Für Musiker_innen, Musik- und Intrumentalpädagog_innen, Sänger_innen & Hobbymusiker_innen

Lasst uns gemeinsam singen!

Mein Besuch beim Festivokal 2016 und ein persönliches Plädoyer für das gemeinschaftliche Singen.

Im Februar 2015 konntet ihr hier auf musikdidaktik.net ein Interview mit Thomas Bailly, dem Leiter der Chorleiterschule des Hessischen Sängerbundes in Frankfurt lesen. In diesem Rahmen lud mich Herr Bailly zum Chorfestival „Festivokal“ nach Bad Nauheim ein.
An diesem Wochenende war es nun so weit. Das erste Mal in meinem Leben habe ich ein Chorfestival besucht. Drei Tage habe ich mit begeisterten Sängerinnen und Sängern verbracht und Workshops bei einigen prominenten Chorleitern und Komponisten besucht.

Mein Plädoyer für gemeinschaftliches Singen

Ich selbst bin zwar Musikerin, singe in einem Frauenensemble und außerdem gehört das Singen mit Kindern zu meiner täglichen Arbeit, aber eine erfahrenen Chorsängerin bin ich nicht.

So saß ich dann auch staunend zwischen Menschen unterschiedlichen Alters und bewunderte zutiefst das Können dieser Laiensänger. Und obwohl ich meine Mühe hatte mitzuhalten, war es sofort da, dieses unbeschreibliche Gefühl in einer großen Gruppe zu singen. Und bevor ich euch mehr vom Festival berichte, hier meine wichtigsten Botschaften nach diesem Wochenende:
– Singt mit anderen gemeinsam, wann immer es euch möglich ist.
– Wenn es euch schlecht geht (aber auch wenn es euch gut geht), sucht euch einen Chor.
– Liebe ChorleiterInnen, liebe MusikpädagogInnen, liebe SängerInnen, lasst uns darum kämpfen, dass die Chorkultur in unserm Land (im Zusammenwirken mit den Chören und der Chormusik anderer Länder), trotz aller Neuerungen dieser Zeit, seinen Stellenwert behält.
– Liebe ErzieherInnen, liebe MusiklehrerInnen, werdet nicht müde, euren SchülerInnen die Freude am Singen zu vermitteln.

Gemeinsames Musizieren erzeugt Glücksgefühle, die einzigartig sind. Nicht jeder Mensch hat die Möglichkeit ein Instrument zu erlernen, aber jedes Kind in Deutschland sollte die Möglichkeit haben, in einer Gruppe zu singen. Die Voraussetzungen dafür sind gegeben. Jedes Kind in Deutschland muss zur Schule gehen. Wenn wir also nicht zulassen, dass der Musikunterricht aus unseren Schulen verschwindet oder zu einem theoretischen Fach verkommt, dann  ist es möglich, dass jedes Kind Erfahrungen im gemeinschaftlichen Singen macht.

Festivokal 2016

Mit vielen weiteren Teilnehmenden absolvierte ich an drei Tagen ein atemberaubendes Programm. 10 Workshops bildeten den Kern des Festivals. Geleitet wurden sie von Thomas Gabriel, John Vaida, Robert Sund, Jean Kleeb, Ernie Rhein, Axel Pfeiffer, Hermia Schlichtmann, Carsten Gerlitz und John Rutter. Daneben gab es tägliche Konzertvorbereitungen für den, aus den Teilnehmenden bestehenden, Festivokal-Chor und Konzerte.
Organisiert und geleitet wurde die Veranstaltung von Herrn Thomas Bailly, den wir hier schon näher vorgestellt haben. Das Festivokal fand in diesem Jahr bereits zum zehnten Mal statt. Veranstaltungsort ist die Sankt Lioba Schule in Bad Nauheim.

Gabriele und das Festivokal

Nachdem mich Herr Bailly zum Festivokal eingeladen hatte, ging ich zunächst daran, herauszufinden, was mich vom 4. bis 7. Mai 2016 erwarten würde. Das ist mir leider, trotz Internetseite (festivokal.de), nicht wirklich gelungen. Zwar wurden die Leitenden der Workshops und mitwirkende MusikerInnen ausführlich vorgestellt, um was es aber in den Workshops gehen sollte und für wen sie geeignet wären, wurde kaum erwähnt.
Das ist schade, da ich glaube, dass sich bei ausführlicheren Beschreibungen der Inhalte noch mehr Singende für das Festivokal begeistern könnten.

Wie oben schon bemerkt, war ich begeistert von dem Können der Teilnehmer. Ich kann das Festival deshalb allen erfahrenen ChorsängerInnen uneingeschränkt empfehlen. Personen aber, die keine oder sehr wenig Erfahrung mit dem Singen und besonders dem Singen vom Blatt haben, wären überfordert und könnten nur als Zuhörerende teilnehmen.

