Wenn der Wind der Veränderung weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen

Innovative Konzepte für den Musikunterricht – heute: MDU® „MultiDimensionaler InstrumentalUnterricht“

Die neue Artikelserie „Innovative Konzepte für den Musikunterricht“ beginnen wir mit einem Interview unseres Kollegen Gerhard Wolters. Herr Wolters ist Leiter der „Akademie für musikpädagogische Innovation“ in Mühledorf in der Schweiz. Im Laufe vieler Jahre hat er ein völlig neues Unterrichtssystem für Musikschulen und EinzellehrerInnen entwickelt.

Am 7. Februar 2016 erschien hier der Artikel „Wohin mit meinen Schülern? – Wenn die Woche doch 10 Tage hätte!“. In diesem habe ich die Problematik erörtert, passende Unterrichtstermine für die Schüler zu finden. Kurz nach der Veröffentlichung des Artikels begann eine rege Diskussion zu diesem Thema. Innerhalb dieser schrieb Herr Gerhard Wolters folgenden Kommentar:

Gerhard Wolters sagt:
In der Schweiz (ähnlich viel Nachmittagsunterricht) haben wir einen Monat lang 100 Kindern die Möglichkeit gegeben, von Mo bis Fr von 12 bis 20 Uhr so oft und so lange zur Musikschule zu kommen wie sie wollen. Unsere Excel-Auswertung ergab eine durchschnittliche Anwesenheitszeit von knapp 2 Std. pro Woche, Spitzenreiter bis zu 10 Std. 
Voraussetzung: Diese Schüler waren es gewohnt, einen Großteil der Unterrichtszeit durch selbstständiges Üben und von- und miteinander Lernen zu nutzen.
 Die beteiligten Lehrpersonen hatten einen mehrjährigen berufsbegleitenden Ausbildungsprozess zu Schülerorientiertem Unterricht absolviert. 
Mehr Infos in einem 3-minütigem Video auf Youtube, einfach nach „Unser GA für die Musikschule“ suchen… 
Kopf hoch, noch ist die Idee der Musikschule nicht gestorben. Wir planen bis 2020 die erste „Tagesmusikschule“ zu gründen…

Dieser Kommentar und das Youtube-Video weckten sofort mein Interesse und das einiger KollegInnen und so bat ich Herrn Wolters um ein Interview.

Gabriele: Herr Wolters, in Ihrem Kommentar (und im Video) berichten Sie von einer Musikschule. Leiten sie diese Musikschule?

Gerhard Wolters: Nein, das tue ich nicht. Diese Musikschule erprobt ein Konzept, das ich entwickelt habe.

Gabriele: Sprechen wir also über ihr Konzept. In dieser Musikschule gehen 100 Kinder freiwillig knapp 2 bis 10 Zeitstunden in der Woche zum Unterricht, das ist viel!

Gerhard Wolters: Ja, die höheren Präsenzzeiten sind allerdings nur eine von vielen Verbesserungen, die wir tagtäglich in der Praxis erfahren; auch ändert sich die Übe-Problematik vieler Schüler zum Besseren, die Stundenpläne sind viel einfacher zu machen und es gibt weniger Abmeldungen.

Gabriele: Also ein musikalisches Schlaraffenland?

Gerhard Wolters: Naja, nach einem gewissen Prozess durchaus! Aber hier ist auch die Kehrseite: Das Ganze fällt mir als Musikpädagoge nicht einfach so in den Schoss, sondern beinhaltet einen begleiteten Lern- und Reflektionsprozess über viele Jahre. Dass man die Erfolge am Instrument erst nach jahrelangem Üben und qualifiziertem Unterricht sieht, ist jedem Musiker klar. Aber die Lösung von Problemen wie Zeitbudget, Übebereitschaft, Abmeldungen etc. sollte möglichst ruck-zuck mit ein paar kleineren Veränderungen passieren. Das geht aber nicht.

