Musikdidaktik.net auf der Musikmesse – Der Rundgang beginnt

Für uns MusikerInnen und MusikliebhaberInnen hat die Musikmesse in Frankfurt alle Jahre wieder ihren Reiz. Wer bestaunt nicht gerne die Hochglanz-Flügel der Firmen, die man sich als normale Musiklehrende sowieso niemals leisten können wird oder die edlen Streich-, Zupf-, Holzblas- und Blechblasinstrumente. Wer kann sich dem Charme des vielseitigen Percussionangebots entziehen und welche/r MusikerIn stöbert nicht gerne in Notenheften?
Auf der Musikmesse findet man alles, was das Musikerherz höher schlagen lässt und was man eigentlich gerne zu Hause hätte.
Und doch stellt sich auf dem Heimweg dann ein Gefühl der Ernüchterung ein – bei mir jedenfalls. Warum ist das so? Zum einen ist auf der Messe alles zu groß, zu laut, zu anstrengend. Und auf der anderen Seite beobachten Fachbesuchende, die wie ich schon viele Jahre regelmäßig auf der Musikmesse sind, dass die Zahl der Ausstellenden geringer wird, die Stände werden kleiner, ganze Bereiche verschwinden fast komplett und das macht nachdenklich.

Viele Jahre besuchte ich als Musikhändlerin die Messe, nun war ich zusammen mit Leslie als Journalistin unterwegs.
Wir hatten uns vorgenommen, Neues für den Blog zu entdecken und Interessantes für unsere LeserInnen aufzuspüren.

Und ich kann es euch gleich vorweg verraten: Etwas, das euren MusiklehrerInnen- oder MusikerInnenalltag revolutionieren wird, haben wir nicht gefunden.

Wir begannen unseren Rundgang in Halle 8 „Classic meets Acoustic“. Die Halle 8 ist und bleibt die Musiklehrer-Halle. Akustische Musikinstrumente und Musikverlage – das, was eine Lehrperson interessiert. Anschließend besuchten wir dann die anderen Hallen.

Noten

Die Halle 8 präsentierte sich am Donnerstag eher beschaulich. Die Verlage zeigten ihre Neuerscheinungen und ein kleines weiteres Sortiment. Große Verlagsstände, wie es sie vor einigen Jahren noch gab, suchte man vergeblich. Die VertreterInnen der Verlage waren sehr zurückhaltend, bei den kleineren und spezialisierteren aber wesentlich freundlicher, als bei den Branchengrößen. Richtig geärgert habe ich mich über den Verkäufer des größten deutschen Verlags – arrogant wie eh und je.
Sehr zuvorkommend, freundlich und kompetent hat man mit mir dagegen am Stand von Carus gesprochen. Im Sommer erscheint bei Carus „Chorissimo – blue. Step by Step zur Mehrstimmigkeit“. Ein interessantes Werk für LehrerInnen mit Schulchören und ChorleiterInnen von Kinder- und Jugendchören. Ich werde die Materialien – gleich wenn sie erscheinen – ausführlich für ‚Musikdidaktik.net‘ besprechen.
Der Bosse-Verlag präsentierte „timpano“, ein neues, umfangreiches Unterrichtswerk für den kompletten Frühförderbereich. Auch dieses werde ich euch in einem gesonderten Artikel vorstellen. Die Materialien wurden mir schon vor der Messe vom Bosse-Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt.

 

Gabriele Zimmermann
© Leslie Zimmermann

Instrumente

Während wir durch die Stände der Instrumentenhersteller in Halle 8 schlenderten, erregten die futuristischen E-Blockflöten „Elody“der Firma Mollenhauer unsere Aufmerksamkeit. Die hessischen Flötenbauer präsentieren ein gelungenes neues Design im Bereich Blockflöte. Das besondere daran: Dieses Model kann akustisch gespielt werden, verfügt aber auch über einen Tonabnehmer. Verbunden mit einem Verstärker oder Effektgerät, wird „Elody“zu einem elektroakustischen Instrument.
Zunächst überlegten wir, einen ausführlicheren Bericht über diese Flöte zu verfassen. Als wir dann auf den Preis von knapp 2000,-€ aufmerksam wurden, haben wir dieses Vorhaben wieder verworfen. Sicher ein nettes „Spielzeug“ für erwachsene Blockflöten-Freaks, aber kein Modell, das das Instrument Blockflöte für Kinder und Jugendliche wieder attraktiver macht. Dafür ist die „Elody“ einfach zu teuer.

LEGALE Interaktive & digitale Notenportale

E-Books werden mittlerweile von fast allen Buchverlagen angeboten und haben bereits einen beachtlichen Marktanteil. Die Notenverlage hinken hier noch etwas hinterher. Wir MusikerInnen lieben einfach unsere schönen Print-Notenhefte. Und doch gibt es sie, die legalen digitalen Notenportale. Da ihr, liebe LeserInnen eines Blogs, elektronischen Medien gegenüber ja nicht völlig abgeneigt seid, sahen wir es als unsere Pflicht an, auch in diesem Bereich etwas zu recherchieren.

