Der Klavierspieltrainer – frischer Wind im Klavierunterricht

Wie angekündigt, werde ich euch während der Sommermonate mit interessanten Projekten, Publikationen und Firmen bekannt machen. Heute möchte ich euch Frau Ilse Lintzen und ihren Klavierspieltrainer vorstellen. Der Klavierspieltrainer ist ein Lern- und Übungsportal für Klavierschüler im Internet.

Am Ostersonntag diesen Jahres habe ich Frau Lintzen in ihrem Haus in Potsdam besucht. Wir hatten einen wunderbaren Nachmittag und sie hat mir eine Einführung in ihr Lernportal gegeben. Bisher spielt das Internet noch keine große Rolle in meinem Unterricht, aber nach den Sommerferien werde ich den Klavierspieltrainer an meiner Musikschule einführen.

Wenn auch ihr Anregungen für das neue Schuljahr sucht, dann folgt mir nach Potsdam, nehmt an Frau Lintzens Tisch Platz und lasst euch in die Welt eines musikalischen Lernportals einführen.

Gabriele: Liebe Frau Lintzen, bitte erzählen Sie uns von Ihrem Konzept. Was ist der Klavierspieltrainer?

Frau Lintzen: Das ist ein Lern- und Übungsportal für Klavierschüler, das wir im Internet eingerichtet haben.

Gabriele: Welchen Sinn hat ein solches Portal?

Frau Lintzen: Unser Ziel ist es, Klavierschüler beim Üben zu Hause zu unterstützen und sie dazu anzuregen, mehr und effektiver zu üben. Klavierlehrer klagen ja heutzutage darüber, dass viele ihrer Schüler nicht mehr richtig, manche auch gar nicht üben. Schüler sind durch viele andere Aktivitäten und auch besonders durch Medien abgelenkt. Unsere Idee bei der Konzeption des Klavierspieltrainers war es, die  Schüler genau dort abzuholen, wo sie ihre freie Zeit verbringen: im Internet.

Gabriele: Wie begegnen Sie dieser allgemeinen „Unlust zu üben“ mit dem Klavierspieltrainer?

Frau Lintzen: Der Klavierspieltrainer bietet Materialien und Online-Übungen, die aus unserer eigenen langjährigen Unterrichtserfahrung mit Schülern aller Alterklassen entstanden sind. Diese Erfahrung hat uns gelehrt, dass Schüler dann gerne üben, wenn sie Spaß dabei haben und vielleicht noch wichtiger, wenn sich relativ schnell Erfolgserlebnisse einstellen. Dabei werden durchaus auch kleine Fortschritte als Erfolgserlebnis verbucht. Es ist keinesfalls so, dass die Schüler nicht arbeiten wollen. Alle, die ein Instrument lernen, wissen dass dies Mühe und Zeit kostet und ein ganzes Stück nicht in 10 min gelernt werden kann. Wichtig ist vielmehr, dass die Schüler weder überfordert noch unterfordert sind, dass sie konkrete Anleitung bekommen, was und wie sie üben können und dass sie merken, ob sie etwas richtig machen. Wirklich Spaß haben Schüler, wenn sie im Fluss spielen können und dabei vielleicht sogar einen sogenannten Flow erleben.

Gabriele: Wie erreichen die Schüler mit dem Klavierspieltrainer diesen Fluss des Spielens?

Frau Lintzen: Das Konzept vom Klavierspieltrainer ist eigentlich ganz einfach und beruht auf einem bewährten Prinzip, das bei vielen anderen klassischen Instrumenten und vor allem in der Pop- und Jazzmusik schon lange im Einsatz ist. Das Stichwort heißt: Playalongs. Das sind Aufnahmen von Musikstücken, zu dem der Lernende mitspielen kann. Er  lernt auf diese Weise seinen Part hörend und spielend kennen, spielt im Fluss, im richtigen Rhythmus und musikalisch auf gutem Niveau. Er hat Freude am Üben, weil er gleich richtig Musik machen kann.

Gabriele: Gibt es solche Playalongs nicht schon in großer Auswahl?

