Für Musiker_innen, Musik- und Intrumentalpädagog_innen, Sänger_innen & Hobbymusiker_innen

Hilfe, meine Schüler kommen krank zum Unterricht!

In der kalten Jahreszeit kommen häufig kranke Schüler in den Unterricht. Wie verhalte ich mich, welche Rechte und Pflichten habe ich und wie kann ich mich vor Ansteckung schützen.

Wir alle kennen das Problem, kaum sind die Sommerferien vorbei und der Herbst kündigt sich an, sind wir umgeben von hustenden und schniefenden Menschen.

Diese Tatsache an sich ist noch nichts Außergewöhnliches. Doch ich, als Musiklehrerin, habe damit meine ganz eigenen Probleme und vielleicht kennt ihr die auch.

  • Ich habe täglich mit sehr vielen Menschen zu tun und bin ihnen körperlich sehr nah.
  • Ich arbeite in geschlossenen Räumen.
  • Meine Schüler sind größten Teils noch sehr klein, sie husten und niesen mich an, ich muss ihnen die Nase putzen und sie auf den Arm nehmen und trösten, wenn sie Kummer haben.
  • Mein Unterricht kostet Geld und deshalb kommen viele Schüler zu mir (oder werden gebracht), obwohl sie aus gesundheitlichen Gründen nicht in den Kindergarten oder die Schule gehen.

Und vor allem:

  • Ich bin eine freiberuflich Tätige und kann es mir nicht leisten, mich anzustecken und krank zu werden, denn ich verdiene dann kein Geld.

Außerdem habe ich das Gefühl, dass diese Krankheitswellen sich mittlerweile über 7 Monate erstrecken. Aber das ist -zugegeben- mein ganz persönlicher Eindruck.
So stellt sich zunächst die Frage:

Darf ich kranke Schüler wieder nach Hause schicken?

Diese Frag ist nicht eindeutig zu beantworten.
Sicher kann ich mich weigern, einen Schüler zu unterrichten, der meine persönliche Gesundheit bedroht. Doch wie soll ich diese Bedrohung in kurzer Zeit nachweisen, ich bin kein Arzt.
Wenn ich den Schüler nach Hause schicke, muss er dann seinen Unterricht bezahlen?
Auch darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Zunächst bin ich verpflichtet, meinen Unterricht abzuhalten, so wie es im jeweiligen Unterrichtsvertrag vereinbart ist. Eine Gesundheitsklausel gibt es in meinen Unterrichtsverträgen nicht.
Nach meinen Recherchen gibt es keine Gerichtsurteile, die sich mit diesem Problem befassen und da es sich bei unseren Unterrichtsgebühren juristisch um Bagatell-Beträge handelt, wird sich wohl auch kein Gericht darum kümmern.

Wie verhalte ich mich am geschicktesten?

Da es keine rechtlich, verbindlichen Regeln für den Umgang mit kranken Schülern gibt, hier einige Tipps, die sich in der Praxis bewehrt haben.

  1. Stell dich darauf ein, dass du in den Übergangszeiten und im Winter mit vielen kranken oder kränklichen Menschen zu tun hast. Wie das funktioniert, dazu gleich mehr.
  2. Wird ein Kind mit Fieber oder anderen Symptomen für eine schwerere Erkrankung zum Unterricht gebracht, sprecht die Eltern freundlich aber bestimmt darauf an und bittet sie, zum Wohle des Kindes und aller anderen Kinder, wieder nach Hause zu gehen. Kommt ein älterer Schüler allein fiebrig oder schwerer krank zum Unterricht, schickt ihn nach Hause und benachrichtigt die Eltern.
  3. Bestehen Eltern in einem solchen Fall auf Erstattung der Unterrichtsgebühr, bietet einen Ersatztermin an. Nach meiner Erfahrung kommt das aber selten vor, wenn das Kind wirklich krank ist.
  4. Sprecht bei Elternabenden oder Informationsgesprächen dieses Thema schon im Vorhinein an und bittet um verantwortungsvolles Verhalten zum Wohle aller Schüler. Denn das betroffene Kind kann schon in der folgenden Woche selbst „Ansteckungsopfer“ werden.

Wie kann ich mich in Krankheitszeiten effektiv schützen?

Nachdem wir nun alle fiebrigen, sich übergebenden, mit Pusteln übersäten und sonstigen schwer kranken Schüler nach Hause geschickt haben, bleiben noch die anderen. Nämlich die, mit den Hustenanfällen in allen Schattierungen, die Schniefenden und Rotäugigen oder die, die den Magen-Darm-Virus schon fast überstanden haben.

