Für Musiker_innen, Musik- und Intrumentalpädagog_innen, Sänger_innen & Hobbymusiker_innen

Mach mal Pause – aber richtig!

Pausen sind wichtig. Doch wann mache ich im Unterrichtsalltag eine Pause, wie lange sollte sie dauern und wie gestalte ich sie?

Wir alle wissen, dass Pausen im täglichen Leben wichtig sind. Es gibt unzählige Studien, die belegen, dass Arbeit ohne regelmäßige Regeneration krank macht.
Doch … wieviele Pausen habt ihr lieben Musiklehrenden heute gemacht? Und wenn ihr Pausen hattet, wie habt ihr sie gestaltet?

Pause machen – gerne, aber wann?

Viele Musiklehrende haben große Probleme ihren Unterricht zu organisieren. Bei den InstrumentallehrerInnen und LehrerInnen der Frühförderung wird das Zeitfenster, in dem ihre SchülerInnen zum Unterricht kommen können, immer kleiner. Nachmittagsunterricht, Ganztagsschule, berufstätige Eltern, übermäßig viele Freizeitaktivitäten sind nur einige der Gründe dafür.
Um ihr Auskommen zu sichern, gehen viele KollegInnen zusätzlich noch anderen Tätigkeiten nach. Sie leiten Chöre, spielen in Bands oder arbeiten in anderen Bereichen.

So ist es vielen nicht möglich, (unbezahlte) Pausen zwischen ihre Unterrichtsstunden zu legen. Wer außerdem noch die Örtlichkeit wechseln muss, nutzt Freiräume, um von der Musikschule zur Chorprobe oder von einem Schüler zum nächsten zu kommen.

Pausen in Schulen
Sogar MusiklehrerInnen im Schuldienst haben selten Zeit, eine richtige Pause zu machen. Oft muss noch der Raum aufgeräumt werden, die Wege zum Lehrerzimmer und in andere Räume sind weit, Schüler brauchen Rat und Hilfestellung usw.  Engagierte MusiklehrerInnen findet man eher selten und wenn, dann nur für kurze Zeit im Lehrerzimmer.

Pause machen – jetzt erst recht!

Trotz aller Schwierigkeiten rund um dieses Thema, müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass der Appell von Medizinern und Arbeitsrechtlern nach Pausen nicht unbegründet ist. Als ich noch jünger war, habe ich mir wenige Gedanken darum gemacht. Aber ab einem bestimmten Alter, ruft unser Körper nach Pausen. Überhören wir diesen Ruf, kann das zu schwerwiegenden körperlichen und geistigen Problemen führen.

Was also können wir tun?
Wir werden 3 Aspekte betrachten:

1. Wie kann ich Pausen einlegen, auch wenn ich keine Zeit dafür habe?
2. Wie sehen Pausen aus, die mir neue Kraft geben?
3. Wie kann ich meinen gesamten Tagesablauf so gestalten, dass ich meinen Unterricht gut überstehe?

Wie kann ich Pausen einlegen, auch wenn ich keine Zeit dafür habe?

Mehrere kurze Pausen
Untersuchungen zeigen, dass mehrere kurze Pausen besser sind, als eine lange. Wer die Möglichkeit hat, sollte sich deshalb nach 60 – 90 Minuten eine Pause legen. Schon 5 bis 10 Minuten bringen den gewünschten Effekt.
Diese kurzen Pausen zwischen euren Unterrichtseinheiten sind aber nur sinnvoll, wenn ihr sie auch zur Entspannung nutzen könnt. Ich erlebe es immer wieder, dass ich diese kurzen Unterbrechungen in Gesprächen mit Eltern, auf der Suche nach verschwundenen Schüler-Jacken oder Noten oder am Telefon verbringe.
Sollen die Unterbrechungen wirklich zu eurer Erholung dienen, müsst ihr sie entsprechend nutzen und euch von Schülern und Eltern kurzeitig zurückziehen.

Pausen während des Unterrichts
Solltet ihr wie ich, keine Freiräume zwischen euren Unterrichtsstunden haben, hier einige Tipps, wie ihr euch trotzdem kurz regenerieren könnt:
– Verändert bewusst eure Position.
Wenn ihr im Unterricht sitzt, steht zu Beginn jeder neuen Unterrichtsstunde bewusst auf. Lauft zum Fenster und öffnet es. Atmet tief ein, streckt euch und trinkt etwas.
Wenn ihr in der Frühförderung viel in Bewegung seid und auf dem Boden sitzt, setzt euch für ein paar Minuten auf einen bequemen Erwachsenen-Stuhl, trinkt etwas, füllt eure Anwesenheitsliste aus und esst ein Stück Obst oder auch ein Stück Schokolade.
All das kann man mit gutem Gewissen im Unterricht tun.
– Bezieht die Schüler in eure Entspannungsübungen mit ein.
Kurze Lockerungsübungen für Schultern, Nacken und Rücken tun auch euren Instrumentalschülern gut. Warum also nicht gemeinsam einige Übungen zu Beginn des Unterrichts miteinander machen?
Für viele Eltern jüngerer Kinder ist es sehr wichtig, dass diese regelmäßig trinken. So kann man in der Frühförderung eine Trinkpause einplanen, in der man sich selbst auch einen Schluck Kaffee oder Tee genehmigt.

