Mach mal langsam, du hast noch viel zu tun!

Wie finde ich durch eine „Entschleunigung“ meines (Musiker)-Lebens  zu einer höheren Lebensqualität?

Wir MusikerInnen und MusikpädagogenInnen neigen nach meiner Erfahrung besonders dazu, ein von Zeitdruck getriebenes Leben zu führen. Unsere Arbeitszeiten entsprechen in der Regel nicht denen, der „normalen“ Menschen. Wir gehen häufig vielen verschiedenen Tätigkeiten nach, sind selbstständig und kaum sozial abgesichert. Zusätzlich bemühen wir uns um ein harmonisches Familienleben und sind als Freiberufler gezwungen, auf eine gesunde Lebensführung zu achten.

Ich muss noch dringend…

Ich selbst stelle jeden Abend erschrocken fest, dass auch mein Tag nur 24 Stunden hat, von denen ich meinem Körper mindestens 7 Stunden Schlaf gönnen muss. Wenn ich dann in meinem Bett liege, gehen mir folgende Gedanken durch den Kopf:
– Ich muss noch dringend… die Überweisungen fertig machen, endlich die Betten frisch beziehen, einen Zahnarzttermin für meinen Sohn vereinbaren, meine Mutter anrufen…
– Außerdem müsste ich… endlich wieder Yoga machen (wegen meiner permanenten Rückenschmerzen), meinen Zuckerkonsum einschränken, sowieso generell meine Ernährung umstellen, mich mehr um meine Freundinnen bemühen (denn sonst habe ich bald keine mehr),…

Smartphone, Internet & Co.

Zu all diesen „Ich muss noch dringend…“-Dingen, mit denen sich wahrscheinlich schon meine Oma rumgeschlagen hat, kommen heute noch Smartphone, Internet & Co. Im Durchschnitt verbringen wir sechs Jahre unseres Lebens im Internet. Bonner Forscher haben außerdem ermittelt, dass wir unser Smartphone durchschnittlich mittlerweile drei Stunden am Tag nutzen.
Diese Zahlen haben mich ernsthaft nachdenklich gemacht. „Bin ich eigentlich bescheuert?“, habe ich mich gefragt. Da jammere ich wegen fehlender Zeit für meine Kinder, meinen Mann und meine Freunde und verbringe Stunden auf Facebook, im Internet und beim Checken meiner Mails…

Das Buch: „Slow – Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben“

Während ich ernsthaft meine Alltagsgewohnheiten untersuchte, entdeckte ich ein neues Buch mit dem Titel „Slow – Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben“ und dieses möchte ich euch heute vorstellen. Geschrieben wurde es von Winfried Hille. Herr Hille war nach seiner Ausbildung und seinem Studium in der Verlagsbranche tätig und hat sein Leben vor einigen Jahren komplett umgekrempelt. Heute ist er selbstständig, gründete die Zeitschrift „bewusst leben“ und publiziert seit 2014 außerdem „vegetarisch glücklich“. „Slow – Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben“ ist in diesem Jahr beim Gütersloher Verlagshaus erschienen und wurde mir auf Anfrage kostenlos vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Autor(en) Winfried Hille
ISBN 978-3579086279
Details  192 S., gebunden
Verlag  Gütersloher Verlagshaus
 Preis  € 17,99
 Bestellen  Bei Amazon.de

 

„Slow – Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben“ beinhaltet ein umfassendes Konzept zur Erlangung eines bewussteren Lebens.
Zu Beginn beschäftigt sich Winfried Hille mit dem Begriff „Zeit“ und seiner relativen Bedeutung für uns Menschen. Im Folgenden ruft er seine Leser zu einer „Slow-Revolution“ auf, um in einer hektischen Welt zurück in die Gegenwart und zu sich selbst zu finden. Mit vielen Erfahrungsberichten aus seinem eigenen Leben und praxisnahen Übungen führt der Autor anschließend durch verschiedenen Aspekte des Lebens, in denen eine Entschleunigung anzustreben ist. Diese Aspekte sind:
– Slow for you – die Kunst der Langeweile
– Slow-Walking – Einfach nur gehen
– Slow Loving – Die Wiederentdeckung der Liebe
– Slow Family & Friends – Zeit für Beziehungen
– Slow Food – Die Kunst des bewussten Essens
– Slow Working – Das Richtige tun
– Slow Travel – Die Kunst des langsamen Reisens
Schon beim Lesen des Buches fühlte ich in mir eine gewisse Ruhe aufkommen. An keiner Stelle hatte ich das Gefühl belehrt zu werden, obwohl Herr Hille viele Aspekte unseres Lebens schonungslos aufzeigt und in Frage stellt. Das Buch ist nicht esoterisch oder religiös ausgerichtet; es ließt sich viel mehr als ein persönlicher Erfahrungsbericht mit fundiertem Hintergrundswissen des Autors und Anregungen sowie Übungen zu allen behandelten Aspekten des Lebens.
Wilfried Hilles Botschaft:
„Slow ist eine Emanzipation von den äußeren Möglichkeiten und Notwendigkeiten unseres Lebens.
Slow heißt Widerstand und Verweigerung.
Slow ist die Voraussetzung für die Rückeroberung unserer menschlichen Würde.“

„Slow – Die Entscheidung für ein entschleunigtes Leben“ ist kein Buch, nach dessen Lektüre man begeistert ausruft: „Supertoll!“ Es ist ein stilles Buch, das einen zum Nachdenken, Umdenken und entschleunigten und bewussten Handeln anregt.
Von mir eine eindeutige Kaufempfehlung für alle, die in ruhigen Momenten ihres turbulenten Lebens eine Sehnsucht nach mehr Ruhe und Bewusstsein verspüren.

Nachklang

Noch immer denke ich viel über den Inhalt des Buches nach. Mich hat es bewogen, meinen Umgang mit dem Handy und dem Internet zu überdenken. Nicht, dass ich diese Bereiche jetzt komplett meide (gerade durch die Arbeit für den Blog verbringe ich täglich viel Zeit im Internet), aber ich versuche noch bewusster damit umzugehen.

Mit ganzem Herzen Musiker – den ganzen Tag

Als MusikerInnen schätzen wir „analoge“ Tätigkeiten. Unsere Musik ist ein Handwerk, eine Kunst, eine Leidenschaft… Authentisches Musizieren ist nur in der Gegenwart und mit vollem Bewusstsein und Hingabe möglich. Dieses Bewusstsein gilt es auch in den Alltag der „kleinen Dinge“ und in die Beziehungen zu den Menschen in unserer Umgebung zu übertragen. Wir werden wenig erfolgreich sein, wenn wir versuchen, unseren Schülern die Liebe zur Musik zu vermitteln, unsere Lehrtätigkeit und den Umgang mit den Schülern aber als Belastung ansehen.

„Slow“ im Alltag

In unserem Leben „Slow“ zu agieren, heißt nicht unbedingt, alles einfach langsamer zu machen. Es bedeutet, alles mit Bewusstsein zu tun oder bewußt nicht zu tun. Das schließt ständiges „Multitasking“ aus.
Lärmende Kinder, meckernde Eltern und unmotivierte Schüler stören uns dann am meisten, wenn wir uns gestresst fühlen. Also gilt es, zunächst auf uns zu achten und unser Leben so zu strukturieren, dass wir die meiste Zeit über zufrieden und ausgeglichen sind.
Das schreibt sich natürlich leichter, als es in der Realität ist. Es lohnt sich jedoch, das Streben nach einem ausgeglichenen, glücklichen Leben niemals aufzugeben.

Es grüßet euch, eure
Gabriele

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