Für Musiker_innen, Musik- und Intrumentalpädagog_innen, Sänger_innen & Hobbymusiker_innen

Die 10 nervigsten Schülersprüche im Instrumentalunterricht…

…wie wir gerne darauf reagieren würden und was wirklich dahinter steckt.

Machmal sitze ich mit meinem Mann oder mit KollegInnen zusammen und wir sprechen über unsere Schüler. Dabei können wir uns endlich einmal alles von der Seele reden, was uns nach 8 Wochen Unterricht am Stück schon wieder so richtig zum Halse heraus hängt. Oft beginnen diese Gespräche mit folgender Bemerkung: „Ich kann es schon nicht mehr hören…“

Alles was nach diesem Einleitungssatz kommt, habe ich hier nun in einer „Hit-Liste“ zusammengestellt. Nicht, dass wir unsere Schüler nicht mögen. Nein, im Gegenteil. Aber manchmal ist es notwendig, dass man humorvoll auf die Dinge schaut, die einen nerven und erkennt, dass es den KollegInnen genauso geht. Das hilft, die nächsten Wochen bis zu den Ferien lockerer zu überstehen.

Und fühlt euch bitte frei, im Kommentarbereich die Liste zu erweitern. Ich freue mich schon auf eure Beiträge.

1. Platz – Ich konnte nicht üben, weil…

Der Klassiker. Kein/e InstrumentallehrerIn, der oder die diesen Satz nicht schon gehört hat. Er füllt ganze Bücher und auch ganze Artikel hier auf Musikdidaktik.net.

Das, was hinter dem „weil“ kommt, ist oft haarsträubend. Und genau deshalb fällt es uns schwer, auf Dauer die Ruhe zu bewahren.

Was wir eigentlich antworten möchten: Halt den Mund, deine Ausreden möchte ich nicht hören. Du wolltest nicht üben oder hast dir nicht die Zeit dafür genommen.

Was wirklich dahinter steckt: Dass ein Schüler nicht übt, kann viele Ursachen haben: Faulheit, Überforderung, Unterforderung, ungenügende Konsequenz der Eltern, altersbedingte Vergesslichkeit, Mangel an Motivation usw. Mehr dazu im Artikel „Ich konnte nicht üben, weil…“

2. Platz – Das kann ich nicht…

Was wir eigentlich antworten möchten: –Probier es doch erst einmal…- Wenn du nicht übst, kannst du es auch nicht… -Man kann nicht alles sofort…usw.

Was wirklich dahinter steckt: Gerade bei Kindern muss man folgendes berücksichtigen: Kinder möchten nicht Klavierspielen lernen, sie möchten Klavierspielen können. Dass man sich jede Fähigkeit erst mehr oder weniger mühsam erarbeiten muss, wird ein Kind erst im Laufe seines Lebens feststellen. Selbst einige Erwachsene haben diese Lebensregel noch nicht verstanden. Wir sollten deshalb die Aussage „Das kann ich nicht!“ als reine Feststellung betrachten. Die Antwort liegt dann auf der Hand: „Ja, du hast recht, das kannst du jetzt noch nicht, aber wenn du weiter fleißig daran arbeitest, kannst du es nächste Woche schon.“

Manchmal sind Schüler auch einfach nur überwältigt von der Aufgabe, die vor ihnen liegt. Dann müssen wir ihnen zeigen, wie sie diese Aufgabe in kleinen Schritten bewältigen können.

3. Platz – Das Stück ist blöd/langweilig.

Was wir eigentlich antworten möchten: Nerv mich nicht, du findest am Anfang alles blöd oder langweilig. Also spiel jetzt.

Was wirklich dahinter steckt: Viele neue, unbekannte Dinge – so auch neue, unbekannte Musikstücke- fühlen sich zunächst blöd oder langweilig an. Erst wenn sich ein Schüler mit seinem Stück – durch die Arbeit daran – verbindet, wird er es mögen oder sogar lieben. Uns Musikern ist dieser Prozess vertraut und wir dürfen nicht müde werden, den Schülern diesen zu erklären. Auch kann ich als LehrerIn den Schüler schon vor der musikalischen Arbeit für ein Stück begeistern. Das geschieht dadurch, dass ich es mir mit ihm gemeinsam anhöre oder es vorspiele. Anschließend ist es ratsam, von der Entstehung, den Hintergründen und dem Komponisten auf spannende und altersgerechte Weise zu erzählen.