Frau Lintzen: Ja, für alle Melodieinstrumente. Bei der Klaviermusik sieht es anders aus. Da kennt man nur Einspielungen von Klavierkonzerten, weil hier das Klavier Soloinstrument ist, das vom Orchester begleitet wird.

Gabriele: Wenn Ihre Einspielungen keine Klavierkonzerte sind, was sind sie stattdessen?

Frau Lintzen: Meine Idee war es, auch einfache Klavierstücke in zwei Parts zu trennen, in linke und rechte Hand, sodass eine Hand zum Mitspieler für die andere Hand wird. Bei unseren Playalongs sind jedoch immer beide Hände zu hören, damit der musikalische Zusammenhang erhalten bleibt. Man kann dann wählen, welche Hand lauter zu hören ist und welche man mitspielen möchte. Das ist also das Kernstück des Klavierspieltrainers: ein Player, über den man sich professionelle Einspielungen von Klavierstücken online anhören und auf seinem eigenen Instrument  mitspielen kann.

Gabriele: Das klingt technisch sehr kompliziert. Können die Schüler das Programm selbstständig bedienen?

Frau Lintzen: Der Player ist so komfortabel gestaltet, dass der Schüler wirklich damit üben kann, ohne sich mit technischen Dingen befassen zu müssen.

Gabriele: Das ist gut – auch für uns Lehrer. Was kann ein Schüler nun alles mit einem Stück machen?

Frau Lintzen: Mit einem Klick kann man rechte oder linke Hand, oder auch beide Hände anwählen, das Tempo lässt sich verändern und was wirklich etwas Besonders ist: es gibt vorgefertigte Übungsschleifen, sog. Loops, die ohne Unterbrechung laufen. Dazu haben wir jedes Klavierstück in einzelne Sinnabschnitte eingeteilt, die jeweils 4 bis 8 Takte lang sind und so geschnitten sind, dass man sie nahtlos als endlose Wiederholungen spielen kann. Die Noten werden auf dem Bildschirm angezeigt und wenn man einen Loop anwählt, werden die Noten dazu automatisch auf dem Bildschirm hervorgehoben.

Gabriele: Wofür sind die Loops?

Frau Lintzen: Für die Schüler ist es enorm wichtig zu lernen, dass man Stücke nicht von vorne bis hinten durchspielt, sondern in kleineren Abschnitten übt. Im Klavierunterricht wird das natürlich gelehrt, aber wenn Schüler zu Hause sind und alleine üben, haben sie das oft vergessen. Der Klavierspieltrainer animiert die Schüler zum Üben in Sinneinheiten und gibt durch die Übungsschleifen konkrete Anleitung.

Gabriele: Woher kommen Ihre Ideen für die Gestaltung des Players?

Frau Lintzen: Die Ideen für die Gestaltung des Players kommen aus meinem eigenen Unterricht, denn hier arbeite ich nach den gleichen Prinzipen. Bei der Erarbeitung eines Stückes lasse ich den Schüler erstmal nur eine Hand spielen, während ich die andere Hand übernehme. Ein neues Stück zerlegen wir in Teilabschnitte oder sogar in einzelne Phrasen, die in Schleifen geübt werden können. Manche Abschnitte spielt der Schüler im Wechsel mit mir, immer im Rhythmus, so dass das richtige Einsetzen mitgeübt wird. Wenn der Schüler sich nur auf einen kleinen Part konzentrieren muss, ist er viel entspannter, da er vom Spielen des Ganzen entlastet wird. Er hört aber das Ganze und ist auch mit kleinen Fortschritten zufrieden.

Gabriele: Welche Möglichkeiten hat ein Schüler bei dem Umgang mit dem Player?

Frau Lintzen: Er kann sich einfach das ganze Stück erstmal anhören, er kann aber auch einzelne Teile Hören und Lesen, Hören und Spielen, Hören und Singen, Hören und Klopfen, eine Hand oder beide Hände dazuspielen, in den vorgefertigten Übungsabschnitten spielen oder auch in noch kleineren Teilen davon. Das rhythmisch richtige Einsetzen will zwar gelernt sein, ist aber sowieso eine Fähigkeit, die für das Zusammenspiel mit anderen wichtig ist.

