Äußerlichkeiten – oft unterschätzt und doch wichtiger denn je

Viele Eigenschaften zeichnen eine gute Lehrperson und eine gute Musikschule aus. Über einige haben wir an dieser Stelle schon gesprochen: ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Schülern und deren Eltern, musikalisches und pädagogisches Wissen und Können, den Mut neue Wege zu gehen usw. Wir alle wissen, wie wichtig all diese Dinge sind und geben unser Bestes.
Heute werden wir uns aber mit einem anderen Aspekt beschäftigen, auch wenn dieser von einigen als nicht wirklich wichtig angesehen wird.
In diesem Artikel geht es um „Äußerlichkeiten“.
Was ist mit „Äußerlichkeiten“ gemeint? – Alles was SchülerInnen oder deren Eltern wahrnehmen, was aber nichts mit unserem Wissen und Können als MusiklehrerInnen zu tun hat. Dazu gehören:
– unser persönliches Erscheinungsbild
– das Erscheinungsbild unseres Unterrichtsraumes und/oder der Musikschule
– der Service rund um unseren Unterricht

Sind Äußerlichkeiten wichtig?

Ist es überhaupt wichtig, sich mit diesen Dingen auseinander zu setzen? Reicht es nicht aus, einfach nur guten Unterricht zu machen? Sicher sind die Qualität der Lehrperson und die Qualität des Unterrichts die wichtigsten Kriterien für Eltern oder Erwachsene, die nach Instrumentallehrenden oder einer Musikschule suchen. Wenn ihr euch aber in eurem Umfeld umschaut, werdet ihr erkennen, dass im Einzelhandel oder in anderen Dienstleistungsunternehmen das Ambiente immer wichtiger wird.
Werbefachleute verkaufen heute keine Wahre mehr, sondern Gefühle. Wir betreten ein Geschäft und sind beeindruckt von einer Einrichtung, die ein bestimmtes Lebensgefühl vermittelt. Wir hören die passende Musik, wir nehmen unterschwellig entsprechende Gerüche wahr. Die VerkäuferInnen sind in einer speziellen Art gekleidet und sprechen uns entsprechend an. Es gibt eine Kaffeebar und eine Kinderecke oder Wühltische und riesige Preisschilder. Großformatige Bilder zeigen glückliche Menschen, ansprechende Lebensmittel, unberührte Natur oder Rabattangebote. Wenn wir den Laden mit vollen Tüten verlassen, dann fühlen wir uns bereit für die kommende Wandertour, den Wellnessabend im eigenen Badezimmer oder wir haben einfach nur „super“ Schnäppchen gemacht.
Würde der Einzelhandel so viel Geld in „Äußerlichkeiten“ investieren, wenn diese unwichtig wären? Sicher nicht.
Ich werde euch nun nicht auffordern, eure Musikschule in einen Wellnesstempel zu verwandeln und doch können wir von Einzelhandelskonzernen und anderen Dienstleistern lernen.

Das persönliches Erscheinungsbild

Es gibt MusiklehrerInnen, die zu diesem Thema folgenden Standpunkt vertreten: „Ich bin MusikerIn (KünstlerIn). Mein Äußeres ist Ausdruck meiner Kunst. Ich darf mich kleiden und zurecht machen, wie ich will. Das wird allgemein akzeptiert.“
Falsch! Ein Musiklehrer ist in erster Linie Lehrer und Dienstleister. Sicher erwartet keine Mutter eine/n BankerIn, aber sie sucht eine Lehrperson, der sie ihr Kind anvertrauen kann. Ein nach Alkohol und Zigarette stinkender, zerlumpter „Alt-Punker“ entspricht sicher nicht ihren Vorstellungen.
Es kann also nicht verkehrt sein, sich von Zeit zu Zeit vor den Spiegel zu stellen und folgendes zu überlegen:
– Würde ich dieser Person im Spiegel mein Kind anvertrauen?
– Würde ich mit dieser Person einen Vertrag über eine längere Laufzeit abschließen?
– Lassen Aussehen und Geruch es zu, dass ich dieser Person über 45 Minuten körperlich sehr nahe bin?
– Kann ich aus dem Aussehen schließen, dass die Person beruflich erfolgreich ist?
– Entspricht das Aussehen der Musik, die ich erlernen möchte?
– Bin ich „nur“ InstrumentallehrerIn oder gleichzeitig MusikschulleiterIn?
Sollte es euch schwer fallen, euch in die Rolle eurer Kunden zu versetzen, dann ist es ratsam, dass ihr eine Person sucht, der ihr diese Fragen stellen könnt und die ehrliche Antworten gibt.
Es gibt in unserem Beruf keinen einheitlichen Dresscode.
Aber folgende Faktoren sollten beachtet werden:
In welchem sozialen Umfeld unterrichte ich? – Unterrichte ich im Villenviertel einer Großstadt werden meine Kunden andere Anforderungen an mein Äußeres stellen, als in einer Umgebung mit kinderreichen Familien mit alternativem Lebensstil.
Welches Instrument und/oder welche Art von Musik unterrichte ich? – Wenn ich ein klassisches Orchesterinstrument unterrichte, erwartet man von mir ein anderes Erscheinungsbild, als wenn ich ausschließlich Rockgitarren-Unterricht gebe.
Frühförderung – Eine Lehrerin in der Frühförderung, die mit einem engen Kostüm und Stöckelschuhen erscheint, vermittelt nicht den Eindruck, dass sie einen bewegten, kindgerechten Unterricht geben könnte.

Durch die körperliche Nähe zu unseren SchülerInnen verbieten sich starke Körpergerüche (Schweiß und übermäßiger Parfümgebrauch), eine Alkoholfahne, eine Knoblauchfahne, starker Rauchergeruch, unsaubere Kleidung, ungewaschene Haare und ungepflegte Hände und Fingernägel.

