Für Musiker_innen, Musik- und Intrumentalpädagog_innen, Sänger_innen & Hobbymusiker_innen

Neues aus dem Bereich der musikalischen und gesanglichen Frühförderung

„Timpano“ und „Stimmgeschichten“ – ein Zwerg und ein Riese aus dem Bereich der Elementaren Musikerziehung.

Ich möchte euch heute zwei Publikationen aus dem Bereich der Elementaren Musikpädagogik vorstellen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Sie stehen quasi als Symbole für unterschiedliche Stömungen innerhalb des musikalischen Elementarbereichs im deutschsprachigen Raum. Außerdem wurde ich beim Durcharbeiten der Materialien geradezu auf ein großes Problem der ElementarlehrerInnen geführt.

BE02820_00_1_co_lrg-1TIMPANO

Autor(en): Dartsch, Savage-Kroll, Schmidt, Steffen-Wittke, Stiller, Vogel
ISBN: 978-3-7649-2820-9
Bestellnr.: BE 2820
Details: 612 S., Ringordner mit 3 CDs
 Verlag: Gustav Bosse GmbH & Co.KG
 Preis  € 119,-
 hier bei Amazon bestellen *

Timpano ist das neue Unterrichtskonzept im Bereich der Elementaren Musikpädagogik des Bosse-Verlags. Es ist in diesem Jahr erschienen. Die AutorInnen sind Michael Dartsch, Camille Savage-Kroll, Kitty Schmidt, Marianne Steffen-Wittke, Barbara Stiller und Corinna Vogel.

Das Konzept umfasst über 100 Themenkreise für Kinder zwischen 0 und 10 Jahren. Diese Themenkreise enthalten Aktionsvorschläge in Form von Liedern, Texten, Hörbeispielen und Bildern.
Timpano beinhaltet Unterrichtsmaterial für Eltern-Kind-Kurse, Kurse der Elementaren Musikpädagogik in Musikschulen, für Musik-Projekte, die Arbeit in Kindergärten, Grundschulen, Singschulen und Kinderchören (geleitet von FachlehrerInnen). Außerdem enthält es Anregungen für Orientierungskurse im Instrumentalbereich.
Die Inhalte der Themenkreise entsprechen dem „Bildungsplan Musik für die Elementarstufe/Grundstufe“des Verbandes deutscher Musikschulen (VdM).

Materialordner

Herzstück des Konzepts ist ein 612 Seiten umfassender Materialordner. Dieser enthält:
– eine Sammlung einleitender, theoretischer Texte
– Anregungen zur Vorbereitung für die Lehrkräfte
– Themenkreise für Eltern-Kind-Gruppen
– Anregungen, die sich an bestimmte Themenkreise anlehnen (für den Einsatz in Tageseinrichtungen)
– Themenkreise für Kinder von 3 – 10 Jahre
– Themenkreise für den frühen Instrumentalunterricht (Instrumente: Klavier, Blockflöte, Querflöte, Klarinette, Blechblasinstrumente, Violine, Cello, Schlagzeug)
Zum Materialordner gehören außerdem 3 CDs für den Einsatz in den Themenkreisen.
Ziel das Werkes ist es, dass die Kinder die Musik ganzheitlich erfahren.
Dazu dienen die Unterrichtselemente:
– Singen
– Instrumentalspiel
– Bewegen
– Wahrnehmen und Erleben
– Denken und Symbolisieren
– Verbinden von Musik mit anderen Ausdrucksformen, wie Sprechen, Szenisches Spiel, Malen und Bauen
Die Themenkreise schlagen außerdem eine Brücke zur Natur und bildendenden Kunst.

BE02831_00_1_co_lrg-1Schüler-Materialien

Zum Programm gehören folgende Schüler-Materialien:
– Familienbuch für die ganz Kleinen mit Liedern, Versen, Spielanregungen und Illustrationen sowie einer CD
– 2 Liederbücher mit CD
– 2 Themenordner mit Arbeitsblättern für die Altersgruppe 3 – 10 Jahre