4. Platz – Das ist mir doch egal.

Dieser Satz wird häufig nicht ausgesprochen, sondern nur gedacht. Man macht den Schüler auf Fehler aufmerksam (Vorzeichen, falscher Rhythmus, falsche Fingersätze usw.) und dieser spielt gerade so weiter wie bisher.

Was wir eigentlich antworten möchten: Wenn ich dir sage, dass dieses Stück in G-Dur steht und so jedes f zu fis wird, dann spielst du das gefälligst auch! Unverschämtheit!

Was wirklich dahinter steckt: Wenn ein Schüler bestimmte Anweisungen oder Hinweise des Lehrers ignoriert und innerlich oder laut mit „Das ist mir doch egal“ reagiert, dann ist es tatsächlich eine Kunst, ruhig zu bleiben. Nach meiner Erfahrung fällt es vielen Kindern und Jugendlichen immer schwerer, Anweisungen genau auszuführen. Sie sind es scheinbar gewohnt, dass Anweisungen gegeben werden, auf deren Einhaltung aber nicht geachtet wird. So stellen sie ihr Gehör auf „Durchzug“. Wir müssen deshalb darauf achten, dass unsere Anweisungen auch eingehalten werden. Sollte dies nicht geschehen, müssen wir sofort einschreiten. Nur so lernt der Schüler, dass er es sich nicht leisten kann, sein Gehör in unserem Unterricht auf „Durchzug“ zu stellen.

5. Platz – Was hatte ich denn auf?

Was wir eigentlich antworten möchten: Du stehst hier mit deinem Hausaufgabenheft neben mir und fragst mich, was du auf hattest? Machst du Witze? Und außerdem solltet du besser wissen als ich, was du die ganze Woche über geübt hast.

Was wirklich dahinter steckt: Diese Aussage ist natürlich nur eine andere Form von „Ich habe nicht geübt.“ Das sollte man dem Schüler auch offen sagen, denn manchmal ist es einfach notwendig zu signalisieren, dass man als LehrerIn nicht „blöd“ ist und Ausreden durchschaut. Auch zeigt es den Kindern, dass sich nicht alle Formulierungen, die sie in der Schule gebrauchen, für den Instrumentalunterricht eignen.

6. Platz – Meine Mutter hat vergessen, mir die Noten einzupacken.

Was wir eigentlich antworten möchten: Hast du jetzt Unterricht oder deine Mutter?

Was wirklich dahinter steckt: Zunächst sollten wir dieser Aussage etwas Positives abgewinnen. Wenn das Heft nicht in der Notentasche steckt, wurde es wenigstens zu Hause ausgepackt. Es liegt deshalb nahe, dass der Schüler sogar geübt hat. Trotzdem müssen wir den Schüler natürlich darauf hinweisen, dass er selbst die Verantwortung für die Unterrichtsmaterialien übernehmen muss. Ein Reserve-Exemplar der Unterrichtsliteratur bewirkt, dass die Vergesslichkeit eines Schülers keine dramatischen Auswirkungen auf unsere Unterrichtsgestaltung hat.

7. Platz – Das ist viel zu schwer / viel zu leicht.

Was wir eigentlich antworten möchten: Ich habe mir schon etwas dabei gedacht, dir jetzt dieses Stück zu geben.