Hier hilft nur ein SELBSTSCHUTZPROGRAMM.

◆ Luftfeuchtigkeit
Amerikanische Wissenschaftler haben festgestellt, dass in Räumen, mit einer Luftfeuchtigkeit von über 42%, Vieren schnell inaktiv werden. Schon nach einer Stunde sind nur noch 20% der Viren infektiös.
Deshalb sorgt für ausreichende Luftfeuchtigkeit in euren Unterrichtsräumen. Stellt Gefäße mit Wasser auf die Heizkörper und macht es euch zur Gewohnheit nach jeder Stunde ausgiebig zu lüften. Stellt euch jedes Mal vor das offene Fenster und atmet einige Male tief ein und aus.
◆ Hände waschen
Eine gute Handhygiene ist, aus wissenschaftlicher Sicht, das wirksamste Mittel gegen die Übertragung von Infektionen. Auf unseren Händen lauern die Krankheitserreger.
Deshalb… Vermeidet es, mit euren Händen euer Gesicht zu berühren, denn dort gelangen die Krankheitserreger in die Schleimhäute (Augen, Nase, Mund). Wascht euch regelmäßig die Hände, besonders aber nach der Toilette und bevor ihr euer Pausenbrot auspackt. Die Hände sollten beim Waschen 20 bis 30 Sekunden mit Seife bearbeitet werden, bitte keinen Bereich auslassen. Danach spült ihr sie gründlich ab und trocknet sie ausgiebig. Solltet ihr an einer Musikschule arbeiten, die mit Frotteehandtüchern ausgestattet ist, bringt ihr besser euer eigenes Handtuch mit und bewahrt dieses im Unterrichtsraum auf.
◆ Richtig Husten und Abstand halten
Schütz andere und gebt entsprechendes Verhalten an eure Schülern weiter.
Deshalb… Die Hände beim Husten vor den Mund zu halten, ist zwar höflich aber aus hygienischer Sicht bedenklich. Hustet in den Ärmel, z.B. in der Armbeuge, so bleibe eure Hände „sauber“. Gebt dieses Verhalten spielerisch (z.B. als Geheimzeichen eurer Früherziehungsgruppe) an eure Schüler weiter. Wendet euch ab, wenn ihr euch die Nase putzt oder husten müsst und wendet euch auch ab, wenn eure Schüler husten oder sich schnäuzen. Erinnert die Schüler daran sich abzuwenden, denkt daran, ihr seid auch Erzieher. Verwendet ausschließlich Einmal-Taschentücher und entsorgt eure und die eurer Schüler in einer Plastiktüte, die ihr gut verschließen könnt, z.B. mit Tiefkühlklipps.
◆ Stärkt euer Abwehrsystem
Achtet auf eure Gesundheit und stärkt euer Abwehrsystem.
Hier die altbewährten Tipps zur Erinnerung:
– Versorgt euren Körper ausreichend mit Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweißen. Gerade im Winter ist eine gesunde Ernährung für Freiberufler ein MUSS.
– Bewegt euch viel an der frischen Luft.
– Sauna, Fußbäder und Wechselduschen sind bewehrte Helfer.
– Trinkt viel, auch während eures Unterrichts; am besten stilles Wasser und Kräutertee (Ingwer, Holunder, Lindenblüten).
– Treibt Sport.
◆ Schal und Mütze
Für alle von euch, die, wie ich, auch viel singen müssen im Unterricht, noch ein paar Tipps, von professionellen Sängern.
– Haltet Hals und Nacken durch Tücher und Rollkragen warm, auch in Räumen.
– Tragt bei Kälte immer eine Mütze.
– Meidet in eurer Freizeit Menschenansammlungen.
◆ Desinfektionsmittel
Der Einsatz von Desinfektionsmitteln im Alltag ist sehr umstritten. Die einen sagen, nur Ärzte und Krankenhauspersonal sollten ihre Hände desinfizieren, andere tragen Desinfektionsmittel immer bei sich und bearbeiten zusätzlich regelmäßig ihren Haushalt damit.
Bei meiner Recherche bin ich auf eine Studie der Universität Greifswald aus dem Jahr 2010 gestoßen. Diese besagt, dass Behördenmitarbeiter, die regelmäßig und gezielt Hände-Desinfektionsmittel benutzten, deutlich seltener unter Durchfall, Husten, Fieber und Erkältungen litten, als Kollegen, die ihre Hände nur mit Seife wuschen.
Deshalb…Entscheidet selbst, wie ihr verfahren wollt. Ich persönlich habe im Winter ein kleines Fläschchen Hände-Desinfektionsmittel in meinem Unterrichtsraum und benutze es auch, da ich nicht ständig auf die Toilette laufen kann, um meine Hände regelmäßig zu waschen. Ich kenne auch Klavierlehrerinnen, die nach dem Unterricht mit erkälteten Schülern die Tastatur ihres Klaviers mit Desinfektionsmittel abreiben. Wichtig ist, dass ihr den für euch stimmigen Weg geht und auch mal Neues ausprobiert.

