Über Geld spricht man nicht – oder doch?

Warum Musiker und Musiklehrende über Geld sprechen sollten.

Sprichst du mit anderen über das Thema Geld? Und wenn du es tust, hast du dabei ein gutes Gefühl? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass viele Menschen nur sehr oberflächlich über Geld kommunizieren. Ich glaube auch, dass bei kaum einem Thema so viel vertuscht und gelogen wird wie bei diesem.

Sicher kennst du auch den Spruch: „Über Geld spricht man nicht. Geld hat man.“ Was aber, wenn ich kein oder nur wenig Geld habe? Viele Musiklehrende gehören nicht zu den Hochverdienern unserer Gesellschaft. Jeder Euro, den wir in unserem Portemonnaie haben, ist hart erarbeitet. Vielleicht ist das der Grund, warum auch unter Musikern und Musiklehrenden kaum offen und positiv über Geld gesprochen wird.

In diesem Artikel und im Kommentarbereich wollen wir heute jedoch über Geld sprechen.

Unsere Einstellung zum Geld

Schlagt ihr einen beliebigen Finanz-Ratgeber auf, ist ein Aspekt immer enthalten: die Einstellung zum Geld.

Ja, wir müssen tatsächlich darauf achten, dass wir nicht ausschließlich negative Gedanken und Gefühle mit dem Thema Geld und dem Verdienen von Geld verbinden.

Wie sieht es bei dir aus? Mit welchen Gefühlen und Gedanken bedienst du einen Geldautomaten? Wie ist deine Stimmung, während du deine Steuerklärung machst? Was geht dir durch den Kopf, wenn du Rechnungen überweist? Wenn du allein beim Lesen dieser Fragen schon ein flaues Gefühl im Magen spürst, solltest du überlegen, woher das kommen könnte.

Woher kommen die negativen Gefühle?

„Geld verdirbt den Charakter.“ Hast du diesen Spruch in deiner Kindheit auch gelegentlich gehört? Oft übernehmen wir Wertvorstellungen unserer Eltern und unserer Umgebung im Kindes- und Jugendalter ganz unbemerkt. Auch wenn wir oberflächlich anders über ein Thema denken, werden wir von diesen übernommenen Wertvorstellungen beeinflusst. Hat man dir als Kind vielleicht gesagt, dass du eigentlich kein Taschengeld verdienst, da du es immer für Süßigkeiten ausgegeben hast, statt es brav in dein Sparschwein zu werfen?

Denke einmal kurz über folgende Fragen nach:

– Welche Einstellung hatten oder haben deine Eltern zum Geld?

– Wie wurde über Geld gesprochen?

– Wie wurde über reiche Menschen gesprochen?

– Wie wurde über arme Menschen gesprochen?

Geld realistisch betrachten

Es ist wichtig, dass wir uns nicht von unseren Emotionen treiben lassen, sondern einen realistischen Blick haben. Die Frage dabei ist: Was kann Geld und was kann es nicht?

Geld ist zunächst nur ein Tauschmittel und damit „Mittel zum Zweck“. Mit Geld können wir uns Waren und Dienstleistungen kaufen. Das ist eine gute Sache und macht unser Leben angenehm. Auf die kuschlige Jacke, die leckeren Erdbeeren und unser geliebtes Klavier möchten wir nicht verzichten und das ist auch richtig.

Wir sind es wert, Geld zu bekommen

„Reichtum beginnt im Kopf.“ Liest man die Biographien reicher Persönlichkeiten, stellt man schnell fest, dass diese durchweg eine positive Einstellung zum Geld und zum Geld verdienen haben oder hatten. Psychologen bestätigen, dass unsere innere Einstellung viel in der äußeren Welt bewirken kann. Wir müssen davon überzeugt sein, dass wir es wert sind, Geld zu bekommen und zu besitzen.

Wir sind es wert, Dinge zu besitzen und zu kaufen, die unser Leben angenehm machen!

Wir sind es wert, für unseren Unterricht Geld zu bekommen.

Wir sind es wert, dass Personen, die uns und unsere Musik buchen, dafür bezahlen.