Wann immer ihr kurz allein seid, z.B. auf der Toilette, macht einige Atemübungen und streckt euch ausgiebig. Nutzt man kurze Unterbrechungen von ca. einer Minute gut, so bewirkt das sehr viel für Körper und Geist. Baut man diese zudem geschickt und nutzbringend für die Schüler in den Unterricht ein, wird einem niemand einen Vorwurf machen.

Wie sehen Pausen aus, die mir neue Kraft geben?

Die Wirtschaftspsychologinnen Emily Hunter und Cindy Wu von der Baylor University in Texas haben sich in ihrer Studie „Give me a better break“ mit dem Thema Pausen auseinander gesetzt. Hier die drei wichtigsten Aspekte der Wissenschaftlerinnen für optimale Erholung:
– Mehrere kurze Pausen in regelmäßigen Abständen sind besser als eine lange Pause.
Die Länge einer Pause ist nur von Bedeutung, wenn man nur eine oder zwei den Tag über einlegt. Verteilt man viele Pausen im Abstand von ca. 90 Minuten über den Tag, können die Unterbrechungen kurz sein und man erzielt trotzdem optimale Ergebnisse.
– Früh nach Beginn der Arbeit die erste Pause einlegen.
Häufig haben wir den Gedanken, erst einmal ordentlich zu arbeiten und dann eine Pause zu machen. Dem widerspricht das Ergebnis der Studie. Die erste Pause sollten wir schon nach 90 Minuten machen. So entleert sich unser Energiespeichen nicht komplett und kann wieder voll aufgeladen werden.
– In der Pause das tun, worauf man Lust hat.
In einer Pause sollte man Dinge tun, die einem Freude bereiten. Aufgezwungene Pausenaktivitäten führen nicht zum gewünschten Ergebnis. Unterdrücken wir unsere Wünsche, verbrauchen wir auch in der Pause Energie.
Dieser Punkt des „Lustprinzips“ hat sich als der wichtigste innerhalb der Studie herausgestellt.

Wie kann ich meinen gesamten Tagesablauf so gestalten, dass ich meinen Unterricht gut überstehe?

Die meisten InstrumentallehrerInnen und ChorleiterInnen sind „Schichtarbeiter“, ohne sich dessen bewusst zu sein. Oft beginnt der Unterricht erst am Nachmittag und die Chorprobe erst am Abend. Als „Schichtarbeiter“ muss man auf seinen Tagesablauf achten.
Ich selbst stehe wegen meines schulpflichtigen Sohnes jeden Morgen um 6 Uhr auf. Mein Unterricht beginnt aber erst um 14.30 Uhr. Das heißt, ich bin zu Unterrichtsbeginn schon 8 1/2 Stunden auf den Beinen.
Wie mir geht es vielen LehrerInnen mit Familie. Um unseren Unterrichtstag gut meistern zu können, müssen wir die Zeit davor entsprechend planen. Wer schon 8 Stunden intensive Büro- und Hausarbeit hinter sich hat, kann nicht mehr energiegeladen in den Unterricht gehen. Ein Zeitplaner, in den auch Ruhezeiten eingetragen werden, kann hier gute Dienste leisten, damit wir uns nicht automatisch an der Zeitgestaltung unserer Umgebung orientieren.

Mittagsschlaf
Noch ein Tipp: Alle Untersuchungen, die sich mit Pausen, Schlafen und Regeneration beschäftigen, heben die Wirksamkeit eines kurzen Mittagsschlafs hervor.
Dieser Schlaf sollte nicht länger, als 30 Minuten dauern, da wir sonst in eine Tiefschlafphase fallen, aus der der Organismus nur langsam und mit großem Aufwand wieder in seinen „Normalzustand“ kommt.
Beschränken wir uns aber auf wenige Minuten, ist die Liste der Vorteile lang:
– verbesserte Leistungsfähigkeit
– höhere Konzentrationsfähigkeit
– bessere Laune
– verringertes Herzinfarktrisiko
usw.

Vorbereitung
Damit wir unsere Pausen erholsam gestalten können, ist oft eine gute Vorbereitung notwendig. Diese Vorbereitungszeit müssen wir in unseren Tagesablauf einbauen. Ich kann im Unterricht nur meinen Lieblingssaft trinken, wenn ich ihn eingekauft habe und in den Unterricht mitnehme. Auch ein Obstsalat muss vorbereitet werden. Will ich meine Fahrt zur Chorprobe am Abend für Entspannung nutzen, indem ich meine Lieblings-CD höre, muss ich daran denken, sie ins Auto zu legen. Überlasst eure Regeneration nicht dem Zufall.

Fazit

Pausen sind wichtig. Wir alle sollten unserem Körper und unserem Geist die nötige Entspannung gönnen. Auch wenn ihr keine richtigen Pausen in euren Unterrichtstag einbauen könnt, sorgt für kurze Regenrations-Minuten und nutzt auch kurze Momente in denen ihr allein seid, wie z.B. den Toilettengang. Macht in den Pausen das, was euch persönlich gut tut und bereitet diese kostbaren Momente gewissenhaft vor und … bleibt gesund!

Kommentare
  1. Tisa Ulm sagt

    Danke für die Tipps, so komme ich sicher durch den Tag.

    1. Liebe Tisa,
      gerne und vielen Dank.
      Ich wünsche einen guten Start in die neue Woche.
      Viele Grüße
      Gabriele

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