Gabriele: Wie kamen Sie auf die Idee, ein Konzept für MusiklehrerInnen und Musikschulen zu entwerfen, das stark vom „normalen“ Unterrichtsalltag abweicht?

Gerhard Wolters: Nach vielen Jahren Lehrtätigkeit hatte ich im Jahr 1995 die Nase voll von der immer wiederkehrenden Unterrichtsroutine. So beschloss ich, neue Wege zu gehen und entwickelte entsprechende Strategien und setzte diese bis 2004 selbst in meinem Unterricht um. So entstand ein ganzes Konzept mit dem Namen MDU®, in dem ich seit 2009 auch interessierte KollegInnen ausbilde.

Gabriele: Hat sich Ihr Konzept im Laufe der Jahre weiterentwickelt?

Gerhard Wolters: Ja, inzwischen sind aus meiner Ursprungsidee so viele Variationen entstanden, dass ich mich wie die Mitte einer Sanduhr fühle: vielfältige Ideen kreativer Kollegen wahrnehmend und passend an weitere KollegInnen weitergebend…

Gabriele: Was bedeutet MDU® und was ist die Grundlage Ihres Konzepts?

Gerhard Wolters: MDU® bedeutet „MultiDimensionaler InstrumentalUnterricht“. Drei Grundthemen bilden das Fundament:
1. Flexible und einfachere Organisation des Unterrichts
2. Schülerorientierung als pädagogische Grundhaltung
3. Philosophie der Lehrerrolle als Begleiter des Lernenden
Das gesamte Konzept besteht aus einem kompletten Paradigmenwechsel im Verständnis von Instrumental-Unterricht und der damit verbundenen Lehrerrolle.
Bedenken Sie doch einmal: Kinder kommen zu uns, mit dem großen Wunsch ein Instrument zu erlernen, um dann gleich in der ersten Unterrichtsstunde nach wenigen Minuten feststellen zu müssen, dass es von nun an jemand anderes ist, der bestimmt, wie wir zu lernen haben?
Darum lautet unser zentraler Satz auch: „Ich möchte gar nicht mehr, dass mein Schüler etwas lernt; ich möchte ihn nur noch darin unterstützten, etwas lernen zu wollen!“

Gabriele: Wie reagieren MusiklehrerInnen auf diesen Satz?

Gerhard Wolters: Während die meisten Musikpädagogen beim zweiten Teil des Satzes eifrig nicken können, scheint das beim ersten Teil kaum möglich zu sein. Aber schon die Nicht-Existenz eines Imperativs für das Wort „Wollen“ müsste bereits eindeutig klar machen, dass der Schüler kaum eine Chance hat, etwas zu wollen, wenn dies schon ein anderer möchte.

Gabriele: Was bedeutet die Aussage „ich möchte gar nicht mehr, dass mein Schüler etwas lernt…“?

Gerhard Wolters: Da geht es um so etwas wie „loslassen können“. Das ist nicht leicht (Eltern, Schulleitung, eigener Anspruch), ist aber m.E. der einzige Weg. Oder in sehr einfachen Worten in Richtung Schüler formuliert: „Ich kann schon lange Klavier spielen. Toll, dass auch du es lernen möchtest! Und ich bin gerne bereit, dich auf deinem Weg zu begleiten und dir beim Lernen zu helfen. Spielen musst du allerdings selbst…!“

Gabriele: Wenn ein Lehrer nun bereit ist, diesen Paradigmenwechsel vorzunehmen, was passiert dann?

Gerhard Wolters: Wir begleiten ihn bei einem mehrere Jahre andauernden Veränderungsprozess.

Gabriele: Bitte beschreiben Sie diesen.

Gerhard Wolters: Die erste Phase ist die „Schnupperphase“ für interessierte Lehrpersonen: Verlängerung des Unterrichts mehrerer Schüler um ca. 10 Minuten (kostenlos). In dieser zusätzlichen Zeit lernen die Schüler sich kurzfristige, exemplarische Ziele zu setzen, die sie in den wenigen Minuten erreichen können, in denen ihre Lehrperson nicht im Unterrichtsraum anwesend ist.