Sehr unprofessionel wurde uns das Notenportal „notafina“ (Schott) präsentiert. Das Titelangebot ist hier noch überschaubar (überwiegend Noten vom Schott-Verlag). Auf der Messe besonders beworben: die elektronischen Partituren der Edition Eulenburg. Nun kenne ich nur wenige Musikergruppen, die aus Partituren musizieren (mit Ausnahme der DirigentInnen und KorrepetitorInnen). Bei GesangschülerInnen im Bereich Oper, kommt dies allerdings vor. So fragte ich den Vertreter nach elektronischen Opernpartituren. Mit dieser Frage war er sichtbar überfordert und konnte auch im Print-Katalog von notafina keine solchen finden – scheinbar wurden bisher nur Partituren von Instrumentalwerken digitalisiert.
Sehr sympathisch und kompetent stellten uns dagegen die Vertreter der Firma „Gustaf“ ihr Notenportal vor. Dieses belgische Unternehmen ist noch ganz jung am Markt und besitzt bereits eine viel größere Datenbank, als „notafina“. Diese wird außerdem ständig erweitert. Für Vorschläge von Seiten der KundInnen sind die Betreiber sehr dankbar. Es gibt einen persönlichen Support – auch in deutscher Sprache. Neben der App und dem digitalen Notenshop bietet die Firma Zubehör an, mit dem Tablets und Notebooks sicher an einer Art Notenständer befestigt werden können. Wir empfanden die „elektronischen Notenständer“ als überaus ästhetisch. Schaut euch hier einfach mal die Website der Firma an. Digitale Noten haben ihre Vorteile: Man kann in ihnen digital „herummalen und -schreiben“, Playbacks abspielen und die Noten transponieren. Das Programm läuft auf allen erdenklichen Geräten (Smartphone, Tablet, Notebook, Computer) und zwar offline und online.

Kurioses

Am Stand von Suzuki/Hammond (Suzuki hat die Firma Hammond vor einigen Jahren aufgekauft) wurden den Besuchenden E-Melodikas – Melodions präsentiert; in schwarz und bunt mit dem Schriftzug Suzuki und in braun und schwarz mit dem Schriftzug Hammond. Es gibt sie in Bass-, Alt- und Sopranstimmung, mit unterschiedlichen Mundstücken und natürlich mit der Möglichkeit, diese an einen Verstärker anzuschließen.

Leslie – Special

Leslie war besonders von einer Neuerung begeistert – dem Seaboard RISE von Roli. Das Seaboard ist eine Art Keyboard, mit einer Silikontastatur. In Verbindung mit einer Software kann man die einzelnen Töne durch die Art, wie man auf die Silikontastatur drückt, verändern. Mein jüngerer Sohn (19 Jahre) kannte das Teil „natürlich“ schon längst, durch YouTube.
Leslie wird euch im Blog ausführlicher vom Seaboard berichten.
Es ist sicher kein Unterrichtsinstrument, hat aber Potential, gerade junge Leute zu begeistern. Mehr Informationen gibt es hier.

Zum Abschluss

Für heute beende ich meinen Bericht über die Musikmesse 2016. Wir haben natürlich noch weitere interessante Dinge entdeckt. Von diesen werden wir euch ausführlicher berichten.
In den nächsten Tagen, schließen wir unseren Rundgang noch ab und ziehen ein Resümee.

Fortsetzung folgt…

Es grüßt euch

Gabriele

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Kommentare

  1. Joachim Großpersky sagt

    Ihrem Bericht kann ich mich nur anschließen. Ich selbst war seit dem Start der Musikmesse als Vertriebsleiter der Edition Peters auf der AusstellerseiteJahrzehnte präsent. In diesem Jahr erstmals als Fachbesucher für meinen Shop http://www.musia.de . Da natürlich viele Verlagskolleginnen und Kollegen aus dieser Zeit persönlich kenne, war es für mich einfach ins Gespräch zu kommen und mich so informieren zu können. Allerdings ist auch mir gefühlsmäßig die Abschottung einiger Verlagsstände aufgefallen frei nach“Vorsicht Kunde“ aufgefallen. Sehr positiv aufgefallen ist mir, wie auch Ihnen,der Carus-Verlag. ausserdem Accoustik Music Books und die Edition Dux. Bei Notafina gab es keinen kompetenten Ansprechpartner. Hätte mich interessiert, das angebot in meinen Shop einzubinden. Insgesamt gab es deutlich weniger Noten und Informationen. Wer sich so präsentiert kann auch weg bleiben.

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