Für Musiker_innen, Musik- und Intrumentalpädagog_innen, Sänger_innen & Hobbymusiker_innen

Tastenkinder – ein einzigartiger Weg zu einem tiefen Musikverständnis

“Nur wer verantwortungsbewußt zu verändern versteht, kann bewahren, was sich bewährt hat.“ Willy Brandt

Im heutigen Artikel über das Tastenkinder-Programm werden wir uns mit folgenden Punkten beschäftigen:
– Tastenkinder – ein neuer Weg – eine neue Methodik
– Wie ist das Programm aufgebaut?
– Welche Vorteile hat es für SchülerInnen und Lehrende?

Tastenkinder – ein neuer Weg – eine neue Methodik

Um ein Unterrichtsprogramm, das neue Wege geht, beurteilen zu können, ist es wichtig, es in seiner Gesamtheit zu betrachten. Einfach nur Einzelelemente herauszunehmen und mit Althergebrachtem zu vergleichen, wird zu keinem befriedigenden Ergebnis führen.
Hier ein Beispiel:
Wie im letzten Artikel beschrieben, lernen die SchülerInnen im Tastenkinder-Programm zunächst Lieder nach dem Gehör zu erarbeiten. Oft habe ich es erlebt, dass Lehrpersonen beim Betrachten der Materialien meinten, die Lieder wären zu schwer, andere dagegen sagten, sie wären zu leicht. Ich meinerseits entgegne: Wer noch nie mit Kindern Lieder nach dem Gehör erarbeitet hat, kann gar nicht beurteilen, ob diese zu einem bestimmten Zeitpunkt zu schwer oder zu leicht sind.

Betrachten wir also das Programm insgesamt. Ob es für einen persönlich funktioniert und ob es zu einem selbst passt, kann man nur herausfinden, wenn man es im Unterricht ausprobiert hat. Und natürlich benötigt man den Mut neue Wege zu gehen. Das ist nicht bequem, es ist mit Arbeit und einer Veränderung der Sichtweise verbunden.

Wie ist das Programm aufgebaut?

Gruppenkonzept
Tastenkinder ist ein Gruppenkonzept, das aber in seiner neuen Form auch für den Einzel- und Zweierunterricht geeignet ist. Die Gruppe ist der ideale Rahmen für Kinder im Alter zwischen 5 und 8 Jahren. Teil einer Gruppe zu sein, ist für sie wichtig. Sie lernen voneinander und miteinander.

Einstieg über das Spielen nach dem Gehör
Eines der wichtigsten Elemente des Programms ist der Einstieg ins Klavier-/Keyboardspiel über das Gehör. Zwei Dinge sind bei Kindern im beginnenden Schulalter noch in der Entwicklung: die Feinmotorik (benötigen sie für das Spielen auf dem Instrument) und das abstrakte Denken (benötigen sie zum Notenlesen). Sind die Kinder nun gezwungen, schon von Beginn an nach Noten zu musizieren, wird von Ihnen eine feinmotorische Leistung und das Lesen abstrakter Symbole gleichzeitig verlang. Viele richten deshalb ihre gesamte Aufmerksamkeit auf die Motorik. Das sind oft die musikalischen Kinder. Sie spielen die Lieder, aber lesen eigentlich keine Noten. Die andere Gruppe konzentriert sich auf die Noten und bekommt deshalb nicht die nötige Geläufigkeit. Diese Kinder spielen sehr, sehr langsam.
Eine weitere Folge der Überforderung ist, dass sich der Hör- oder besser Zuhöre-Sinn fast völlig verschließt. D.h., die SchülerInnen haben nicht mehr genügend Kapazität, sich beim Spielen zuzuhören.