Gabriele: Wie kamen Sie auf die Idee, ein solches Projekt zu realisieren?

Frau Lintzen: Die Idee zu dem Projekt kam eigentlich aus meiner Erfahrung als Chorsängerin. Ich singe in einem recht anspruchsvollen Oratorienchor und wir realisieren dort mehrere Projekte im Jahr. Oft haben wir für die Einstudierung nur wenige Wochen Zeit. Deshalb arbeiten wir gerne mit Proben-CDs, die es für alle großen Chorwerke gibt. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht und auch ganze Werke damit auswendig gelernt. Allein durch häufiges Anhören ohne die Noten bekommt man seine Stimme – in meinem Fall Altstimme – und auch die Harmonien des ganzen Chorsatzes bald ins Ohr. Zusammen mit den Noten und durch wiederholtes Hören und Mitsingen in kleinen Abschnitten habe ich z.B. auch rhythmisch schwierige Passagen gelernt. Ich bin immer wieder überrascht, wie viel besser man in der Chorprobe zurecht kommt, wenn man vorher mit der CD gearbeitet hat. Als Chorleiterin eines gemischten Laienchors habe ich auch schon selbst Proben- CDs mit kleinen Chorstücken hergestellt, worüber meine Sängerinnen und Sänger immer sehr dankbar waren.

Gabriele: Gab es neben Ihren Choraktivitäten noch andere Gründe?

Frau Lintzen: Auf der Suche nach besseren Lehr- und Lernmethoden für meinen Klavierunterricht  – ich unterricht seit über 20 Jahren – habe ich schon Vieles mit meinen Schülern ausprobiert. Vor zwei, drei Jahren kam mir die Idee, die Technik der Proben-CDs mit hervorgehobenen Einzelstimmen für das Lernen von Klavierstücken fruchtbar zu machen. Ich dachte darüber nach, wie viel leichter es sein müsste, ein Klavierstück zu lernen, wenn man alle Stimmen im Ohr hat, nicht nur die Melodie, sondern auch die Basslinie und die Harmonien.

Gabriele: Da haben Sie recht. Wie ging es mit der Realisierung des Projektes dann weiter?

Frau Lintzen: Nach einiger Recherche im Internet fand ich heraus, dass es bisher noch niemanden gab, der solche Mitspieldateien für Klavierstücke produziert und ins Netz gestellt hatte. Ich war begeistert von meiner Idee, wollte ein Projekt daraus machen und stieß auf großes Interesse bei meinen musikalischen Freunden. Der Komponist und Konzertpianist Andreas Staffel war spontan bereit, sich mit seinem Wissen und Können an meinem Projekt zu beteiligen und vor allem die professionellen Einspielungen der Klavierstücke zu machen, während ich die Produktion übernahm. Wir begannen zunächst zu zweit an der Konzeption zu arbeiten, bezogen aber nach einiger Zeit weitere Leute mit ein. Andreas betreibt eine Musikschule in Berlin, veranstaltet Konzerte, ist im Bereich Neue Musik und Liveelektronik tätig und hat viele kreative Leute an der Hand, die zum Teil auch im Low Budget-Bereich arbeiten. Durch seine Kontakte war es relativ einfach, für das Projekt ein professionelles Team zusammenstellen. So arbeiteten mit: Jens Hoppe (Webdesign), Julius Holtz (Aufnahmetechnik und Sounddesign), Ulf Voigt (Grafik) und außerdem aus meinem familiären Umfeld, Raimund Lintzen (Notensatz). Alle haben wirklich tolle Arbeit geleistet und einfach gut zusammengearbeitet, so dass das Ergebnis weit über das hinausgeht, was ich mir vorgestellt hatte.

Gabriele: Sie wollten ja eigentlich CDs produzieren. Warum haben Sie einen anderen Weg gewählt?

