Für Musiker_innen, Musik- und Intrumentalpädagog_innen, Sänger_innen & Hobbymusiker_innen

Täglich mit Kindern singen

Jedes Kind hat das Recht, singen zu lernen.

Jedes Kind hat das Recht, singen zu lernen. Dieser Aussage stimmen die meisten Menschen zu. Nur wenige Kinder beginnen aber aus sich heraus mit dem Singen. Sie benötigen ein Umfeld, in dem gesungen und musiziert wird.


In erster Linie stehen die Eltern in der Verantwortung, ein solches Umfeld zu erschaffen. Gleich an zweiter Stelle stehen die ErzieherInnen und GrundschullehrerInnen. Denn auch sie gestalten den Alltag der Kinder maßgeblich mit.
Wichtig ist, dass Kinder im Elternhaus, im Kindergarten oder in der Schule nicht nur ab und zu ein Lied singen, sondern dass das Singen Teil des Tages-, Wochen, und Jahresablaufs wird.

„Alle Lieder sind schon da“ – Schon wieder ein Liederbuch?

Mit diesem Ziel hat der Helbling-Verlag im vergangenen Jahr ein neues Kinderliederbuch veröffentlicht. Es trägt den Titel „Alle Lieder sind schon da“.
Ich liebe Kinderliederbücher und leiste mir ein ganzes Regal voller unterschiedlicher Exemplare. Wirklich nützlich für meinen Unterricht sind allerdings nur sehr wenige.
So begann ich etwas skeptisch und mit dem Gedanken „so, so, ein weiteres Kinderliederbuch“, das neue Werk genauer zu betrachten und ich wurde positiv überrascht.
Endlich ein Buch, dessen Ziel es ist, das Singen in den Alltag zu integrieren. Und das Ziel wurde erreicht!
Singen sollte die täglichen Handlungen und Abläufe im Kindergarten oder auch zu Hause begleiten.
So, wie manche Erwachsene ganz natürlich unter der Dusche singen, so kann ich mit den Kindern beim Aufräumen, beim Kochen, beim Gang in den Waschraum und vor den Mahlzeiten singen.

Meine Söhne hatten das Glück, in dieser Beziehung eine sehr vorbildliche Erzieherin zu haben. Das Singen nahm im täglichen Kindergarten-Ablauf einen überaus wichtigen Stellenwert ein. Alle Aktivitäten wurden bei der Erzieherin meiner Kinder nicht durch eine verbale Anweisung sondern durch ein Lied eingeleitet. Die Dame rief auch nicht nach den Kindern im Garten, sondern sie sang ein Lied, das die Kinder aufforderte, wieder in den Gruppenraum zu kommen. – Kinder haben gute Ohren. Das Lied war nicht laut, aber alle Kinder kamen angelaufen, sobald sie die vertraute Melodie vernahmen.

Um den Alltag mit Kindern musikalisch zu gestalten, benötigt man das passende Repertoire. Zu diesem Repertoire verhilft nun das Buch „Alle Lieder sind schon da“.
Mir fällt keine Aktivität im Kindergarten ein, zu der sich hier kein passendes Lied findet – vom Zähneputzen bis zum Tod des Opas, vom Frühling über Weihnachten bis zu Festen nichtchristlicher Religionen. In folgende Themengruppen wurden die Lieder eingeteilt:
– Unser Tag
– Durch das Jahr
– Feste & Feiern
– Natur
– Tiere
– Ich – Du – Wir
– Berufe
– Unterwegs sein
– Geschichten & Quatsch
– Musik & Tanz

Das Buch enthält alte und neue Kinderlieder, wobei die modernen überwiegen. Wer eine Sammlung traditioneller, deutscher Kinderlieder sucht, sollte ein anderes Buch wählen. Auch eine große Anzahl von Liedern aus anderen Kulturen sind vertreten, alle in Originalsprache und zusätzlich mit deutschen, singbaren Übersetzungen.
Zu jedem Titel gibt es eine kleine Spielanleitung, außerdem enthält es Anregungen zum Gebrauch im Kindergarten und in der Familie.
Alle Lieder sind in einer kindgerechten Tonlage (c’ bis d’’) und doch nicht zu hoch, sodass sie auch von Erwachsenen mit wenig Singerfahrung oder tiefer Stimmlage gut gesungen werden können. Es gibt Titel in Dur, Moll und der Pentatonik. Da das c’ der tiefste Ton ist, können die Lieder mit der Blockflöte oder einem Stabinstrumenten  erarbeitet werden. Akkorde über den Noten und eine Gitarrengrifftabelle mit Anleitungen helfen beim Begleiten mit der Gitarre. Mehrere Register erleichtern das Auffinden einzelner Lieder.
190 Titel umfasst das fest gebundene Werk. Es ist bunt bebildert mit den Caruso-Tieren der gleichnamigen Initiative. Der Deutsche Chorverband fördert mit dieser Initiative das Singen in Kindergärten.
Zum Liederbuch gibt es auch eine CD-Box (3 CDs) und ein Handbuch mit ausführlichen Hinweisen zur Gestaltung der Lieder.