Gabriele: Sind dazu alle interessierten Lehrpersonen bereit?

Gerhard Wolters: Nein, hier scheitern (leider) schon einige Kollegen, die weiterhin „Aufgaben“ geben, statt den Schülern zu helfen, sich selbstständig Ziele zu setzen.

Gabriele: Wie geht es weiter?

Gerhard Wolters: Während dieser Zeit suchen wir gemeinsam nach Möglichkeiten, benachbarte Räume nutzen zu können. Dann erhalten zwei Schüler die doppelte Lernzeit (ohne dafür mehr zu bezahlen).

Gabriele: Was passiert in der zweiten Phase?

Gerhard Wolters: Das zweite Ausbildungs-Modul ist „Alters- und niveaugemischte Interaktion“.
Wenn zwei Interaktions-Paare Gefallen (4 Schüler) am gemeinsamen Lernen gefunden haben, erweitert die Lehrperson allmählich auf gemeinsame 120 Minuten.

Gabriele: Damit sich harmonische Lerngemeinschaften finden können, müssen sich die SchülerInnen doch kennen. Wie sorgt die Lehrperson für dieses Kennenlernen?

Gerhard Wolters: Damit sich die gesamte „Klasse“ einer Lehrperson kennen lernen kann, werden Chaos-Samstage sowie Chaos-Wochen durchgeführt.
Kennen sich nun die meisten Schüler einer „Klasse“, kann der erste „Flex-Stundenplan“ von den Eltern und Schülern erstellt werden. Es gibt einen Einheitspreis, bei dem eine Mindestanwesenheitszeit und eine Höchstzahl an parallel anwesenden Schülern gelten.

Gabriele: Kommen wir nun zur dritten Phase. Was geschieht in dieser?

Gerhard Wolters: Das dritte Ausbildungsmodul beinhaltet das „fächerübergreifende Team-Teaching“. Wer also als Instrumental-Lehrperson nicht mehr „alleinerziehend“ sein möchte, kann sich mit weiteren ausgebildeten Kollegen zusammentun. An solch einem Punkt entsteht das von mir beschriebene „GA für unsere Musikschule“ („GA“ für alle Nicht-Schweizer: Ein hier gebräuchlicher Ausdruck für das sog. „Generalabonnement“ der Schweizer Bundesbahn, also quasi einer Jahreskarte). Interessant ist die Beobachtung, dass die meisten Schüler je nach Bedürfnis zu verschiedenen Lehrpersonen gehen (div. Kompetenzen, Geschlecht, Unterrichtsstil, Instrument). Wichtig ist einzig, dass der Hauptfachlehrer in der Nähe sein muss (allerdings beziehen sich lediglich gefühlte 10-20% der Anfragen von Schülern auf instrumentenspezifische Probleme).

Gabriele: Was sind Ihre Pläne für die Zukunft mit Ihrem Konzept?

Gerhard Wolters: Es müssen weitere Lehrpersonen in diesem Konzept ausgebildet werden, sodass genügend qualifiziertes Personal für mein Projekt  „Offenes Haus der Musik“ hier in der Schweiz zur Verfügung steht. Wir wollen in diesem die gesamte Woche über ausgiebige Öffnungszeiten anbieten. Das geht nur in enger Zusammenarbeit mit der Volksschule (z.B. Mittagstisch, Raum- und Zeitplanung).
Außerdem soll es im Jahre 2020 unter einem gemeinsamen Dach
  – eine „Musikschule nach Minuten“ (= traditionell) und
  – eine „Tagesmusikschule MDU®“ geben.

Gabriele: Für wen ist ihr Konzept geeignet?

Gerhard Wolters: Durch die individuelle Betreuung und meine Erfahrungen an kleinen/großen, zentralen/dezentralen, ländlichen/städtischen Musikschulen ist das Konzept individuell anpassbar. Es hat noch nie nicht funktioniert – soweit „guter Wille“ vorhanden war.