Mein Eindruck

Als die TIMPANO-Materialien (die mir vom Bosse-Verlag als Rezensionsmaterialien kostenfrei zur Verfügung gestellt wurden) bei mir eintrafen, war ich geradezu überwältigt. Verlag und Autoren haben hier ein Mamut-Werk produziert, das Unterrichtskonzept und Nachschlagewerk in einem ist. Die einzelnen Bereiche der musikalischen Frühförderung als einheitliches Ganzes zu sehen und zu behandeln, muss ich hier sehr loben.
Die Materialien sind sehr ansprechend und stabil. Auf den CDs befinden sich wunderbare Einspielungen, die natürlich allen Regeln der Musik für Kinder entsprechen.
Die Einführenden Texte sind sehr akademisch gehalten und so präsentiert sich auch das Autoren-Team bestehend aus ProfessorInnen und DoktorandInnen. In nur einer der Kurzbiografien befindet sich ein Hinwies auf eine längerfristige Unterrichtstätigkeit mit Kindern.
TIMPANO enthält kein komplett ausgearbeitetes Unterrichtsprogramm mit Stundenbildern in verschiedenen Altersstufen. Es ist eine Materialsammlung. Besonders der Instrumentalteil – mit einer Vielzahl an Musikinstrumenten – enthält verhältnismäßig wenig, überwiegend experimentellen Stoff. Für die Umsetzung im täglichen Unterrichtsgeschehen ist die Lehrkraft selbst verantwortlich. Auf der Seite 18 des Materialordners  befindet sich folgender Satz: „Der Umgang damit verlangt von den Lehrpersonen anfänglich möglicherweise einen recht hohen Einsatz für die Planung, Entwicklung und Durchführung der Unterrichtseinheiten…“
Aus meiner Erfahrung hat eine Lehrkraft mit diesen Materialien ganz bestimmt einen hohen, wiederkehrenden Vorbereitungsaufwand. BerufsanfängerInnen und QuereinsteigerInnen sind mit ihnen höchstwahrscheinlich überfordert. Und hier zeigt sich das Problem, das ich am Anfang des Artikels angesprochen habe. Welche Lehrkraft der Frühförderung bekommt diesen Arbeitsaufwand bezahlt? Ich bemängele es schon lange, dass die meisten Honorarkräfte, die im Elementarbereich an Musikschulen tätig sind, die gleiche Vergütung bekommen, wie InstrumentallehrerInnen, obwohl sie einen viel höheren Vorbereitungsaufwand haben. Eine Lehrperson, die mit TIMPANO arbeitet, benötigt am Anfang bestimmt mindestens die gleiche Zeit an Vorbereitung, wie an Unterrichtszeit. Ein Problem, das dringend gelöst werden muss.

Fazit

TIMPANO ist eine gigantische Materialsammlung in einem Ordner, mit gelungenen Zusatzmaterialien. Dass das Programm den gesamten Bereich der Frühförderung abdeckt, mit allen Spezial-Unterrichten, finde ich lobenswert. Allerdings erfordert es von der Lehrkraft viel Erfahrung und Wissen, um aus den Themenkreisen Stundenbilder für eine Vielzahl von unterschiedlichen Kursen zu entwerfen.
Die Preise für die Materialien sind gerechtfertigt, aber bei diesem Materialumfang natürlich nicht in einer Höhe, die einen spontanen Neugierkauf zulassen würden. Der Bosse-Verlag bietet ein Gesamtpaket für 159,- Euro* an. Dieses Angebot ist ein wirkliches „Sonderangebot“.


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Stimmgeschichten

Autor(en): Kirsten Maxeiner
ISBN: 978-3-7957-4453-3
Bestellnr.: ED 22420
Details: 144 S., mit CD und DVD
 Verlag: Schott Music GmbH & Co. KG, Mainz
 Preis  € 28,50
hier bei Amazon bestellen *

„Stimmgeschichten – Kreative Stimmbildung für Kinder ab 4 Jahren“ ist 2015 im Schott-Verlag erschienen. Die Autorin ist Kirsten Maxeiner. „Stimmgeschichten“ ist ein Lehrerhandbuch für Personen, die mit Kindern in Musikschule, Grundschule, Kindergarten oder sonstigen Institutionen singen. Es wurde mir vom Schott-Verlag als Rezensionsexemplar kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Den Kern bilden 12 Stimmgeschichten. Jede Stimmgeschichte bietet Unterrichtsstoff für ca. 3 Unterrichtsstunden. Im Mittelpunkt einer Stimmgeschichte steht jeweils ein Lied, das die Kinder erlernen. Dies geschieht – neben dem Singen – durch vielfältige Aktivitäten, wie Stimmübungen, Bewegung und Tanz, Instrumentalspiel und Malen.
Die Stimmspiele werden im Handbuch sehr ansprechend und klar präsentiert. So findet man eine Übersicht, einen Stundenablauf in Stichpunkten, Lieder, Fotos , Bilder zum Ausmalen und den ausführlichen, tabellarischen Stundenablauf. Das Liedrepertoire besteht aus modernen und traditionellen Liedern.

Die Einführung des Buches bilden folgende Kapitel:
– Was Sie über das Singen wissen sollten
– Vom Babbeln zum Singen – die Kinderstimme
– Entwicklungsfördernde Aspekte des Singens
– Unterrichtsablauf und methodische Hinweise

Den Abschluss bilden die Kapitel:
– Stimmbildung im Kita-Alltag
– Entdecke die Lust am Singen

Zum Buch gehört eine CD mit den Liedern, eingesungen und als Playback, außerdem noch eine DVD mit Filmsequenzen aus dem Unterricht und PDFs.

