Für Musiker_innen, Musik- und Intrumentalpädagog_innen, Sänger_innen & Hobbymusiker_innen

„Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.“ Augustinus

Ein paar kurze Gedanken für zwischendurch. Heute: Motivation – der Schlüssel für erfolgreichen Unterricht.

Motivation – das Zauberwort

Motivation – was für ein Zauberwort! Da denkt man an brillante Motivationstrainer im Zweireiher mit Mikrophon oder an Hochglanzratgeber mit Titeln wie „Du kannst alles erreichen!“ oder „Nichts ist unmöglich!“. Und dann kann man es spüren, dieses Gefühl: „Hey, ich werde meine Ziele erreichen!“ oder „Hey, ich kann jeden an sein Ziel führen!“

… Und dann ist wieder Montag und ich stehe in meinem Unterrichtsraum. Schon der erste Schüler begrüßt mich mit den Worten: „Ich konnte nicht üben, weil…“. Die zweite Schülerin konnte nur wenig über, denn… und der dritte Schüler wusste nicht mehr, was er üben sollte (trotz Hausaufgabenheft). Eine bleierne Schwere sinkt auf mich herab und das Gefühl motiviert zu sein und selbst zu motivieren ist verschwunden.

Und trotzdem werden wir uns heute mit dem Thema Motivation beschäftigen, denn wir alle wissen, dass wir ohne Motivation in unserem Beruf nicht bestehen können.
Definieren wir zunächst den Begriff „Motivation“. Er bedeutet: „Die Beweggründe, die das Handeln eines Menschen bestimmen.“ (Drosdowski, Müller, Scholze-Stubenrecht & Wermke 1996, S. 505)

Wir werden deshalb folgende Punkte betrachten:

1. Was motiviert mich?
2. Wie kann ich meine Schüler motivieren?
3. Wie erfahre ich mehr zu diesem Thema?

Was motiviert mich?

Um andere Menschen motivieren zu können, muss ich mich zunächst fragen, was mich antreibt, denn:
„Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.“ Augustinus

Folgende Fragen können uns helfen, aus dem Alltag aufzutauchen und uns an unsere ursprünglichen Beweggründe zu erinnern:
– Warum bin ich Musik-LehrerIn?
– Was möchte ich meinen SchülerInnen vermitteln?
– Welches Verhältnis zu meinen SchülerInnen strebe ich an?
– Wie möchte ich meinen Unterricht gestalten?
– Welche persönlichen musikalischen Ziele habe ich?
– „Brenne“ ich noch für die Musik?
– „Brenne“ ich noch für meine SchülerInnen?
– Wenn nicht, was könnte ich tun, um das Feuer wieder zu entfachen?

Wir alle sind MusikerInnen geworden, weil wir die Musik lieben. Oft haben Lehrende kaum noch Zeit, eigene musikalische Wege zu verfolgen. Das ist nicht gut. Wir müssen uns Zeit für das eigene Musizieren und die eigenen Konzertbesuche nehmen, damit unser Feuer nicht erlöscht.

Hier noch einige Tipps, wie du dich selbst als besserer „Motivator“ präsentieren kannst:
1. Sei lebhaft und wach.
2. Sprich nicht zu langsam und monoton.
3. Achte auf dein Äußeres.
4. Tu mehr, als von einer Lehrperson erwartet wird.
5. Zeige deine Kompetenz.

Wie kann ich meine Schüler motivieren?

Eine/n SchülerIn zu motivieren beinhaltet zwei Dinge: Zum einen, ihn/sie für eine Sache zu begeistern und zum anderen, diese Begeisterung aufrecht zu erhalten.
Das liest sich leichter, als es ist. Die meisten SchülerInnen kommen mit einer hohen Eigenmotivation. Sie wollen ein Musikinstrument erlernen. Aber das ist ein mühsamer Prozess und bedarf eines großen Durchhaltevermögens von Seiten der SchülerInnen und ihrer Eltern. Nur wenige Aspekte im Leben unserer SchülerInnen können wir aktiv beeinflussen. Wir sehen sie nur einmal in der Woche. Aber folgende Punkte können hilfreich sein:

1. Informiere dich über die Ziele deiner SchülerInnen und konzentriere dich darauf, diese mit ihnen zu erreichen.
2. Entwickle passende Zwischenziele.
3. Lob das Erreichen jedes Zwischenziels.
4. Überrasche deine SchülerInnen mit abwechslungsreichen Lernwegen und Aktionen.
5. Sei aufmerksam.
6. Nimm deine SchülerInnen ernst.
7. Sei ein guter Zuhörer.
8. Vermittle deinen SchülerInnen, was du von ihnen erwartest.
9. Spar niemals mit Lob.