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Robert Sund

Alle Workshops, die ich besucht habe, waren von hoher Qualität, geleitet von hervorragenden Dozierenden. Besonders beeindruckt hat mich die Arbeit mit Herrn Robert Sund, der mich in nur 1 1/2 Stunden zu einem Fan von skandinavischer Chormusik werden ließ. Die Auswahl seiner Lieder klingt noch jetzt in mir nach und ich werde sie ganz bestimmt in mein persönliches Repertoire aufnehmen.

John Vaida

Zuvor brachte uns der Amerikaner John Vaida sehr einfühlsam den Geist und die musikalische Umsetzung traditioneller Gospels und Spirituals nahe. Er hielt den Workshop in englischer Sprache, aber mit einem Vokabular und einer Aussprache, dass man seinen Ausführungen problemlos folgen konnte – wunderbar!

Axel Pfeiffer

Sehr angesprochen hat mich der Workshop „Der Kuckuck aus Calypso – Volkslieder im zeitgemäßen Gewand“. Axel Pfeiffer führte uns in seiner angenehm ruhigen und freundlichen Art in die Welt deutscher Volkslieder in interessanten, modernen Arrangements. Obwohl ich selbst keinerlei Berührungsängste mit deutschen Volksliedern in traditionellen Sätzen habe, machten die von Herrn Pfeiffer präsentierten modernen Varianten Lust auf mehr.

John Rutter

Für viele Teilnehmer war der letzte Workshop, geleitet von John Runter, der Höhepunkt des gesamten Festivals. Der Komponist vieler klangvoller Chorwerke stellte einer begeisterten Fangemeinde einige alte, aber auch neue Werke seines Schaffens vor. 2 1/2 Stunden konnten wir uns an seinen melodiösen Stücken erfreuen. John Runter ist ein sympathischer Engländer, der sich und seine Musik geschickt präsentieren kann.

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John Vaida & Robert Zimmermann

Carsten Gerlitz und Jean Kleeb

Alle Workshops ausführlich zu beschreiben, würde den Rahmen des Artikels sprengen. Carsten Gerlitz und Jean Kleeb gehören zu den bekannten Persönlichkeiten der Chorszene in Deutschland. Wer die Möglichkeit hat, einen Workshop bei ihnen zu besuchen, sollte es tun, es lohnt sich.

Abschlusskonzert

Den krönenden Abschluss des Festivokals bildete ein dreistündiges Abschlusskonzert. Mitwirkende waren im ersten Teil die Teilnehmenden des Festivals in Form des Festivokal-Chores, die „Lioba Voice“ Bad Nauheim sowie mehrere Einzelkünstler. Im zweiten Teil wurde das Werk „Gloria“ von John Rutter und unter seiner Leitung zur Aufführung gebracht. Der Höhepunkt jedoch war der dritte Teil mit Carsten Gerlitz und seinen „THE HAPPY DISHARMONISTS“, einem Vokalensemble der Extraklasse.
Deshalb mein Kulturtip: Besucht eine Veranstaltung der „THE HAPPY DISHARMONISTS“. Ihr werdet es nicht bereuen!

Hermia Schlichtmann

Hervorheben möchte ich an dieser Stelle den „guten Geist“ der Veranstaltung – Hermia Schlichtmann. Eine erstklassige Musikerin – über die ich drei Tage lang nur staunen konnte. Ich habe wunderbare Chorproben mit Frau Schlichtmann erlebt. Sie hat überaus virtuos Klavier gespielt, wo immer ein Klavier benötigt wurde, ob als Korrepetitorin oder als konzertierende Pianistin in einem Jazz-Trio. Sie war auf dem gesamten Festival mit ihrem Können musikalisch und auch organisatorisch gefragt und hat mit ihrem lebhaften und herzlichen Wesen für gute Laune gesorgt.
Ich werde mich um ein Interview mit Frau Schlichtmann bemühen, um euch diese interessante Kollegin näher vorzustellen.

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Fazit

Ich gratuliere Herrn Thomas Bailly zu diesem gelungenen Chorfestival. Ich konnte an dieser Stelle nur einige Bereiche dieser sehr komplexen Veranstaltung vorstellen. Allen engagierten Chorsängerinnen und -sängern kann ich das Festivokal nur wärmstens empfehlen. Sicher wird Herr Bailly auch im nächsten Jahr ein interessantes Programm zusammenstellen. Informationen unter: www.festivokal.de

Kommentare
  1. Caroline Lechevallier sagt

    T O L L !
    Ich mag deinen Blog sehr. Dieser Bericht war interessant. Er macht Lust zu singen und das Festival zu besuchen!

    1. Liebe Caroline,
      vielen Dank für deine ermunternden Worte und viel Spaß beim Singen.
      Herzliche Grüße
      Gabriele

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