Music4Kidz – Eine „Musikwelt“ für unsere Kinder?

Begleitet mich noch einmal auf das Gelände der Musikmesse 2016. Heute werde ich den Messebericht mit meinem Music4Kidz-Erlebnis und einem Resümee abschließen.

Music4Kidz

Als wir am Donnerstag das Messegelände betraten, fielen mir gleich die vielen Kindergartenkinder ins Auge, die angeführt von ihren ErzieherInnen und Messepersonal in Richtung Halle 9.1 eilten.
Ich musste an meine Söhne denken und daran, dass ich sie in diesem Alter an viele Orte mitgenommen habe, aber nicht auf die Musikmesse.

Nachdem wir die wichtigsten Stationen hinter uns hatten, begaben wir uns in die Halle 9.1 „Electro meets Recording“, eine sehr technische und (schon am Donnerstag) sehr laute Halle. Und gerade in dieser, befand sich das 3000 Quadratmeter große Areal für Kinder und Jugendliche.
Eines ist festzuhalten: An Fläche hatte die Messegesellschaft ganz gewiss nicht gespart.
Aus der Perspektive eines Vorschulkindes allerdings ein beängstigend großes Gelände.
Den Mittelpunkt bildete eine Bühne, darum herum viele Bereiche, die etwas mit Musik zu tun haben sollen. Dominiert wurde das ganze von elektronischen Instrumenten und Maschinen zur Klangerzeugung unterschiedlichster Art. Außerdem gab es einige überdimensionale Musikinstrumente und vieles, was einfach Lärm in unterschiedlichen Tonhöhen machte. Ach ja, und Gitarren gab es auch…
Ich war geschockt! Und noch jetzt fehlen mir die Worte, um mein Grauen auszudrücken.
Was empfindet wohl ein 5-jähriges Kind in Gegenwart einer Flöte oder einem Xylophon, neben dem ich mich als Erwachsene wie ein Zwerg fühle?
Was denken Kinder über Musik, wenn ihnen diese als elektronischer Lärm präsentiert wird?
Welche Vorstellung vom Erlernen eines Musikinstruments bekommen Kinder, wenn ich sie vor Sound Maschinen setze?
Natürlich habe ich Kinder gesehen, die verträumt dem lauschten, was über riesige Kopfhörer erklang und ich habe auch kleine Jungen bemerkt, die begeistert und sehr konzentriert auf elektronischen Schlagzeugen spielten. Und trotzdem wünsche ich mir, dass Kindern Musik auf andere Weise nahe gebracht wird und zwar altersgerecht, überwiegend akustisch, von Menschen liebevoll begleitet und in einem intimen und für Kinder überschaubaren Rahmen.

Music4Kidz? – Für größere Kinder und Jugendliche vielleicht – für kleine Kinder besser nicht.

Kinder auf der Musikmesse
© Leslie Zimmermann

Messe-Resümee

Nachdem ich nun meine Gedanken geordnet habe und mir viele andere Stimmen zugetragen wurden, bleibt als Resümee folgendes: Die Musikmesse hat noch immer ihre Faszination, besonders auch für MusikerInnen. Es ist interessant in Notenneuerscheinungen zu stöbern, aber das riesige Notenangebot, das die Ausstellenden noch vor einigen Jahren auf der Messe präsentierten, gibt es nicht mehr.
Wirkliche alltagstaugliche Neuerungen auf dem Instrumentenmarkt gehören auch der Vergangenheit an.
Die Messegesellschaft versucht nach meiner Meinung seit vielen Jahren, den „Fachbesucherschwund“ durch zusätzliche Anreize für „normale“ Besuchende zu kompensieren. Das geht zu Lasten der Personen, die auf der Messe wirklich arbeiten (Ausstellende, EinkäuferInnen, Presse, sonstige Fachbesuchende).
Enorm hohe Standpreise lassen die Zahl der Aussteller und den Umfang dessen, was ausgestellt wird immer kleiner werden. Kleine, unbekannte und neue Anbieter findet man deshalb kaum.

Was bleibt, ist die Möglichkeit FreundInnen und KollegInnen zu treffen, Gleichgesinnte kennen zu lernen und eventuell doch die eine kleine Anregung zu bekommen, das eine wirklich gute neue Notenbuch zu finden oder am letzten Tag noch ein Schnäppchen zu machen.

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Kommentare

  1. Helga Hölzinger sagt

    Genauso haben wir es auch empfunden! Die Musikmesse hat sich wieder einmal nicht mit Ruhm bekleckert. Dieses Angebot in eine so laute Halle zu integrieren, ich fasse es ja nicht. Für uns kam auch noch eine schreiende Sängerin mit Band, viel zu laut verstärkt, dazu. Einfach nur grauenhaft, was einem da um die Ohren gehauen wird. Und dieses Chaos wird nun schon seit Jahren den Besuchern von Music4Kidz angeboten. Vielleicht ist wäre es an der Zeit, auch hier mal Grundlegendes zu verändern?!

    1. Gabriele Zimmermann sagt

      Hallo Helga,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Dass sich am Messekonzept für Music4Kidz dringend etwas ändern muss, denke ich auch.
      Viele Grüße
      Gabriele

  2. Kerstin Gallenberger sagt

    Vielen Dank für dieses Resümee. Ich war schon der Meinung, nur mir ging es so…. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass es für mich mein erster Besuch überhaupt auf der Messe war – ich ging aber mit vielen guten Erwartungen aus Erzählungen von Kollegen dort hin…. Leider wurde ich maßlos enttäuscht – und sollte sich am Konzept nichts ändern, wird es das letzte Mal gewesen sein, dass ich dort war. In Zeiten des Internets ist es definitiv einfacher, Neuheiten zu bekommen – vieles, was an Neuheiten bei den Noten resp. Fachbüchern in meinem Bereich gezeigt wurde, steht seit Wochen in meinem Arbeitsraum…. Also nichts neues für mich. Music4Kids empfand ich ähnlich – die Halle war schlecht gewählt, man musste erst mal durch das ganze Elektrozeugs durch…. und fand dann…. ja was? Die Beschreibung im Artikel ist äußerst gut getroffen. Für uns war klar – schnell wieder raus….. Leider war Halle 9 und die Portalhalle nicht besser. Ein normales Gespräch war aufgrund der Lautstärke nicht zu führen. Schade…. knapp 9 Stunden im Auto für …. naja – ein bisschen Musikmesse…..

    1. Gabriele Zimmermann sagt

      Liebe Kerstin,
      vielen Dank für deine interessante Analyse als „Messeneuling“.
      Viele Grüße
      Gabriele

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