Frau Lintzen: Die anfängliche Idee CDs zu produzieren und zu vertreiben, erschien uns angesichts der interaktiven Möglichkeiten des Internets zu wenig attraktiv. Wir entschieden uns deshalb für die Einrichtung einer Webseite, auf der wir Klavierstücke multimedial aufbereiten wollten, so dass sich Klavierschüler in vielfältiger Weise mit ihnen beschäftigen können. Neben der Möglichkeit, Hördateien abzuspielen, sollten die Nutzer auch Hilfen zur Erarbeitung eines Stückes nach Noten bekommen, wenn möglich als interaktives Angebot. Die Idee war, Notenblätter als eine Art Erkundungstour zu gestalten, mit Infobuttons zum Anklicken auf den Notenblättern selbst. Leider wäre die Umsetzung dieser Idee technisch zu aufwendig gewesen.

Gabriele: Was haben Sie stattdessen entwickelt?

Frau Lintzen: Wir realisierten eine einfachere Variante mit einer Liste von Buttons, die wir den Notenblättern voranstellten und nannten es Erkundungspfad. Er enthält stückbezogenes Lehr- und Übungsmaterial, das ich aus meiner Unterrichtserfahrung heraus entwickelt habe.

Gabriele: Was sind die Vorteile einer Internetseite gegenüber CDs mit Buch?

Frau Lintzen: Das Tolle an einer Internetseite im Vergleich zum Buch ist, dass der Nutzer flexibel mit dem Material umgehen kann. Er kann das aufrufen, was er gerade braucht und auch ein Zuviel an Informationen einfach wegklicken. Die Idee der kommentierten Notenblätter haben wir nämlich dann doch noch realisiert, nur in einer anderen Form. Zu jedem Stück haben wir drei verschiedene Notenblätter mit unterschiedlichen Informationen erstellt, die der Schüler anwählen kann:
1) normale Noten mit Fingersätzen
2) Notenblätter mit Benennung von Anfangstönen und Intervallen, sowie mit  Markierungen der vorkommenden Dreiklänge, Tonleitern, Sequenzen, Basslinien usw.
3) Notenblätter, die zeigen welchen Formenaufbau das Stück hat und welche Harmonien vorkommen.

Gabriele: Warum diese drei verschiedenen Notenblätter?

Frau Lintzen: Der Schüler kann damit flexibel arbeiten und sich dem Stück von unterschiedlicher Seite her nähern. Unsere kommentierten Notenblätter haben auch ein bestimmtes Ziel. Schüler sollen dazu angeregt werden, Noten nicht als Einzelnoten zu lesen, also nicht zu „buchstabieren“, sondern zusammenhängende Tongruppen, Sinneinheiten, wiederkehrenden Muster und Strukturen zu erfassen. Viele Schüler denken ja, man muss Note für Note auf die Tasten umsetzen und das eben sehr lange trainieren, bis man Vom-Blatt-Spielen kann. Das funktioniert aber so nicht. Jeder gute Vom-Blatt-Spieler erfasst ganze Tongruppen, hat Griffmuster in den Fingern, hört die Töne und Rhythmen beim Lesen voraus und bezieht seine ganze Hörerfahrung mit ein. Um dieses Wissen im Klavierunterricht zu vermitteln, ist es sicher hilfreich, wenn man didaktisches Material hat, wie wir es auf dem Klavierspieltrainer anbieten.

Gabriele: Dann sind die einzelnen Notenblätter zusammengenommen ja quasi das, was ein Lehrer seinem Schüler in die Noten eines Stückes schreibt. Sehr ausführlich natürlich.

Frau Lintzen: Genau. Auch in meinem Unterricht mache ich viele Notizen und Kommentare auf den Notenblättern, meist zusammen mit dem Schüler. Die kommentierten Notenblätter, die wir auf dem Klavierspieltrainer anbieten, sehen allerdings besser und übersichtlicher aus. Wir haben sie sorgfältig ausgearbeitet, sodass die Schüler sie als gute Informationsquelle nutzen können.

Gabriele: Was ist das Besondere an den Notenblättern mit den Harmonien?

Frau Lintzen: Bei der harmonischen Analyse der Stücke haben wir neben den absoluten Bezeichnungen, also C-Dur, F-Dur, G7 usw. auch  ein ganz neues System mit farblichen Markierungen verwendet. Jeder harmonischen Funktion ist eine charakteristische Farbe zugeordnet, so dass der Spannungsverlauf der Musik als Abfolge von Farben erscheint. Der Schüler erkennt an der Farbe ganz schnell die jeweilige Funktion, intuitiv entwickelt er aber auch ein Gefühl für die Wirkung der Harmonien.