Allen Eltern und Großeltern von Kindern im Kindergarten- und frühen Grundschulalter, sowie ErzieherInnen, GrundschullererInnen und LehrerInnen der Frühförderung kann ich „Alle Lieder sind schon da“ nur wärmstens empfehlen.
Mich persönlich hat die intensive Beschäftigung mit diesem Buch angeregt, nach den Osterferien einige neue Lieder im Unterricht der Frühförderung zu erproben.

Alle LIEDER sind schon da

Das Kinderliederbuch der Carusos

Bestellen bei Amazon

Autor(en) Deutscher Chorverband e.V. (Hrsg.)
ISBN 978-3-86227-212-9
Details 256 S., kart. Einband
Verlag Helbling-Verlag
Preis € 24,90

 

 

Kommentare
  1. Claudia Nicolai sagt

    Ich kann mich nur anschließen – richtig schönes Buch! Und die Wirkung des Singens sehe ich jeden Freitag, wenn Kinder und Jugendliche zu mir in die Akademie für Tonkunst kommen. Sie schauen alle kariert aus ihrem Hemd, denn die Schulwoche hat ihnen viel abverlangt. Und dann singen sie ein Stündchen und sehen danach viel besser aus. Je früher das in den Alltag der Kinder integriert wird, desto besser.

    Und ganz am Rande sei auch erwähnt, dass der „Drachentanz“ aus der Trottellumme-CD auch Aufnahme gefunden hat 🙂

    1. Hallo Claudia,
      vielen Dank für deinen Kommentar.
      Wer mehr über die erwähnte CD „Die Trottellumme“ erfahren möchte, kann diesem Link folgen: http://musikdidaktik.net/2016/04/24/singen-zu-lernen-ist-ein-menschenrecht/.
      Viele Grüße
      Gabriele

  2. […] zu unterschiedlichen Preisen und natürlich auch von unterschiedlicher Qualität. Wie im Artikel „Täglich mit Kindern singen“ erwähnt, sammle ich schon seit viele Jahren Kinderlieder-Bücher. In meinem Regal stehen sehr […]

  3. Hallo liebe Gabriele.
    Danke für deinen heutigen Artikel. Er spricht mich deswegen an, weil ich in meinem Lehrbereich genau das versuche. Als musikpädagogische Lehrkraft des Instituts für elementare Musikerziehung geben wir in den Musikgarten Kursen wieder jede Menge Impulse und Ideen für die Eltern daheim.
    Die Kurse starten ab dem Babyalter und sind vom Aufbau und der Struktur den Entwicklungsphasen der Kinder angepasst. Eltern müssen und Kinder dürfen mitmachen. Erarbeitet wird Gesang durch das komplette Jahr, Frei -und Struktur Tänze, Kniereiter, Reime und Rhythmik ( mit Instrumenten und Gordons Rhythmussprache).
    Kinder die diese Kurse vom Babyalter bis zum 5/6 Lebensjahr durchlaufen sind elementar so gut vorbereitet, dass es für sie ein leichtes ist, mit Gesang oder einem Wunschinstrument weiterzumachen. Denn sie müssen nicht stumpf vom Notenblatt lernen, sondern sie fühlen Musik und Rhythmik und haben es somit leichter. Es ist auch für sie einfacher Musik zu interpretieren.
    In Musikgarten Phase 2 wird altersgerecht auch mit Solmisation gearbeitet. Hier lernen die Kinder ganz natürlich Tonabstände kennen. Transponiert wird hier durch alle Tonarten. So bekommen die Kinder auf ganz natürliche Weise ein musikalisches Gehör vermittelt. In den Babygarten und Musikgarten Phase 1 Kursen arbeiten wir in dem Bereich aber auch schon mit melodischen Echos die wir immer auf die gesungen Lieder abstimmen.
    Im Bereich der Rhythmik arbeiten wir mit rhythmischen Echos.
    Ein ganz ganz tolles und didaktisches Konzept was auch Eltern wieder vermittelt, dass singen und musizieren mit Kindern soviel Spaß machen kann.
    Liebe Grüße Angelika

  4. Liebe Gabriele,

    ich stimme dir vollkommen zu: Singen gehört ZUM Alltag der Kinder, Singen gehört IN den Alltag der Kinder integriert UND „Alle Lieder sind schon da“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie das gelingen kann.

    Anhand der thematischen Gliederung kann sich jeder Pädagoge auch seine eigenen Listen anfertigen – z.B. mit den traditionellen Liedern, die er/sie (noch) kennt. Und wer da nicht mehr viel zusammenbekommt, schaut in die „Kinderlieder“ vom Carus-Verlag oder in „Lieder, Spiele, Kanons“ von Andreas Mohr.

    Toll finde ich auch, wenn sich Pädagogen mit nicht-deutschem Familienhintergrund Gedanken machen, ein paar ihrer (!) traditionellen Lieder dafür einzuspannen. Kinder sind extrem aufnahmefähig, wenn man sie nur lässt.

    Viele liebe Grüße,
    Jessica Pawlitzki

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