Was wirklich dahinter steckt: Natürlich wählen wir die Stücke für unsere Schüler nach vielen Aspekten aus. Älteren Schülern sollte man erklären, warum man z.B. ein augenscheinlich einfaches Stück auswählt, oder wo die versteckten Schwierigkeiten sind. Bei jüngeren Schüler vermeide ich lange Erklärungen. Ich sage dann nur: Ja, das ist doch toll, dass wir jetzt ein leichteres Stück spielen, dann kannst du dich ganz intensiv auf ‚forte‘ und ‚piano‘ konzentrieren.“

8. Platz – Das verstehe ich nicht.

Ich erlebe häufig, dass diese Aussage gar nicht in Situationen gemacht wird, in denen es etwas zu verstehen gibt. Sie dient vielmehr als Ausrede, um etwas nicht tun zu müssen, z.B. das Spielen einer Fingerübung oder eines schwierigen Teils innerhalb eines Stücks.

Was wir eigentlich antworten möchten: Hier gibt es nichts zu verstehen.

Was wirklich dahinter steckt: Der Satz „Das verstehe ich nicht.“ wird von den Kindern eingesetzt, um eine mühsame motorische Übung zu unterbrechen oder erst gar nicht beginnen zu müssen. Hier ist es tatsächlich ratsam, den Kindern zu sagen, dass es in dieser Situation nichts zu verstehen gibt. Anschließend müssen wir sie ermuntern, die motorisch schwierige Übung anzugehen und ihnen passende Hilfestellungen geben.

9. Platz – Wie geht denn die Note?

Was wir eigentlich antworten möchten: Eine Note kann nicht gehen. Sie hat aber einen Namen und eine/n zugehörige/n Taste/Griff. Was genau weißt du nicht?

Was wirklich dahinter steckt: Das Notenwissen und die Fähigkeit das Notenwissen anzuwenden ist bei einigen Schülern katastrophal. Nach meiner Meinung liegt das schlicht daran, dass sie zu wenig üben. Notenlesen muss trainiert werden, genau wie das Lesen von Buchstaben. Einige Schüler sind auch noch zu jung, wenn sie mit dem Notenlesen beginnen. Vor- und Grundschüler (1. und 2. Klasse) haben häufig Probleme, spielen und gleichzeitig lesen zu müssen. Wird in dieser Phase nicht behutsam und altersgerecht gearbeitet, kann sich das unsichere Lesen oder sogar eine Abneigung gegen das Notenlesen dauerhaft manifestieren.

10. Platz – Ich kann das besser ohne zu zählen.

Was wir eigentlich antworten möchten: Wenn du es ohne Zählen besser könntest, würdest du dein Stück rhythmisch korrekt spielen, der Rhythmus stimmt aber nicht.

Was wirklich dahinter steckt: Ein Stück rhythmisch korrekt zu musizieren ist für viele Schüler eine schwierige Aufgabe. Das liegt daran, das die grundlegende rhythmische Ausbildung im Kindesalter zu kurz gekommen ist. Rhythmik lernt ein Mensch über Bewegung und die Bewegung kommt in unser Zeit zu kurz.

Rhythmische Hilfsmittel, wie das laute Zählen beim Musizieren, ist für viele sehr anstrengend. Die Schüler verzichten deshalb darauf. Sie denken: Ist doch egal, wie lange ich die Töne aushalte, Hauptsache, die Tonhöhe stimmt. Die Lösung für dieses Problem ist:

1. Gute Programme der Musikalischen Früherziehung

2. Rhythmisches Training (Trommeln, Bewegen) auch im Instrumentalunterricht

3. Geduld der Lehrenden

Fazit

Ein regelmäßiger Austausch unter Lehrenden über die „kleinen Ärgernisse“ des Alltags ist wichtig, damit der Alltag uns nicht lähmt. Auch mein Blog soll zu diesem Austausch beitragen.

Ich wünsche euch viele schöne Unterrichtsstunden und viele nette, engagierte Schüler!

Bitte teilt eure „nervigsten Schülersprüche“ in den Kommentaren, ich freue mich darauf.