Gabriele: Wie viele Musikschulen arbeiten schon danach und wie ist die Resonanz und Akzeptanz?

Gerhard Wolters: Vielleicht verwundert Sie meine Antwort, aber ich würde zum heutigen Zeitpunkt eine Ausbildungsanfrage ablehnen, wenn eine ganze Musikschule „danach arbeiten“ möchte. Das geht nicht, denn es ist ein geduldiger Prozess des Wachsens. Selbst in Dübendorf (bei Zürich), wo dieses Konzept sehr favorisiert wird, soll es ein friedliches Nebeneinander von „traditionellem“ und bewusst schülerorientiertem Unterricht geben.
In Berlin, der Steiermark und an mehreren Musikschulen in der Schweiz gibt es Teams, die nach diesen Unterrichtsprinzipien arbeiten. Die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer der MDU®-Ausbildung sind jedoch Einzelteilnehmer. Da wir inzwischen in das 3. Modul ein „niveaugemischtes Team-Teaching“ eingeführt haben, erhalten diese Einzelteilnehmer das KnowHow, quasi als „Paten“ mit neu interessierten Lehrpersonen zusammen zu arbeiten. Wir sind auf dem Weg…

Gabriele: Wie reagieren die Eltern und die SchülerInnen darauf?

Gerhard Wolters: Bei Eltern ist die Resonanz positiv, wenn sie regelmäßig und qualifiziert informiert werden. Bei den meisten Schülern stoßen diese neuen Unterrichtsprinzipien auf ein sehr positives Echo; einige Schüler, die besonders lang in der traditionellen Lehrerrolle unterrichtet worden sind, haben Mühe, eigene Entscheidungen zu treffen und lassen sich weiterhin lieber sagen, was sie wie zu lernen haben. Kommen aber neue Kinder in diese alters- und niveaugemischte Lernatmosphäre, ist es für sie „das Normalste der Welt“. Selbst 6-jährige Schüler sind von Anfang an bis zu zwei Stunden anwesend und finden es absolut selbstverständlich, nicht nur von ihren Lehrern, sondern auch von den „älteren Geschwistern“ zu lernen.

Gabriele: Was sagen die MusiklehrerInnen und andere „Fachleute“ zu Ihrem Konzept?

Gerhard Wolters: Die Akzeptanz in Fachkreisen ist ein Hauptproblem:
•    Es braucht schon eine hohe Eigenmotivation, sich auf solch einen Prozess zu einzulassen. Daher befindet sich der Großteil derjenigen, die mit dieser Ausbildung beginnen, im Alter von +/- 45 Jahren.
•    Es fehlt vielfach der Mut, Neues zu wagen. Lamentieren geht da viel einfacher. Und es ist doch sooooo viel leichter die „Schuld“ bei Eltern, Schülern, Politikern, der Gesellschaft usw. zu suchen – statt auch mal zu fragen: „Was kann ich selbst verändern?“
•    Das Bewusstsein, dass solch ein Paradigmenwechsel eine qualifizierte Betreuung braucht, ist in unserem Berufsstand nicht gerade weit verbreitet. Ein halber, vielleicht ein ganzer Tag Weiterbildung soll reichen, das Erlernte sogleich professionell umzusetzen. Was kein ernstzunehmender Musiker einem Schüler zugestehen würde, scheint leider für die pädagogische Arbeit selbstverständlich zu sein. 15 Jahre habe ich die Ideen in Seminaren vorgestellt, aber autodidaktisch haben es nur wenige Lehrpersonen und auch nur in einigen wenigen Schritten umgesetzt. Seitdem die Ausbildung besteht, kann man sich an vielen Stellen vom „Ist“ überzeugen.
•    Last, but not least: Immer wieder begegnet uns die Aussage: „Ja, das kenne ich und mache es so ähnlich auch!“. Wenn es sich bei näherer Betrachtung nicht stets als Ein-Bildung herausstellen würde, wäre ich sicher der erste, der sich über solch eine Kompetenz freuen würde!