Wir sind es wert, dass andere unsere Noten und CDs kaufen, statt sie illegal zu kopieren.

Wir sind es wert, dass Kollegen für das Knowhow unserer Seminare bezahlen.

Falsche Erwartungen

Doch wir müssen uns auch vor falschen Erwartungen hüten. Es gibt viele Dinge, „die Geld nicht kann“. Geld löst keine Probleme. Geld allein macht auch nicht glücklich und zufrieden. Es wird deine Ehe nicht retten und auch das Verhältnis zu deinen Kindern nicht verbessern.

Was ist dir wichtig?

Prüfe sehr genau, was dir eigentlich wichtig ist. Du selbst solltest dir zunächst wichtig sein. Wenn dir deine Schüler wichtig sind und du dich aufrichtig um sie bemühst, wird sich das herumsprechen und es werden neue Schüler dazukommen.

Vielleicht ist dir unsere Umwelt wichtig und du bist eigentlich mit dem, was du hast, zufrieden, dann lass dir nicht von der Industrie sagen, dass wir ständig mehr von allem benötigen.

Kaufe Waren, die du wirklich benötigst und die dir gefallen. Kaufe sie in Geschäfte mit freundlichen, verantwortungsvollen Inhabern und Mitarbeitern. Mir persönlich fällt es dann leichter, meine Rechnungen pünktlich und ohne schlechtes Gefühl zu bezahlen.

Ich nutze oft die kulturellen Vorzüge unseres Landes. Im Darmstädter Staatstheater kosten die preiswertesten Plätze bei einer Opernvorstellung ca. 16,- Euro. Die Bauweise des Theaters bietet auch auf diesen Plätzen sehr guten Sitzkomfort und ein uneingeschränktes Seh- und Hörvergnügen. Dass eine Opernkarte zu diesem Preis stark subventioniert ist, steht außer Frage. Wenn ich an meiner Steuererklärung arbeite, lasse ich all die wunderbaren Opern- und Konzertvorstellungen an meinem geistigen Auge vorüberziehen. Das hebt meine Stimmung und macht mir bewusst, wofür ich Steuern zahle.

Was möchtest du?

Alles beginnt mit unseren Gedanken und inneren Überzeugungen. Wenn du also mehr Geld möchtest, ist das in Ordnung. Prüfe zunächst, ob du dich wirklich für wertvoll und kompetent genug hältst, mehr Geld zu verdienen. Wenn ja, hier einige Anregungen:

– Überprüfe deine Unterrichtsgebühren und Gagen. Solltest du mehr Geld für deine Arbeit verlange? Wenn ja, dann tu es!

– Wird deine Arbeit genügend wertgeschätzt? (Z.B. in der Musikschule, in der du tätig bist.) Wenn das nicht der Fall ist, sprich darüber und sprich auch über deine Bezahlung.

– Präsentierst du dich richtig? Informierst du deine zukünftigen Kunden auf deiner Homepage, in Flyern und Annoncen ausreichend über deine Stärken und Vorzüge? Wenn nicht – tu es jetzt!

Geld ist Energie

In vielen Ratgebern wird Geld als eine Form der Energie beschrieben, die fließen muss. Wenn du damit übereinstimmen kannst, solltest du es zulassen, dass diese Energie zu dir kommt. Viele Menschen blocken diesen Zufluss durch ihre inneren Überzeugungen ab. Wenn du ein spiritueller Mensch bist, solltest du dich dahingehend überprüfen.

Von Tolstoi stammt dieses Zitat: „Der Gedanke ist der Anfang von allem. Die Gedanken jedoch kann man lenken. Deshalb ist die Hauptsache der Vervollkommnung, seine Gedanken zu bearbeiten.“

Fazit

All das zeigt uns, dass es wichtig ist, über Geld zu sprechen. Wenn wir es mit einer positiven inneren Haltung tun, wird es uns nicht „verderben“, sondern voranbringen.

1 Kommentar
  1. Verena sagt

    Geld gehört zu unserem Leben und ich finde es völlig in Ordnung über dieses Thema zu sprechen und sich auch auszutauschen. Nur so kann man auch das ein oder andere dazulernen.

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