Eure

Gabriele

Kommentare
  1. Gerhard Wolters sagt

    Liebe Gabriele!
    Herzlichen Dank für Dein Zusammentragen dieser „typischer“ Schüleraussagen, die meist ein Schmunzeln erzeugten und entsprechende Schülergesichter vor das innere Auge projezierten!
    Viele meiner Kollegen beginnen inzwischen jede Unterrichtslektion mit der Frage: „Was möchtest DU heute lernen?“.
    Ich werde sie im nächsten Rundschreiben mal fragen, ob sich die Häufigkeit dieser 10 Fragen seit dem Beginn ihrer Weiterbildung (deutlich?) reduziert hat.
    Meine Vermutung: Durch eine allmähliche Veränderung ihrer Lehrerrolle hin zum schüler-orientierten (nicht aber schüler-zentrierten) Begleiter müsste der Schüler recht bald bemerken, dass er die meisten dieser Fragen sowieso an sich selbst stellen müsste.
    Der indische Philosoph Jiddu Krishnamurti drückt es so aus: „Die höchste Form menschlicher Intelligenz ist die Fähigkeit zu beoabachten, ohne zu bewerten.“

  2. Ralf Becker sagt

    Liebe Frau Zimmermann,

    ich erkenne eine Reihe ihrer Ausführungen auch bei mir wieder, mit dem kleinen Unterschied, dass ich in Vollzeit arbeite und die Musik, hier speziell die Schlagzeug-Rhytmik, leider nur schwer in meinem durchstrukturierten Tag unterzubringen ist. Das ist eben bei Kindern genau der gleiche Grund, denn neben Hausaufgaben, Handy und Dauer-Kommunikation kommt die „Muse“ immer zu kurz! Ein Instrument ist eben nichts für jedermann, und dies aus dem einfachen Grund, weil man ihm persönlich, und damit meine ich nicht elterlichen Vorgaben, zu wenig „VOR-Liebe“ entgegen bringt. Es hilft letztlich nur Zeit-Management und Übung mit dem Lehrer, denn der Mensch ist ein soziales Wesen, welches Unliebsames lieber gemeinsam bewältigt.
    R. Becker, 53

    1. Lieber Herr Becker,
      vielen, vielen Dank für Ihre ganz persönliche Darstellung der Übe-Situation.
      Gerade Erwachsene sind in einer besonderen Situation. Bei ihnen fehlt oft wirklich die Zeit. Ich selbst habe (obwohl Musikerin) Gesangsunterricht und würde gerne viel mehr üben, als ich es tue. Und natürlich sitze ich auch vor dem PC und dem Fernseher. Sie, lieber Herr Becker, haben nun auch noch ein Instrument gewählt, bei dem das gemeinsame Musizieren besonders wichtig ist und die Zusammenarbeit mit einem guten Lehrer auch. Zeit-Management ist der Schlüssel für all unsere Tätigkeiten und schon Kinder müssen dies lernen. Eigentlich schade, aber in der heutigen Zeit unumgänglich.
      Herzliche Grüße
      Gabriele Zimmermann

  3. Iris Hettinger sagt

    Ich konnte nicht üben, weil meine Mutter die Bügelwäsche auf dem Klavierhocker gestapelt hat.

  4. Hallo Iris,
    vielen Dank für deinen Beitrag. Peinlich – ich stapele die Bügelwäsche auch immer auf der Klavierbank.
    Viele Grüße
    Gabriele

  5. Hier ein Beitrag von Enrico Rummel von FB: Meine Nr.1: „Zu Hause hat es noch geklappt!“ …

    Vielen Dank Enrico!

  6. Sara sagt

    Zu „Daheim konnte ich es noch“ meine Antwort: Dann mach doch mal mit deinem Handy eine Aufnahme und spiel sie mir nächstes Mal vor) oder auch gerne gehört:
    „Können wir heute nochmal die Orchesternoten üben“ (Meint meist: Ich hab nicht geübt, vielleicht komm ich so um die Hausaufgaben drum rum)

  7. Hallo Sara,
    vielen Dank für deine Beiträge. Die Idee mit dem Handy ist prima. Das mache ich auch so.
    Herzliche Grüße
    Gabriele

  8. Hier noch weitere Favoriten von Evelyn Helbig von FB: …plus „Häääääää?“ und „Hab ich doch!“

    Vielen Dank Evelyn!

  9. Jeff sagt

    Cooler Artikel, danke!

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