Lernweg zu einem tiefen Musikverständnis
Tastenkinder beschreitet einen Lernweg zu einem tiefen Musikverständnis. Dieser beruht auf den Erkenntnissen des Musikwissenschaftlers Edwin Gordon. Ein Aspekt dabei ist das Erlernen von Musik und Noten über Motive. Dieser Umgang mit melodischen, rhythmischen und harmonischen Motiven ermöglicht es den Kindern schon sehr früh, zu komponieren, zu improvisieren, vom-Blatt zu singen, nach dem Gehör zu musizieren und vieles mehr. Dieser Lernweg wird im Sinne Maria Montessoris mit vielen Spielen und selbstkorrigierenden Techniken beschritten.
SchülerInnen, die aus diesem Programm hervorgehen, sind selbstbewusste, verantwortungsvolle und sozial kompetente kleine MusikerInnen. (Und das, obwohl sie kein Orchesterinstrument sondern ein Soloinstrument spielen.)

Abwechslungsreicher, bewegter Unterricht
Eine Unterrichtsstunde bei den Tastenkindern besteht aus verschiedenen Unterrichtselementen. Es wird gesungen und dazu gespielt (Kreisspiele, Bewegungsspiele, Wortspiele usw.), am Instrument musiziert (einzeln oder im Ensemble), es wird getrommelt und getanzt, es gibt schriftliche Übungen und Kartenspiele. Konzentriertes, sitzendes Arbeiten wechselt sich mit Bewegungselementen ab. Die Bewegung wird so zum Energiespender für das stille, angestrengte Arbeiten danach.

Elternzeit
Am Ende jeder Unterrichtsstunde gibt es eine Elternzeit. In dieser werden die Eltern zu kompetenten Lernpartnern der Kinder. Nur Erwachsene, die sich sicher und kompetent fühlen, üben zu Hause mit ihren Kleinen. Außerdem gibt es im Schülerarbeitsheft eine Elternseite zu jeder Lektion. Die Informationen dieser Elternseite erleichtern die häusliche Arbeit.

Welche Vorteile hat das Tastenkinder-Programm für SchülerInnen und LehrerInnen?

SchülerInnen
Mit dem Tastenkinder-Programm werden die SchülerInnen behutsam, kindgerecht und ganzheitlich in den Instrumentalunterricht eingeführt. Durch abwechslungsreiche Hausaufgaben gewöhnen sich die Kinder daran, regelmäßig zu Hause für den Instrumentalunterricht zu arbeiten.
Außerdem stellt das Programm sicher, dass alle musikalischen Grundelemente ausgebildet werden. Denn Rhythmik lernt ein Mensch nur über Bewegung und nicht über das Instrumentalspiel. Auch die Ausbildung der Singstimme und des Gehörs sind notwendig, erfolgt aber ebenfalls nicht über das Spielen am Klavier/Keyboard.

LehrerInnen
Da das Tastenkinder-Programm auch schon für Vorschulkinder geeignet ist, erschließt sich für Instrumentallehrende eine neue Altersgruppe.
Durch die Lehrermaterialien mit vollständig ausgearbeiteten Stundenbildern, ist es auch für Lehrpersonen der Frühförderung mit grundlegenden Kenntnissen und Fähigkeiten am Tasteninstrument möglich, das Programm zu unterrichten.

Schulungen
Der Musikkinder-Verlag veranstaltet regelmäßig Schulungen, um einen erfolgreichen Start mit dem Programm sicherzustellen.

Wenn ihr keinen passenden Termin findet, schreibt mir eine Mail (gabriele@musikdidaktik.net). Ich halte immer wieder kleine Tastenkinder-Seminare außerhalb des normalen Schulungsplan ab.

Zum Abschluss

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,
wenn ihr Lust habt, einen neuen Weg zu gehen, frischen Wind in euren Unterrichtsalltag zu bringen und mit jüngeren Kindern zu arbeiten, dann probiert die Tastenkinder einfach mal aus.
So habe ich es mit dem amerikanischen Vorgänger-Programm gemacht und ich wurde nicht enttäuscht. Heute sind die Hälfte meiner Schüler „Tastenkinder“. Mein Mut hat sich also auch finanziell ausgezahlt.
Willy Brandt hat gesagt: “Nur wer verantwortungsbewußt zu verändern versteht, kann bewahren, was sich bewährt hat.“
In diesem Sinne,
eure

Gabriele

 

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