Mein Eindruck

„Stimmgeschichten“ ist ein kleines, aber feines Werk. Die einleitenden Kaptitel zum Thema Gesang sind kurz und verständlich und beinhalten alles, was man wissen muss, um mit Kindern freudvoll zu singen und gleichzeitig deren Stimmen zu wecken und zu pflegen. Frau Maxeiner hat eine sympathische Art zu schreiben. Man spürt sofort ihre Liebe zum Singen und zu den Kindern. Immer wiederkehrende Unterrichtselemente, wie das singende Erzählen, geben Kindern und LehrerInnen schnell Sicherheit und Vertrauen.
Kirsten Maxeiner ist eine Frau aus der Praxis, das merkt man sofort. Die Titel der CD sind von hoher Qualität und liebevoll eingesungen.

Fazit

Stimmgeschichten ist mein Tipp zum neuen Schuljahr für alle Menschen, die mit Kindern in Musik-, Grundschule oder Kindergarten singen. Für das, was das Werk bietet, ist der Preis von 28, 50 € ein Schnäppchen.
Von mir eine absolute Kaufempfehlung.

Zum Abschluss

Ich würde mit euch gerne über das Problem der Bezahlung von Lehrkräften in der musikalischen Frühförderung diskutieren. Schreibt einen Kommentar!

Wie ist eure Bezahlung?

Wer bekommt Vorbereitungszeit bezahlt?

Gibt es Unterschiede zum Instrumentalbereich?

Was denkt ihr darüber?

Diskutiert hier!

 


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Kommentare
  1. Carla Dalhus sagt

    Danke, dass du dieses Problem ansprichst! Ich finde es empörend, dass die Vorbereitungszeit von Musiklehrenden nicht bezahlt wird!!! Damit wird unsere Arbeit wohl kaum wertgeschätzt, denn einen Großteil meiner Arbeitszeit verbringe ich tatsächlich mit dem Planen der Unterrichtseinheiten. Da muss sich einiges verändern!

    Liebe Grüße
    Carla

    1. Liebe Carla,
      vielen Dank für deinen Beitrag. Den Aspekt der Wertschätzung finde ich sehr wichtig.
      Viele Grüße
      Gabriele

  2. Gudrun sagt

    Das Thema Bezahlung ist für mich seit Jahren Thema. Das Problem ist, denke ich, dass es keine, in Österreich empfinde ich es so, Regelung dafür gibt….. Und unter uns selbständigen teilweise unfairen praisdumping gibt. Da nehmen nicht mal die Musik-Unis Stellung dazu….

  3. Zur Frage: Wie ist eure Bezahlung? Die Bezahlung ist wie eine 60 Minuten Stunde, 15 Minuten davon sind Vorbereitungszeit. Zusätzlich gibt es ja im Öffentlichen Dienst in Baden Württemberg eine Stundenreduzierung von ca. 8 Wochenstunden als sog. Zeit für Zusammenhangstätigkeiten.
    Zur Frage: Gibt es Unterschiede zum Instrumentalbereich?Ja, dort werden die 15 Minuten Vorbereitungszeit nicht extra im Deputat angerechnet.
    Was denkt ihr darüber? Ich bin froh und dankbar, daß ich zu ziemlich fairen Bedingungen im Vergleich zu den Honorarkräften angestellt bin. Generell setze ich mich so oft wie möglich ein, daß schon auf kommunaler Ebene die musikalische Förderung immer wieder zur Sprache kommt und weiter entwickelt wird. Sehr schwierig!

  4. Ulrike Schelter-Baudach sagt

    Ich habe mir das timpano-Werk schon angeschaut, und es hat mich auch musikalisch nicht überzeugt. Fast keines der neueren Lieder gefiel mir so, dass ich es mit meinen Kindern hätte singen wollen. Leider… – Und zum Thema Bezahlung in der Musikalischen Frühförderung: ich finde es als Honorarkraft auch sehr deprimierend, dass die Vorbereitungszeit mein Privatvergnügen ist. Aber nicht nur das: Auch das Unterrichten in Gruppen ist wesentlich anstrengender als ein Einzelunterricht am Instrument.

    1. Sebastian Köchel sagt

      Da kann ich nur zustimmen, eine Gruppe zu unterrichten ist sehr viel anstrengender!

  5. Sebastian Köchel sagt

    Musiklehrer sind einfach chronisch unterbezahlt!

    1. Ulrike J. sagt

      Was verdienen denn Musiklehrer? Es gibt tausende Berufe die weniger verdienen als Musiklehrer.

  6. Vielen Dank für eure Beiträge.

    Dem Argument, dass Früherziehungskurse anstrengender sind, als Instrumentalunterricht, kann ich mich nur anschließen. Sie sind auch anstrengender als Instrumental-Gruppen. Das hängt mit dem Alter der Kinder zusammen. Ab einem bestimmten Alter, war ich kräftemäßig nicht mehr in der Lage, mehr als vier Gruppen der Frühförderung hintereinander zu unterrichten. Ich bin deshalb sehr froh, dass ich auch Instrumentalschüler habe.

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