Gabriele: Herr Wolters, ich danke Ihnen für dieses ausführliche Interview.

 

Weitere Informationen:

Akademie für musikpädagogische Innovation
Gerhard Wolters – Müliacher 86 – CH-3116 Mühledorf BE
www.mdu.chinfo@mdu.ch – 0041 78 89 234 68

 


Gerhard Wolters
© Gerhard Wolters

Herr Wolters, Jahrgang 1963 und Vater einer Tochter, ist studierter Musiker und Musikpädagoge. Er leitete Musikschulen in Deutschland und der Schweiz und ist als Komponist und Autor tätig. Außerdem gibt er Fach-Seminare zu den Themen „Üben“, „Musikalische Spiele“ und „Flexibler Instrumentalunterricht“ und ist Leiter der „Akademie für musikpädagogische Innovation“ in Mühledorf in der Schweiz.

 

 

 

 


 

 

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Kommentare

  1. Kirsten Davids sagt

    „Ich möchte gar nicht mehr, dass mein Schüler etwas lernt; ich möchte ihn nur noch darin unterstützten, etwas lernen zu wollen!“

    Dem kann ich nur zustimmen!

  2. Anna P. sagt

    Sehr interessante Ansicht, allerdings bin ich mir nicht sicher ob das wirklich so funktioniert. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass es nicht so einfach ist seine Schüler zum Üben zu bewegen und den Schülern einfach mehr Freiheit geben und plötzlich übern sie von selbst? Braucht es mich dann überhaupt noch?

    1. Gabriele Zimmermann sagt

      Liebe Anna,
      ich danke dir für deinen Kommentar.
      Ich glaube, dass es für jeden Lehrer die größte Herausforderung ist, die Motivation der Schüler aufrecht zu erhalten. Wir konnten in diesem Interview nur eine grobe Zusammenfassung des Konzepts geben. Deine Fragen kannst du gerne auch an Herrn Wolters direkt stellen (per Mail), er wird dir bestimmt antworten.
      Viele Grüße
      Gabriele

    2. Gerhard Wolters sagt

      Liebe Anna,

      über Deinen Kommentar habe ich mich sehr gefreut, da Du mit ihm ganz genau ins Zentrum des Ganzen triffst! Du schreibst:
      „…dass es nicht so einfach ist, seine Schüler zum Üben zu bewegen…“

      Und genau darum geht es ja: „Ich möchte gar nicht mehr, dass meine Schüler üben; ich möchte sie dabei unterstützen, üben zu WOLLEN…!“ Im Interview kannst Du davon lesen, dass der 1. Teil des Satzes der deutlich schwerere Teil ist…

      Genau dieses „Loslassen“ braucht ja einen langen Prozess, raus aus der „alten“ Lehrerrolle hin zum Begleiter des Schülers.

      Es ist damit sicher nicht automatisch garantiert, dass ein Schüler mehr übt. Aber wenn er übt, wird er es mit einer größeren Überzeugung und deutlich verbesserten Resultaten tun.

      Im Konzept des MDU® gibt es mehrere Möglichkeiten, den Schüler selbstständig über sein (Nicht-)Üben entscheiden zu lassen. Eine möchte ich Dir hier und heute gerne verraten:

      Durch die (mindestens) 10 Minuten Übe-Zeit während des Unterrichts (siehe Interview) können wir dem Schüler folgende Frage stellen:

      Möchtest Du (z.B. diese schwere Stelle)…
      1. JETZT üben?
      2. DAHEIM üben?
      3. oder ist das die schwere Stelle, über die Du zu Beginn der nächsten Stunde sagen möchtest: „Tschuldigung, bin nicht zum Üben gekommen!“?

      Automatische Konsequenzen:
      1. Der Schüler packt ein „Übe-Päckli“ (lernt man in der MDU®-Ausbildung)
      2. Er formuliert seinen „Übe-Wunschzettel“ (lernt man ebenfalls)
      3. Die nächste Lektion beginnt mit seinem Üben.