Gabriele: Nach welchen Gesichtspunkten haben Sie die Farben ausgewählt?

Frau Lintzen: Als ich das Konzept vor ein paar Jahren entwickelte, habe ich mich gefragt, wie wirkt eine Dominante und welche Farbe passt zu ihr? Und später habe ich noch viele Musiker dasselbe gefragt und fast alle sagten spontan: Rot. Sowohl mit der Signalfarbe Rot als auch mit der Dominante verbindet man eben so etwas wie Spannung, Bewegung, Aufregung oder Dramatik. Für die Subdominante, die oft ein Gefühl der Weite oder Gelöstheit vermittelt, habe ich Blau genommen, wie der Himmel oder die Weite des Meeres. Für die Tonika, die meist den Anfang und das Ende eines Stückes markiert und für Ruhepunkte und Auflösungen steht, fand ich Gelb eine passende Farbe. Hier dachte ich an die beruhigende Wirkung, die von einem gelb angestrichenen Raum ausgeht. Zusammen mit den Nebenakkorden in Moll (parallele Mollakkorde), die farblich abgestuft sind, ergibt sich für jede Tonart ein ganzes Harmoniespektrum von gelb über gelbgrün, blau, violett, rot, orange und zurück zu gelb. Das Farbkonzept für die Funktionsharmonik habe ich bereits viele Jahre erfolgreich in meinem Klavierunterricht eingesetzt und benutze es auch selbst, wenn ich ein Stück erarbeite. Natürlich nur für Stücke die man überhaupt funktionsharmonisch analysieren kann, also etwa bis zur Romantik. Jetzt hat es auch einen Namen bekommen: „Color the Harmonies“.

Gabriele: Für wen ist der Klavierspieltrainer geeignet?

Frau Lintzen: Den Klavierspieltrainer haben wir für Klavierschüler gemacht, die ganz normal in einer Musikschule oder bei einem privaten Lehrer Unterricht haben. Das Lern- und Übungsmaterial ist sowohl für den Einsatz im Klavierunterricht gedacht, als auch für das Üben zu Hause. Wenn jemand versucht, eigenständig Klavierspielen zu lernen oder wiedereinsteigt, kann er sicher auch von unserem Klavierspieltrainer profitieren.

Gabriele: Kann der Klavierspieltrainer einen Unterricht mit einer Lehrperson ersetzen?

Frau Lintzen: Nein! Die Idee war es nie, den Klavierunterricht zu ersetzen, wie dies von manchen anderen Angeboten im Internet versprochen wird, sondern ihn durch Medien zu unterstützen. Im Sprachenunterricht ist der Medieneinsatz ja schon seit Jahrzehnten selbstverständlich, im Instrumentalunterricht gibt es hier noch Nachholbedarf.

Gabriele: Welches Alter und welchen Leistungsstand müssen die Schüler haben?

Frau Lintzen: Unser momentanes Angebot richtet sich an fortgeschrittene Anfänger, die schon 2 oder 3 Jahre Unterricht hatte und bereits über grundlegende Notenkenntnisse verfügen. Vom Alter her können sicher schon 8-Jährige den Player bedienen und die Playalongs nutzen. Das Begleitmaterial ist aber eher für Kinder ab 10 Jahre und für Erwachsene gedacht.

Gabriele: Der Klavierspieltrainer ist kein monatliches Abonnement. Was kosten die einzelnen Titel?

Frau Lintzen: Die Preise sind sehr moderat, damit sich jeder Schüler den Klavierspieltrainer neben den Kosten für den Klavierunterricht leisten kann. Pro Stück kostet die Online-Nutzung einmalig 5,99 € für 2 Monate. Die Noten und Begleitmaterialien kann man sich ausdrucken. Bucht man später ein neues Stück, erhält man weiterhin Zugriff auf alle alten Stücke.

Gabriele: Gibt es eine spezielle Zusammenarbeit mit den KlavierlehrInnen?

