Angelika

  2. Bernd sagt

    Moin Gabriele,
    die Namen von Schülerinnen und Schülern zu kennen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein.
    Einen Hinweis möchte ich für die geben, die damit Schwierigkeiten haben: Fotos von Schülern zu machen, ist (zumindest in einigen Bundesländern) aus datenschutzrechtlichen Gründen untersagt, selbst wenn man sich vorher eine schriftliche Genehmigung der Eltern eingeholt hat. Ich weiß, viel tun es trotzdem, aber so sieht nun mal die Rechtslage aus, an die wir uns auch halten sollten.

    1. Gabriele Zimmermann sagt

      Hallo Bernd,
      vielen Dank für deinen Kommentar und deinen wertvollen Hinweis auf die Rechtslage.
      Herzliche Grüße
      Gabriele

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