      Falls es Dich interessiert, kann ich gerne über die praktischen Erfahrungen der Teilnehmenden der MDU®-Ausbildung mit diesem „Drei-Satz“ berichten.

      Übrigens noch zu Deinem letzten Satz „Braucht es mich dann überhaupt noch?“:
      In der Tat braucht es Dich nicht mehr als „externer Übe-Motivator“. Du erhälst deutlich mehr Zeit für die eigentlichen künstlerisch-musikalischen Inhalte des Unterrichts. Teilnehmende der MDU®-Ausbildung berichten von deutlich entspannterer Unterrichtsatmosphäre und von einer „Frische“ am Abend nach dem Unterricht, die sie schon längst verloren geglaubt haben…

      Falls Interesse, gerne mehr…

  3. Kirsten Davids sagt

    Hallo,

    ich habe eine Frage an HerrWolters und eine Frage an Gabriele.

    An Herr Wolters: Arbeiten Sie mit Hausaufgabenheften? Oder wie arbeiten SIe ein Lernwunschzettel aus?

    An Gabriele: Schreibst du noch etwas über Musikprogramme mit jüngeren Kindern?

    Vielen Dank
    Kirsten

    1. Gabriele Zimmermann sagt

      Hallo Kirsten,
      geplant sind bisher drei Unterrichtsprogramme der Frühförderung vorzustellen, außerdem auch allgemeine Artikel zur Unterrichtspraxis der Frühförderung. Wenn du spezielle Wünsche oder Vorschläge hast, schreib mir unter gabriele@musikdidaktik.net.
      Viele Grüße
      Gabriele

      1. Kirsten Davids sagt

        Hallo Gabriele,
        vielen Dank für deine Antwort.
        Ich freue mich sehr auf die Artikel.

        Viele Grüße
        Kirsten

    2. Gerhard Wolters sagt

      Hallo Kirsten (das „Du“ ist ok im Blog?!),

      zentraler Bestandteil des Unterrichts nach MDU® sind VEREINBARUNGEN mit dem Schüler.

      Diese Vereinbarungen notieren sich einige Schüler während des selbstständigen Übens im Unterricht, andere nicht. Hierzu gibt es Vorlagen, auf denen sich Schüler notieren können, welche Thematik sie wie mit welchem Ziel üben wollen.
      Die meisten dieser Vereinbarungen werden im Unterricht exemplarisch geübt.
      Auf diesen „Wunschzetteln“ können solche Vereinbarungen notiert werden (z.B. während des Unterrichts max. 2 Vorzeichen bei Tempo 60 vergessen, daheim dann fehlerlos mit Tempo 80).

      Wichtig ist aber, dass es der Wunschzettel des Schülers ist. Er hat auch die Freiheit, „NIX“ drauf zu schreiben. Das trauen sich die wenigsten. Aber wenn sie sich trauen, gehe ich davon aus, dass sie auch sonst nicht geübt hätten.

      Lustig wird es dann manchmal, wenn man die Schüler wörtlich nimmt: „OK, Du willst „nix“ üben, dann lass doch Dein Instrument und Deine Noten hier im Schrank des Unterrichtsraums, denn dann kannst Du sie beim nächsten Mal garantiert nicht vergessen!“ Manchmal BITTEN einige Schüler bei solch einem „Wörtlich-Nehmen“, dass sie ihr Instrument DOCH mitnehmen dürfen, wenn sie zusagen, doch zu üben. Ausführlicher in der Broschüre „Üben ist cool…!“

      Bitte lese zu Deiner Frage auch den „Drei-Satz“, über den ich weiter oben in einer Antwort geschrieben habe.

      Solltest Du persönliche Fragen haben, kannst Du mir auch direkt auf akademie@mdu.ch schreiben.

      Herzliche Grüsse aus der Schweiz
      Gerhard

      1. Kirsten Davids sagt

        Hallo Gerhard,

        vielen Dank für die Antwort, wirklich sehr spannend!

        Viele Grüße
        Kirsten

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