Das Erscheinungsbild unseres Unterrichtsraumes und/oder der Musikschule

Nachdem wir uns selbst im Spielgel betrachtet haben, begeben wir uns nun mit der gleichen distanzierten Haltung in unseren Unterrichtsraum oder die Musikschule. Auch hier kann es hilfreich sein, einen Freund oder eine Freundin um Hilfe zu bitten.
– Ist der Raum sauber?
– Macht er einen aufgeräumten Eindruck?
– Ist er hell und einladend?
– Befinden sich Gegenstände darin, die nichts mit dem Unterricht und/oder den Personen zu tun haben, die sich darin aufhalten?
– Ist die Einrichtung veraltet und/oder kaputt?
– Gibt es Spinnen oder anderes Getier? Gibt es kränkelnde oder abgestorbene Pflanzen?
– Funktionieren die Lampen und alle anderen Geräte im Raum?
Nehmt einen Zettel mit und notiert alles, was euch auffällt und macht ein Zeichen hinter die Dinge, die ihr sofort verändern könnt. Verwelkte Pflanzen tragt ihr sofort in die Mülltonne, genauso, wie das defekte Metronom. Die Weihnachtskeksdose wandert in die Abstellkammer, ausgenommen es ist Dezember.
Alles was ihr nicht sofort erledigen könnt, wird terminiert. Das heißt, ihr legt direkt fest, bis wann ihr die Mängel beheben könnt und was dazu nötig ist.
Am besten ist es, wenn ihr einen solchen Rundgang regelmäßig, mindestens einmal im Jahr macht. Es gibt Menschen, die eine wunderbare Begabung haben, in Räumen eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, ohne viel Geld auszugeben. Sucht nach solchen Menschen in eurem Freundeskreis und bittet sie, eure/er regelmäßige/r BeraterIn zu werden. Vergesst aber nicht, euch für diesen Freundschaftsdienst erkenntlich zu zeigen.

Bei der Überlegung wie ihr eure Räume ausstattet und worauf ihr besonderen Wert legen solltet ist wieder das „Was“ und „Wo“ in Bezug auf euren Unterricht ausschlaggebend. Unterrichtet ihr überwiegend wohlhabende Erwachsene im Klavierunterricht, sind ein gutes Klavier oder ein Flügel wichtig. Habt ihr viele Familien mit Kindern bei euch, ist ein Wartebereich mit Spielzeug wichtiger.

Der Service rund um den Unterricht

Auch wir MusiklehrerInnen befinden uns beruflich in einem Wettbewerb mit anderen Lehrpersonen und Musikschulen. Haben mehrere Musikschulen das gleiche Angebot, nette Unterrichtsräume, ähnliche Preise und qualifizierte Lehrerpersonen entscheiden oft vermeintliche Kleinigkeiten darüber, für welche Schule sich eine Familie entscheidet.
1. Parkmöglichkeiten/öffentliche Verkehrsmittel – Schon bei der Suche nach geeigneten Unterrichtsräumen solltet ihr darauf achten, dass die SchülerInnen es leicht haben zum Unterricht zu kommen. Katastrophale Parkverhältnisse werden sich ganz bestimmt nachteilig auswirken.
2. Wartebereich – Besonders im ländlichen Bereich (in dem minderjährige SchülerInnen von ihren Eltern zum Unterricht gefahren werden müssen) und bei Musikschulen mit einem Angebot an Kursen der Frühförderung ist ein ansprechender Wartebereich ein „Muss“. Bequeme Sitzmöbel und Spielzeug für Geschwisterkinder sowie Bücher und Zeitschriften für die Eltern haben sich sehr bewährt.
3. Kaffee und andere Getränke – Wartende Eltern und erwachsene SchülerInnen, die direkt von der Arbeit zum Unterricht kommen, genießen es sehr, wenn sie die Möglichkeit haben, einen Kaffee oder Tee zu trinken. Ihr müsst die Getränke in einer Musikschule nicht kostenfrei anbieten. Das erwartet niemand. Anders verhält es sich bei Privatunterricht. Hier sollte ein Glas Wasser oder eine Tasse Kaffee zum Service gehören.

Das sind nur einige Service-Ideen. Sicher haben viele von euch noch weitere. Wichtig ist, zu überlegen, was ihr zusätzlich tun könnt, damit es euren Kunden gut geht und sie gerne zu euch kommen und nicht zur Konkurrenz gehen. „Kleinigkeiten“ sind oft Grund für eine Entscheidung. Beobachtet euch einfach selbst.

Fazit

„Äußerlichkeiten“ sind nicht zu unterschätzen. Unser eigenes Erscheinungsbild und das unseres Unterrichtsraumes oder unserer Musikschule muss zu uns, unserem Unterricht und den Erwartungen unserer KundInnen passen.
Fachleute wissen, dass wir unsere Entscheidungen nicht nur nach objektiven Überlegungen treffen, sondern auch nach unseren Gefühlen. Die Frage, ob sich unsere SchülerInnen und deren Eltern in unseren Räumen und in unserer Gegenwart wohl fühlen, ist also nicht zu unterschätzen. Gibt es vor Ort mehrere Konkurrenten mit ähnlichen Angeboten, entscheiden oft Kleinigkeiten. Unterschätzen wir also nie die Macht einer freundlichen Begrüßung in einem angenehm hellen, warmen und dezent duftenden Raum, mit der Aussicht auf eine aromatische Tasse Cappuccino. Wenn dann noch die Qualität des Unterrichts stimmt, werden die SchülerInnen nicht ausbleiben.

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