Wie erfahre ich mehr zum Thema Motivation im Instrumentalunterricht?

Wann immer wir ein Kündigungsschreiben in der Hand halten, müssen wir erkennen, dass die Motivation eines Schülers verloren gegangen ist.
Es lohnt sich demnach, sich zum/zur Motivationsfachmann/frau zu machen.

Ich möchte euch deshalb das Buch „Motivieren zur Musik“ vorstellen. Geschrieben wurde es von Prof. Dr. Nicolai Petrat und ist 2007 beim Bosse-Verlag erschienen. Nicolai Petrat ist Professor für Instrumental- und Gesangspädagogik an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock.

Auch Herr Petrat beginnt sein Buch mit der Beobachtung, dass fast alle SchülerInnen mit Freude einen Instrumentalunterricht beginnen und meistens auch gute Fortschritte machen. Doch irgendwann merkt jede/r SchülerIn, dass es auch Schwierigkeiten gibt und Hindernisse überwunden werden müssen. Oft sinkt dann die Motivation rapide und auch erfahrenen Lehrpersonen fällt es schwer, die SchülerInnen wieder zum Üben anzuspornen.
Da sich im Umfeld der SchülerInnen vieles verändert hat, ist es heute eine große pädagogische Herausforderung, Kinder und Jugendliche auf ihrem Weg im Instrumentalunterricht zu begleiten. Die Motivation der SchülerInnen mit all ihren Facetten zu hegen und zu pflegen wird so zur zentralen Aufgabe der Lehrenden.
Zunächst entwirft der Autor einen Motivationszirkel, bestehend aus 5 Prinzipien. Die ausführliche Betrachtung dieser Prinzipien und ihre Anwendung in der Unterrichtspraxis bilden den ersten Teil des Buches.
Die Prinzipien sind:
1. Motive erkennen und fördern – Das Motiv als Ursprung und Perspektive der Motivation
2. Impuls durch Abwechslung – Die Neugier als Auslöser zum Handeln
3. Verunsicherungen überwinden durch Stärkung des Selbstwertgefühls – Unsicherheit als kurze Phase der Irritation
4. Für Erfolgserlebnisse sorgen – Eigene Anstrengung ist der beste Weg zur intrinsischen Motivation
5. Musik genießen lassen – ohne wenn und aber – Flow kommt aus dem Gefühl der sozialen Sicherheit
Jedes Prinzip wird zunächst theoretisch erörtert und findet dann seine Anwendung in der Unterrichtspraxis. Petrat veranschaulicht seine Erörterungen mit vielen Beispielen und konkreten Hinweisen für die Lehrenden.
Der zweite Teil des Buches ist ein regelrechtes Nachschlagewerk zur Soforthilfe bei Problemen im Unterricht. Die Kapitel lauten hier:
– Schülermotivierung im Gruppenunterricht
– Elterndidaktik: Indirekte Motivationshilfe außerhalb des Unterrichts – von der Motivierung und Demotivierung durch Eltern
– Supervision zur Schülermotivierung: Wie motiviere ich meine Schüler? Wie kann ich meinen Unterricht optimieren?
– Situationen aus der Praxis und konkrete Tipps
– Zum Anschluss: Schülermotivation als individuelles Konzept

„Motivieren zur Musik“ ist ein Buch, dass sich sehr ausführlich mit allen Aspekten der Motivation im Instrumentalunterricht beschäftigt. Den ersten Teil empfand ich über weite Strecken als anstrengend zu lesen. Trotz des Bezugs zur Praxis überkamen mich die Gefühle einer Schülerin oder Studentin, die später über Formeln und Modelle abgefragt wird. Die vielen Beispiele und Ratschläge haben mich dann aber immer wieder ermuntert, weiter zu lesen.
Wirklich  überzeugt hat mich der zweite Teil. Hier fand ich listenweise Tipps und Anregungen, die sich direkt in der nächsten Unterrichtsstunde umsetzen lassen.
Insgesamt ein wirklich lesenswertes Buch, für alle, die sich ausführlich über das Thema Motivation im Instrumentalunterricht informieren möchten und gleichzeitig Anregungen für die tägliche Arbeit mit den SchülerInnen suchen.

Kommentare
  1. Claudia Nicolai sagt

    Super! Ärmel hoch, alle!

  2. Der Dampfer sagt

    Ein wirklich guter Satz von Augustinus, der alte Kirchenmann. Musikunterricht ist mehr als Technik, es ist Motivation!

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