Frau Lintzen: Nein, eine direkte Zusammenarbeit mit den LehrerInnen haben wir nicht geplant. Dies würde auch unsere Kapazitäten überschreiten. Wir überlassen es den KollegInnen selbst, sich zu überlegen, ob und wie sie unser Angebot in ihren Unterricht integrieren. Es gibt aber eine E-Mail Adresse, über die LehrerInnen sich an uns wenden und Wünsche bezüglich weiterer Stücke oder zusätzlicher Materialien äußern können.

Gabriele: Was muss ich tun, wenn ich den Klavierspieltrainer mit meinen Schülern ausprobieren möchte?

Frau Lintzen: Da wir noch in der Aufbauphase sind, bieten wir interessierten Klavierlehrern die Möglichkeit, einen kostenlosen Zugang zu unserer Seite zu bekommen. Bitte einfach eine Mail an uns schreiben, mit einem Nachweis, dass eine Tätigkeit als Klavierpädagoge ausgeübt wird. Für die Schüler fallen die normalen Nutzungsgebühren an.

Gabriele: Welche Titel gibt es und sind weitere Titel geplant?

Frau Lintzen: Momentan sind 16 Stücke für fortgeschrittene Anfänger, die im klassischen Klavierunterricht ihren festen Platz haben, auf dem Klavierspieltrainer verfügbar. Das beginnt mit kleinen Menuetten, Musetten, Burleske usw. von Leopold Mozart, W.A. Mozart und Joseph Haydn, dann lyrische und romantische Stückchen von Dimitri Kabalewski, Cornelius Gurlitt und Friedrich Burgmüller, ein Stück von Robert Schumann, „Erster Verlust“ und schließlich „Gymnopedie Nr.1“ von Eric Satie.

Gabriele: Das sind bisher alles klassische Stücke, warum?

Frau Lintzen: Bei der  Auswahl haben wir uns – auch aus urheberrechtlichen Gründen – auf klassische Stücke konzentriert. Wenn der Klavierspieltrainer gut läuft, werden wir auch neuere Stücke aus dem Pop- und Jazz-Bereich dazu nehmen.

Gabriele: Sind noch andere Dinge in Planung?

Frau Lintzen: Ja, als nächstes sind erstmal noch ganz einfache klassische Stücke geplant, weil es dafür eine größere Nachfrage gibt und wir anhand dieser Stücke die Methodik noch besser aufzeigen wollen. Außerdem wollen wir auch Videos zur Musiktheorie und zu technischen Übungen erstellen. Es gibt jetzt eines zum Thema „Tastenbilder lernen“ unter der Rubrik „Üben & mehr“ auf der Webseite.

Gabriele: Liebe Frau Litzen, das klingt alles sehr spannend. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg für Ihren Klavierspieltrainer und danke Ihnen vielmals für Ihre ausführlichen Erläuterungen.

Hier der Link zum Klavierspieltrainer.

 

Lintzen
© Ilse Lintzen

Ilse Lintzen

Die studierte Sozialwissenschaftlerin war zunächst im Bereich Medienpädagogik tätig, bevor sie sich beruflich der Musik zuwandte. Sie studierte Gesang, Chorleitung und Klavier an der Berufsfachschule für Musik in Bad Königshofen und setzte ihre Gesangsstudien bei dem Opernsänger Rainer Miebach in Würzburg fort. Danach widmete sie sich intensiv der Klavierpädagogik mit besonderem Interesse an der Vermittlung von Musiktheorie. Sie veröffentlichte mehrere Theoriehefte unter dem Titel „Spielend Theorie lernen“. Als Klavierpädagogin blickt sie auf über 20 Jahre Unterrichtstätigkeit zurück und unterrichtet im Einzel- und Gruppenunterricht. Seit frühester Kindheit engagiert sie sich als Chorsängerin in Laien- und semiprofessionellen Chören in den Bereichen Oratorium, Oper, Operette, Jazz und Alte Musik. Sie gründete und leitete viele Jahre einen gemischten Chor für Eltern und Lehrer an einer Grundschule in Potsdam. Mit ihrem Internetprojekt „Klavierspieltrainer“ erprobt sie neue Wege im Bereich der Klavierdidaktik.

 

 

 

 

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