Fazit

Wir werden in unserem Beruf „alle Jahre wieder“ mit vielen kränklichen und kranken Menschen zusammentreffen. Verhindern können wir das nur bedingt. Einen ernsthaft kranken Schüler wieder nach Hause zu schicken, ist ganz bestimmt zum Wohle des Schülers selbst und aller anderen Personen in seiner Umgebung.
Viele wichtiger ist es, uns selbst zu schützen, dazu gehört, unser Immunsystem zu stärken und uns und unsere Umgebung regelmäßig von Krankheitserregern zu befreien.
Ich wünsche euch viel Erfolg mit den beschriebenen Maßnahmen und vor allem:
Bleibt gesund!

Wenn ihr weitere Anregungen und Erfahrungen habt oder noch Fragen offen sind, dann schreibt mir.

Zum Weiterlesen:
– musikschule intern Ausgabe 1/2013
– gesundheitsstadt-berlin.de
infektionsschutz.de
wir-gegen-viren.de

Kommentare
  1. Peter sagt

    Super, vielen Dank für die Tipps.
    Ich hoffe ich überstehe die nächsten Monate ohne Krankheiten.

    Gruß
    Peter

    1. Hallo Peter,
      danke für deine Nachricht. Ich drücke dir die Daumen und berichte uns doch, ob dir die Tipps etwas gebracht haben.

      Viele Grüße
      Gabriele

  2. Berthold sagt

    Liebe Gabriele,

    Danke für deine Tips. Ich hoffe ich komme damit gut über den Winter.
    Ich werde bei gegebener Zeit berichten und nehme eine deiner Anregungen gleich mal an und gehe eine Runde spazieren.

    Dir und allen Musiklehrerin wünsche ich eine stabile Gesundheit.
    Kommt gut über den Winter.

    Viele Grüße

    Berthold

    1. Hallo Berthold,
      ich wünsche dir einen angenehmen Spaziergang.
      Berichte uns doch, ob die Tips dich gut über den Winter gebracht haben.
      Viele Grüße
      Gabriele

  3. Katja Krüger sagt

    …ist für Doppelrohrbläserunterricht noch zu toppen, indem der kranke Schüler ( am besten noch mit blühendem Herpes) mir sein triefendes Rohr hinhält und „geht gar nicht, kannst du mal probieren?“ sagt….

    …Äh, nee?

    1. Hallo Katja,
      ich sehe, du weißt wovon ich schreibe.
      Musste über deinen Kommentar so lachen aber so ist es!
      Viel Spaß im Unterricht und
      viele Grüße
      Gabriele

  4. Cornelia Scheffler sagt

    Das vorher gesagte von Gabriele kann ich voll und ganz bestätigen. Ich habe an meiner privaten Musikschule viele Kinder von 0 bis 7 Jahren und deren Eltern.
    Vor 2 Jahren habe ich ein ähnliches Gesundheitsprogramm mir auferlegt und es klappt. Seitdem komme ich immer gesund über diese Zeit ????
    Am wichtigsten sind bei mir :
    Vitamine und Mineralien hochdosiert
    Hygiene
    Sauna (mind 1x pro Woche )
    Rollkragenpullover oder Schal (immer )
    Holunderpunsch o.ä.
    Wenig ☕und Milch (verschleimt )
    Sängergeröl aus ätherischen Ölen
    Viel trinken
    Herzliche Grüße und gute Gesundheit

    1. Hallo Cornelia,
      vielen Dank, dass du uns von deinem Gesundheitsprogramm berichtest.
      Ätherische Öle finde ich auch sehr sinnvoll. Mit Thymianöl kann man seine Schleimhäute regelmäßig desinfizieren.
      Bestimmt ist er auch in deinem Sängeröl.
      Viele Grüße
      Gabriele

  5. Hallo Carla,
    danke für deinen Kommentar. Einen leckeren Obstsalat über den gesamten Unterrichtstag zu verteilen, ist eine gute Idee. Ich werde mir morgen gleich einen mit in den Unterricht nehmen.
    Viele Grüße
    Gabriele

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